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Eintracht Frankfurt : Ein wachsames Adlerauge

Auf Erkundungstour: Eintracht-Sportdirektor Hübner macht Chefscout Legien mit dem Frankfurter Stadion vertraut. Bild: Jan Huebner

Die Scouting-Abteilung war bisher ein Schwachpunkt der Eintracht. Bernd Legien wird ihr neuer Chef, weil er einen Blick für Talente hat.

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          Auch ein Spaziergang gehörte zum ersten Arbeitstag. Um kurz nach elf Uhr ließ sich Bernd Legien über das Gelände an der WM-Arena führen. Erklärt wurden ihm die Wege von Bruno Hübner, mit dem er auch einen Zwischenstopp beim Training der Profis einlegte. Legien wurde am Montag als neuer Chefscout des Fußballklubs vorgestellt. Er ist künftig einer der engsten Mitarbeiter des Sportdirektors. Das Frankfurter Stadion, das er in den vergangenen zehn Jahren immer wieder als aufmerksamer Tribünengast besuchte, wird von sofort an sein Arbeitsplatz sein: Am Dienstag bezog der 43-Jährige sein Büro, richtete seinen E-Mail-Account ein, nahm das Diensthandy in Empfang. In den ersten Wochen, sagte Legien, gehe es für ihn hauptsächlich darum, die Kollegen kennenzulernen. Fakt ist: An Aufgaben wird es ihm nicht mangeln.

          Die Scouting-Abteilung, die zuletzt von Bernd Hölzenbein verantwortet wurde, gehörte nicht nur in den Augen Hübners zu den Schwachstellen der Eintracht. Viele Transfer-Flops von Nikola Petkovic über Caio bis hin zu Ricardo Clark oder Dominik Schmidt trübten unter anderem die Bilanz, zugleich bemängelten die klubinternen Aufsichtsgremien, dass es versäumt wurde, zum Beispiel bei André Hahn kostengünstig zuzuschlagen, als der quasi vor der eigenen Haustür, beim OFC auf dem Bieberer Berg in Offenbach, regelmäßig sein Können demonstrierte. Inzwischen landete Hahn über die Zwischenstation FC Augsburg als Nationalspieler bei Borussia Mönchengladbach.

          Legiens früherer Club Ingolstadt

          Ähnlich verbesserungswürdig verlief der Deal mit Olivier Occean, der sich bei den Kickers als Nobody in den Vordergrund spielte, aber erst später für mehr als eine Million Euro unter Vertrag genommen wurde, als er sich bei der Spielvereinigung Fürth einen Namen gemacht hatte. Legien wollte am Dienstag weder einen Blick zurück noch einen voraus werfen. Es sei unredlich, befand der neue Mann, sich „schon am ersten Tag in der Öffentlichkeit zu äußern“. Grundsätzlich sehe er sich sowieso eher als Akteur, der „im Hintergrund“ tätig sei. Nur so viel: Sein Wunsch sei es, dass in absehbarer Zeit die Suche nach Talenten und Profis, die der Eintracht weiterhelfen könnten, vom Bundesligateam bis hinunter in die ältesten Jugendauswahlen des Leistungszentrums nach ähnlichem Muster und mit übergeordnetem Plan abläuft.

          Unterstützung erhält Legien dabei bis auf weiteres von fünf Mitarbeitern, wobei bis zu zwei jedes Wochenende für die Gegner-Beobachtung eingesetzt werden sollen, während die übrigen drei zuallererst den nationalen Markt im Auge behalten sollen. Eine personelle Aufstockung der Abteilung ist im Gespräch. Den FC Ingolstadt zu verlassen, so beschrieb es Legien, sei ihm schwergefallen. Seit 2012 hatte er im Dienst des mit allerhand Aufwand von Audi gesponserten Klubs gestanden, und aktuell schaut es so aus, als könne die Vision vom Erstliga-Aufstieg Wirklichkeit werden. „Wenn man jetzt auf die Tabelle schaut“, sagte Legien, „ist man schon froh, dass sich ein Teil der zurückliegenden Arbeit bezahlt gemacht hat.“ Ingolstadt ist Erster der zweiten Liga. Sie seien dort, berichtete er, „nicht ganz so glücklich“ über seinen Abgang gewesen, doch für ihn habe sich mit dem Schritt zur Eintracht ein Wunsch erfüllt, dem sich die Bayern letztlich nicht verwehrten. „Bruno Hübner“, sagte Legien, mit Blick auf den Manager, „kann überzeugen.“

          Ein Mann mit Expertise

          Über drei Monate hätten sich die Verhandlungen hingezogen, ehe sich alle Beteiligten einig wurden. Auch der Hamburger SV buhlte um ihm. Mit Dietmar Beiersdorfer, dem neuen Vorstandsvorsitzenden, verbindet ihn eine gemeinsame, erfolgreiche Vergangenheit. Beide lernten sich während des VWL-Studiums kennen und schätzen. Als Manager lockte Beiersdorfer den ehemaligen Jugendtrainer 2002 zum HSV, wo er außer „einer Tüte mit fünf Videokassetten“ anfangs nichts vorfand, was ihm die Sache erleichtert hätte. Doch schnell machte sich Legiens Einstieg für den HSV bezahlt; unter anderem die Einkäufe von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Piotr Trochowski und Ivica Olic gingen auch auf seine Expertise zurück. Beiersdorfer, der im Juni zu den Hamburgern zurückkehrte, hätte Legien gerne wieder mit an Bord gehabt. Doch der schlug das Angebot aus - auch der Familie zuliebe. Der aus dem Ort Roth bei Nürnberg stammende Fußballanalyst ist mit einer Frankfurterin verheiratet. Der Erstwohnsitz der Familie liegt schon länger in Sachsenhausen, Sohn und Tochter gehen hier in den Kindergarten. Bis 2017 arbeitet ihr Papa nun für den bedeutendsten Sportverein der Stadt.

          Zambrano: „Echt schade!“ Carlos Zambrano hat sich vor seiner Abreise vom peruanischen Nationalteam zu Wort gemeldet. Seinen Fans schickte er eine Nachricht aus dem Krankenbett. „Das mit meiner Verletzung ist echt schade! Aber so ist es nun mal“, teilte der Innenverteidiger via Facebook mit. Außerdem veröffentlichte er ein Bild seines bandagierten Knies, das er sich im Länderspieleinsatz gegen Chile am Wochenende verdreht hatte. „Auch ohne dass ich mitspielen kann, werde ich meine Teamkollegen und die meiner Nationalmannschaft tatkräftig unterstützen“, schrieb Zambrano weiter, „vielen Dank für eure Unterstützung!“ An diesem Mittwoch wird er in Frankfurt zurückerwartet, gemeinsam mit den Mannschaftsärzten Dr. Wulf Schwietzer und Dr. Christoph Seeger soll dann das weitere Vorgehen besprochen werden. Trainer Thomas Schaaf sagte, es komme darauf an, eine „absolut genaue Diagnose zu haben“. Der Mediziner der peruanischen Nationalelf war in der Zeitung „La República“ mit den Worten zitiert worden, Zambrano habe einen „Teilriss der Bänder“ erlitten. Dazu äußerte sich Schaaf am Dienstag nicht. Er sagte nur: „Es ist nicht so schön.“ (mah.)

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