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Eintracht Frankfurt : Eintracht finanziell im unteren Mittelfeld

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Viele Fans – im Stadion und am Fernseher: Doch Vereine wie Mainz und Hannover kassieren mehr Fernsehgeld als die Eintracht. Bild: Heiko Rhode

Finanzvorstand Hellmann plant konservativ – und mit sechs Millionen Verlust. Konkurrenten mit Investoren im Rücken erschweren das Geschäft: „Ich halte das für ungesund.“

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          Die Frankfurter Eintracht hat im Geschäftsjahr 2013/14 ein Rekordergebnis erzielt. Bei einem Gesamtumsatz von 99 Millionen Euro blieb ein Gewinn nach Steuern von neun Millionen Euro. Der große Treiber war die Teilnahme an der Europa League, die 14 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen brachte. „Die Eintracht Frankfurt Fußball AG ist wirtschaftlich gesund, schuldenfrei und hat ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den vergangenen beiden Jahren deutlich erhöht“, sagte Finanzvorstand Axel Hellmann am Mittwoch.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Auf allen Teilgebieten konnte Hellmann auf Umsatzsteigerungen verweisen: Aus dem Eintrittskartenverkauf, Marketing, Merchandising, Medienerlösen. Doch langsam stoßen die Verdienstmöglichkeiten aus diesen Sparten an Grenzen, bedingt durch langfristige Verträge mit dem Stadionbetreiber und dem Vermarkter Sportfive, an den hohe Provisionen abzuführen sind. Auch gibt es nicht viel mehr als die 47 000 Ticktes und die 60 Logen zu verkaufen, die zuletzt abgesetzt und für den Etat 2014/15 wieder angesetzt wurden.

          Nur ausgeben, was man verdient

          Die Eintracht plant für die beginnende Saison mit einem Verlust von sechs Millionen Euro – die Gewinne aus der Europa League machen es möglich. „Es ist Unsinn zu behaupten, dass wir zu vorsichtig wären und nicht ins Risiko gingen“, sagt Hellmann. „Wir geben aber nur das Geld aus, das wir vorher verdient haben.“

          Die Planungen auf der Einnahmenseite laufen konservativ. Die angesetzten 81 Millionen Euro beinhalten keine Erlöse aus dem DFB-Pokal. Auch könnten Transfererlöse das Defizit im Haushaltsentwurf verringern. Sie sind aber nicht verlangt, die sportliche Konkurrenzfähigkeit geht vor. Von den veranschlagten 87 Millionen Euro Ausgaben werden 34 Millionen Euro dem Lizenzspielerkader zugeschlagen, damit bewegt sich die Eintracht im unteren Mittelfeld der Bundesliga.

          Wichtiges Geld aus dem Fernsehtopf

          Um die finanzielle Situation der Eintracht zu verbessern, plant Hellmann weitere Aktionen wie die mit dem Finanzplatz Frankfurt am vergangenen Wochenende. Das Saisoneröffnungsspiel gegen Inter Mailand trug offiziell den Titel „Finance Cup“, ihm voraus ging ein Empfang in der Alten Oper, auf dem wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontakte geknüpft werden konnten. In der Auslandsvermarktung sieht Hellmann große Wachstumschancen. „Wir haben hier in Frankfurt einige Unternehmen wie die Messe oder Fraport, für die der Weltmarkt wichtig ist. Der deutsche Fußball genießt im Ausland ein unglaubliches Ansehen, nicht erst seit dem Gewinn der WM. Das sollten wir nutzen.“ Nicht von ungefähr ist vorgesehen, dass die Mannschaft ihr Winter-Trainingslager wieder in Abu Dhabi bezieht.

          Doch am schnellsten könnte die Eintracht ihre Marktposition in der Bundesliga über sportliche Erfolge verbessern. Hannover 96 und Mainz 05 bekommen neun beziehungsweise acht Millionen Euro mehr aus dem Fernsehtopf der Deutschen Fußball-Liga, weil sie um acht beziehungsweise sieben Plätze in der sportlichen Wertung der letzten fünf Jahre der Liga vor den Frankfurtern liegen. Die Eintracht wird als 14. geführt, da wirkt sich immer noch der Abstieg 2011 aus.

          „Ungesunde“ Kapitalisierung

          Hellmann stellt die Frage, ob es richtig sei, die Fernsehgelder allein nach den Tabellenplätzen der vergangenen fünf Jahre zu verteilen: „Sollten nicht auch andere Parameter berücksichtigt werden, zum Beispiel, welche Einschaltquoten die einzelnen Vereine erzielen?“ Der Eintracht-Vorstand betont, dass er nichts fordere und auch keine Umverteilung anmahne. „Ich gebe nur einen Denkanstoß.“ Natürlich weil die Eintracht bei den Reichweitenmessungen – im Verhältnis zum sportlichen Erfolg – sehr gut abschneidet. In den Statistiken der verschiedenen Sender rangieren die Frankfurter zwischen Platz fünf und sieben. Immerhin ein wichtiges Argument bei Verhandlungen mit potentiellen Sponsoren.

          Hellmann hält die Wettbewerbsfähigkeit der Eintracht durch eigene Betriebsleistungen für gut. Doch sei der Markt verzerrt durch eine zunehmende Zahl von Klubs, die Kapitalisierungsmaßnahmen durch Dritte genießen. Hellmann nennt keine Beispiele. Gemeint sind damit Klubs, die von Konzernen (Wolfsburg/VW, Leverkusen/Bayer, Leipzig /Red Bull) oder Privatpersonen (Hoffenheim/Hopp, Hannover/Kind) unterstützt werden. „Ich jammere und kritisiere das nicht. Ich halte die Entwicklung aber persönlich für ungesund.“

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