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Eintracht Frankfurt : Erst spät ein Hauptgewinn

  • -Aktualisiert am

Willkommen Bremen: Torwart Felix Wiedwald ist bei Werder erst spät zu einem gefragten Führungsspieler geworden. Bild: dpa

Während Lukas Hradecky bei der Eintracht einen Ruf wie Donnerhall genießt, brauchte Torwartkollege Felix Wiedwald länger, um Werders wahre Nummer eins zu sein.

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          Als sich Felix Wiedwald vor gut einem Jahr entschied, die Frankfurter Eintracht zu verlassen, waren sie am Main ziemlich betrübt. Der Torwart hatte sich als guter Ersatz für die langjährige Nummer eins des Klubs, Kevin Trapp, erwiesen, der wegen einer Verletzung ausfiel. In zehn Bundesligaspielen bewies der heute 26 Jahre alte Torhüter so viel Begabung, dass die Eintracht mit ihm sehr gerne den Vertrag verlängert hätte. Doch zum Zeitpunkt der Entscheidung war nicht abzusehen, dass Trapp den Verein so schnell verlassen würde. Und nachdem er auf den Bundesliga-Geschmack gekommen war, wollte Wiedwald nicht wieder zurück auf die Ersatzbank. Also nahm er ein Angebot seines Heimatvereins Werder Bremen an, der eine Nummer eins suchte.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Wenn an diesem Samstag die Frankfurter Eintracht und Werder Bremen zum Endspiel gegen den Abstieg antreten, dann sind die Frankfurter froh darüber, dass bei ihnen nicht Wiedwald zwischen den Pfosten steht, sondern Lukas Hradecky. Der Finne hat nach Trapps Abschied zu Paris St. Germain einen noch besseren Eindruck hinterlassen, als ihn Wiedwald jemals machte. Der Niedersachse hat seinen Wechsel zurück zu seinem Heimatverein auch nicht bereut. Für ihn erfüllte sich bei Werder die Sehnsucht nach einem Stammplatz. Wie Hradecky stand er jede Minute in dieser Spielzeit auf dem Platz.

          Statistik-Vergleich Hradecky-Wiedwald

          Seine Bilanz liest sich jedoch nicht so prickelnd, jedenfalls weniger prickelnd als die seines Frankfurter Kollegen: Erst am 33. Spieltag blieb der Bremer beim 0:0 in Köln erstmals in dieser Saison ohne Gegentor. Achtmal ist Hradecky dies gelungen. Auch bei der Zahl der Gegentore - Wiedwald 65, Hradecky 51 - weist der Frankfurter einen deutlich besseren Wert auf. Noch krasser fällt der Rest der Statistik aus: Hradecky hat 71 Prozent der Torschüsse gehalten, Wiedwald 62 Prozent. Glanzparaden sind auf der offiziellen Bundesliga-Homepage bei ihm nur drei gelistet, bei Hradecky hingegen zwölf. Von dem sind auch mehr Abschläge und Abwürfe angekommen. Der Eintracht-Torwart ist zudem öfter ins Spiel einbezogen: Er hatte 1529 Ballkontakte, der Werder-Torwart nur 1208.

          Die Daten sagen nicht alles, aber sie lügen auch nicht. Hradecky genießt in Frankfurt einen Ruf wie Donnerhall, auch wegen seines positiven Charakters, Wiedwald erntete im Laufe der Saison einiges an Kritik, nachdem er noch von Trainer Viktor Skripnik in der Sommerpause überschwänglich begrüßt worden war: „Wiedwald ist der Hauptgewinn unter unseren diesjährigen Transfers.“ Doch zum Rückhalt wurde der ruhige und zurückhaltende Profi, der schon mit neun Jahren erstmals für Werder spielte, zunächst nicht.

          „Die Leute hier leben für Werder“

          Lange suchte Skripnik nach einer passenden Defensive. Das hatte auch für Wiedwald erhebliche Nachteile. Oft stand er am Ende einer Fehlerkette ziemlich dumm da, und weil dann die großen Taten fehlten, um Patzer der Vorderleute auszubügeln, war Wiedwald ein Keeper, der keine Unhaltbaren halten kann. Beklagt hat er sich nie. Auch Plädoyers in eigener Sache sind ihm fremd. In einer ohnehin ruhigen Mannschaft fiel er nicht weiter auf. Da mussten ihn Sportchef Thomas Eichin und Trainer Skripnik schon gehörig aufwecken, um Leistung herauszukitzeln.

          Zu diesem „Hallo-wach-Ruf“ gehörte auch die Verpflichtung des Routiniers Gerhard Tremmel im Januar. Es gab einige Partien, vor denen man als Beobachter nicht sicher sein konnte, ob Wiedwald oder Tremmel spielen würden. Skripnik hielt jedoch auch in der Krise zu Wiedwald, und seit dem Sieg in Leverkusen am 24. Spieltag hat er seine Form gefunden. Zum Führungsspieler ist er erst in den vergangenen Wochen geworden. Vermehrt trat er in der Interviewzone auf und traf dort den Ton: „Bremen ist Werder, und Werder ist Bremen“, sagte er jüngst, „die Leute hier leben für diesen Verein. Wir müssen den Fans das jetzt am letzten Spieltag zurückgeben.“

          Auffallend oft hat der 26 Jahre alte Torwart zuletzt behauptet, dass er keine Angst vor dem Saisonfinale habe. Das wirkte glaubwürdig, weil er in gleichem Maße auf dem Platz an Ausstrahlung und Statur gewonnen hat. Sollte Werder in der Bundesliga bleiben, wäre Felix Wiedwald nach einer nervenaufreibenden Saison einer der Gewinner - und vielleicht einer, der die Probleme im Werder-Tor für lange Zeit lösen kann.

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