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Eintracht Frankfurt : Fairness-Medaille statt Tore

Kommt ein Borusse geflogen: Doch auch Nordtveit bringt Inui nicht aus der Fassung und zum Fallen. Bild: Heiko Rhode

Viel Lob für den standfesten Inui sowie eine anhaltende Torflaute - auch nach der Niederlage gegen Mönchengladbach vertraut die Eintracht auf ihre Stärke.

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          Bei der Suche nach einem würdigen Preisträger hat es der Verband Deutscher Sportjournalisten diesmal leicht. Er braucht bloß nach Frankfurt zu schauen und Takashi Inui für die Verleihung des Fair-play-Preises vorzuschlagen. „Das ist schon eine einmalige Geschichte mit Inui“, sagte Eintracht-Trainer Armin Veh. „Der wird elfmeterreif gefoult, und statt hinzufallen, springt er noch zwei Meter hoch und läuft weiter.“ Der Frankfurter Coach konnte es kaum glauben. Es war eine der Schlüsselszenen im Heimspiel der Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach. Für die Attacke von Havard Nordtveit an den kleinen Japaner hätte auch der oft unglücklich agierende Schiedsrichter Deniz Aytekin in der 71. Minute auf Elfmeter entscheiden müssen - wenn denn Inui nach dem Foul gefallen wäre. Doch Inui, diesem fairen Sportsmann durch und durch, kam es überhaupt nicht in den Sinn. „Wenn ich das gewesen wäre“, sagte Veh nach dem deprimierenden 0:1, „wäre ich sofort gefallen. So aber kann Inui für sein Verhalten die Fair-Play-Medaille bekommen.“

          Fand im übrigen auch Karl-Heinz Körbel. Der „treue Charly“, mit 602 Einsätzen Rekordspieler der Fußball-Bundesliga, schüttelte noch eine Stunde nach der Niederlage immer wieder den Kopf. „Inui musst du dafür die Fairnessmedaille geben“, sagte die mittlerweile 58 Jahre alte Eintracht-Ikone. „Aber dem kannst du keinen Vorwurf machen. Cha hätte das genauso wie Inui gemacht,“ sagte Körbel. Bum Kun Cha, der große Frankfurter Stürmer, der einst nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch und vor allem wegen seines tadellosen Verhaltens zu einem der ganz großen Eintracht-Idole geworden ist. Inui, ein mögliches Idol?

          Warten auf die 40 Punkte

          Dafür braucht es mehr, als nur ein faires Verhalten. Können und Klasse beispielsweise. Beides war von der Eintracht als Ganzes gegen Gladbach nicht immer zu sehen. Sicherlich: Die Hessen waren vor allem im zweiten Spielabschnitt drückend überlegen und hätte es verdient gehabt, zumindest ein Unentschieden zu erreichen. Doch wie schon in der Hinserie schafften sie es auch im zweiten Bundesligavergleich nicht, ein Tor gegen die Borussia zu erzielen. „Das ist schon ziemlich bitter“, ärgerte sich Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Aber im Fußball lassen sich nun einmal nicht alle Wünsche erfüllen.“

          Die Vierzig-Punkte-Marke wollten sie am Freitag knacken - und damit dem Trainer die Chance geben, Klartext zu reden und sich zu positionieren. Veh und die Eintracht müssen nun zumindest bis zum kommenden Sonntag, bis zur nächsten Chance warten, die sich ihnen im Auswärtsspiel bei Hannover 96 bietet. Trotz des Tiefschlags gegen die unbequeme Borussia „gibt es keinen Grund, allzu viel zu hadern“. Für Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler steht außer Frage, „dass uns die zweite Halbzeit viel Mut gibt“. Immer wieder starteten die Frankfurter ihre Angriffe auf das von Marc ter Stegen bewachte Tor. Doch in einer Mixtur aus Unvermögen und Pech gelang es ihnen nicht, die Flaute gegen den Angstgegner zu beenden. Weil die Eintracht nun schon seit vier Spielen auf einen Treffer wartet, machte plötzlich die Rede von der „Spirale des Misserfolgs“ die Runde. Doch auch Vorstandsmitglied Axel Hellmann wollte davon nichts wissen. „Da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Wer soviel PS und soviel Dampf in der zweiten Halbzeit auf den Platz bringt wie wir, der rutscht nicht ab.“ Das Vertrauen in die eigenen Kräfte und das eigene Können ist groß bei den Frankfurtern. „Wir sind gut beraten, unser gesetztes Ziel nicht zu ändern“, sagte Hellmann. „Wir haben einen Toptrainer. Der kennt alle Antworten.“

          Für die kommenden Dienstreise nach Hannover an den Maschsee ist auch Schwegler frohen Mutes. „Wir wollen die fehlenden Punkte holen und dem Trainer damit die Chance geben, dass er endlich seinen Vertrag verlängern kann.“ Der Kapitän will klare Verhältnisse. Die aber kann es nur geben, wenn die Eintracht sich wieder auf eine der fußballerischen Kernaufgaben konzentriert: das Toreschießen.

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