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Eintracht Frankfurt : Einfach überragend

Torschütze Meier (Mitte) bedankt sich im Spielerkreis bei Mitstreiter Köhler für eine perfekte Vorvorlage Bild: dpa

Alexander Meier führt die Eintracht als Ersatzkapitän und mit zwei Kopfballtoren zum 2:1 gegen Braunschweig. Neuzugang Amedick leistet sich einige Aussetzer, Sonny Kittel ist ohne Spielerlaubnis.

          Am Ende des Interviewmarathons wurde der Mann des Tages fast zum Philosophen: "Es war ein wichtiger Sieg. Aber es war nur ein kleiner Schritt von vielen." Gesagt hat dies Alexander Meier. Der Fußballprofi der Frankfurter Eintracht, nicht gerade als Schwätzer bekannt, war der unumstrittene Wärmefaktor im Eisschrank WM-Arena. Nahezu alles, was Meier anpackte, hatte Hand und Fuß. Das Ergebnis im Übrigen auch.

          Nachdem die aufstiegsambitionierte Konkurrenz an den beiden Tagen zuvor zumeist gepatzt hatte, nutzte die Eintracht die Gunst der Stunde und kletterte dank des knappen, aber verdienten 2:1 gegen den Namensvetter aus Braunschweig in der Zweiten Fußball-Bundesliga von Tabellenposition drei auf zwei. In Düsseldorf, beim Branchenprimus Fortuna, der am Samstag beim abstiegsbedrohten FC Ingolstadt nur zu einem 1:1 gekommen war, können sie spätestens seit Sonntag wieder den Atem der Eintracht spüren. Sie liegt jetzt nur noch einen Punkt hinter dem Spitzenreiter und fühlt sich gerüstet für das Gipfeltreffen am 13. Februar.

          Schlafmütziger Amedick

          Meier also, der Mann des Tages. Früh schon zeigte der neue Ersatzkapitän der Eintracht, dass dies sein Tag sein würde. Zwar musste er zunächst aus der Distanz verfolgen, dass die Niedersachsen schon in der fünften Minute durch Dennis Kruppke überraschend 1:0 in Führung gegangen waren. Doch als sich der Ärger über den in dieser Szene völlig indisponierten Eintracht-Zugang Martin Amedick gelegt hatte, der sich im Laufduell mit dem leichtfüßigen Dominik Kumbela wohlwollend formuliert stark verbesserungsfähig zeigte, schlugen Meiers Minuten.

          Erst war er Nutznießer einer mit rechts geschlagenen Flanke von Linksverteidiger Heiko Butscher, die der längste Frankfurter Fußballprofi mit dem Kopf geschickt gegen die Laufrichtung des Braunschweiger Schlussmanns Daniel Davari in der linken Torhälfte unterbrachte (11. Minute). Dann profitierte der alles und alle überragende Spieler dieser vor allem in der ersten Halbzeit höchst ansprechenden Zweitligapartie von einem Eckball seines langjährigen Mitspielers Benjamin Köhler. Wieder stieg Meier am höchsten - und wieder landete die Kugel links im Braunschweiger Gehäuse (22.). Vor Meiers Geniestreichen wollte sich schon Erwin Hoffer als Torschütze an diesem frostigen Sonntagmittag feiern lassen. Doch der Treffer des Österreichers wurde korrekterweise wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt (3.).

          Erfreulich: Die Art und Weise, wie Meier als Antreiber und Torschütze wie besessen rackerte und sich lauter Fleiß- und Bestnoten verdiente, schien auch Mitspieler Karim Matmour zu beflügeln. Der Algerier zeigte die vielleicht stärkste Leistung, seitdem er in Frankfurt sein Geld als Fußballprofi verdient. Immer wieder gefiel der rechte Außenmann durch Spielwitz, technische Raffinesse und Ideenreichtum. In der Statistik wurde er mit fünf Torschussvorlagen zudem als effektivster Vorbereiter geführt. "Ich bin froh, dass wir das Spiel heute gewonnen haben", sagte ein sichtlich entspannter Eintracht-Trainer. Nonchalant sah Armin Veh auch über Amedicks Aussetzer hinweg, der zum Rückstand geführt hatte. "Da muss er sich durchbeißen. Aber er hat sich gefangen, und in der zweiten Halbzeit war Martin gut im Spiel. Das schafft nicht jeder."

          Butscher überspielt Nervösität

          Bei Heiko Butscher, dem zweiten winterlichen Neuling, bedurfte es nicht erst eines Ausrutschers, um besser zu werden. Der einstige Spielführer des erstklassigen SC Freiburg spielte in seinem ersten Pflichtspiel für die Eintracht von Anfang bis Ende durchweg gut. "Zu Beginn war ich zwar etwas nervös", gestand der 31 Jahre alte Verteidiger, der gegen Braunschweig den Part des bisherigen linken Stammhalters Constant Djakpa übernahm. "Aber es hat gepasst. Und auch wenn es in der zweiten Halbzeit nicht mehr so druckvoll zuging: Das war ein absolut verdienter Sieg für uns", sagte Butscher. Er, ein Mann der klaren Worte, hatte sich das 2:1 nach der Wiederaufnahme des Punktspielbetriebs erhofft. "Wir wollen aufsteigen", sagte er nach vollbrachtem Tagwerk, in eine wärmende Wolldecke eingehüllt: "Da muss man die Heimspiele gewinnen."

          Dass Butscher tatsächlich links hinten verteidigte und sich immer wieder in das Offensivgeschehen einschaltete, war für ihn so eindeutig nicht. "Ein halbes Jahr lang habe ich das nicht mehr gemacht", sagte er. "Doch als mich Trainer Armin Veh gefragt hat, ob ich es mir zutraue, habe ich ja gesagt." Ja hatte Veh auch zu einem Einsatz von Sonny Kittel gesagt. Der jüngste Eintracht-Profi, gerade neunzehn Jahre alt worden, war sogar für die Startelf vorgesehen. Doch welch ein Fauxpas: Eine Stunde vor dem Anpfiff wurde entdeckt, dass Kittel "nicht auf der elektronischen DFL-Liste stand", wie Veh berichtete. Ein Vorgang, "den ich in meinen 21 Jahren so noch nie erlebt habe". An diesem Montag soll das Versäumnis nachgeholt und Kittel auf der Spielberechtigungsliste der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingetragen werden. Vielleicht erhält der Frankfurter Youngster beim Gipfeltreffen in Düsseldorf eine neue Chance.

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