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Eintracht Frankfurt : Ein tolles Spiel – eigentlich

Ausgepumpt: Marco Russ beginnt gleich nach dem Abpfiff in Sinsheim mit dem Regenerationsprogramm. Bild: Heiko Rhode

Applaus für die Frankfurter Pechvögel: Die Eintracht zeigt beim 2:3 gegen Hoffenheim über weite Strecken eine mitreißende Darbietung. Doch einige Fehler zu viel verhindern ein Happy End.

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          Den letzten Fußweg absolvierten sie nur noch mit Trippelschritten. Die vorangegangene Vorstellung hatte Kraft gekostet. In gemächlichem Tempo trabte die komplette Eintracht-Mannschaft nach dem Abpfiff auf den mitgereisten Anhang zu – und je näher die Spieler der Kurve kamen, in der in dem Hoffenheimer Fußballstadion mehr als dreitausend ihrer Getreuen standen, umso lauter brandete Beifall auf. In diesem Moment schienen die Rollen vertauscht: Der Applaus für die Frankfurter Pechvögel, die sich nach hartem Kampf 2:3 hatten geschlagen geben müssen, war lauter als auf der anderen Seite der Jubel für die siegreichen TSG-Profis.

          Die Frankfurter Sympathisanten besaßen an diesem Abend ein gutes Gespür und zeigten ein Herz für Verlierer. Ihr Dank für eine über weite Strecken mitreißende Darbietung, in der dem Team am Freitag nur drei Minuten zum nächsten Achtungserfolg gefehlt hatten, war zumindest ein wenig Balsam für die geknickten Spieler, die zum Auftakt des 15. Bundesliga-Spieltags viel investiert hatten, am Ende jedoch mit leeren Händen da standen.

          „Wechselbad der Gefühle“ für Timo Hildebrand

          Der Brasilianer Firmino hatte sie mit seinem Treffer in der Schlussphase entscheidend getroffen (87. Minute). Auch der Frankfurter Trainer Thomas Schaaf verließ nach dem Abpfiff langsam seine Coaching-Zone und schritt auf den Rasen, wo er einen Moment regungslos verharrte und die Flutlichtszenerie auf sich wirken ließ. „Es hat mir leid getan für die Mannschaft“, sagte er später auf die Frage, was in diesem Moment in seinem Kopf vorgegangen sei: „Sie hätte es verdient gehabt, hier etwas mitzunehmen.“ Doch Tore von Stefan Aigner (58.) und Haris Seferovic (77.) genügten nicht, weil bei den Hoffenheimern, angetrieben vom ehemaligen Frankfurter Kapitän Pirmin Schwegler, neben Firmino noch Kevin Volland (43.) sowie Adam Szalai (66.) zuschlugen.

          Nicht nur wegen der vielen Strafraumaktionen erlebten die 28.000 Besucher einen mitreißenden Schlagabtausch, der so abwechslungsreich und spannend verlief, weil beide Seiten nicht taktierten, sondern nach der Balleroberung auf Attacke umschalteten und mit viel Tempo und Wucht nach vorn strebten. Timo Hildebrand, der als Ersatzkeeper ein zufriedenstellendes Debüt für die Frankfurter gab, sprach später von einem „Wechselbad der Gefühle“.

          Einige Fehler in der Defensive

          Auch er und alle anderen Akteure auf dem Feld konnten sich nie wirklich sicher sein, welchen Verlauf diese Begegnung zweier Konkurrenten auf Augenhöhe nehmen würde. Insgesamt verzeichnete die Statistik 39 Torschüsse, zwanzig von der Eintracht, neunzehn von der TSG; und 174 Zweikämpfe in der Luft und am Boden, von denen die Frankfurter 77 gewannen. Heribert Bruchhagen drückte es so aus: „Es war ein tolles Spiel“, stellte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht fest – und schob das Wörtchen „eigentlich“ im gleichen Atemzug hinterher. Um vollständig zufrieden zu sein, fehlte ihm das Happy End. „Es wuppte ständig hin und her“, sagte Bruchhagen, Hoffen und Bangen wechselten sich bei ihm permanent ab.

          Die Eintracht erlaubte sich dabei vor allem defensiv einige Fehler zu viel, die von den Kraichgauern bestraft wurden. Vor dem 0:1 gelang es Makoto Hasebe nicht, nach einem Ballverlust den heranstürmenden Firmino auf Höhe der Mittellinie zu bremsen; auch zögerte Hildebrand danach einen Tick zu lange, um Volland den Weg noch zu versperren; beim 1:2 durch Szalai kam das Pech hinzu, dass Referee Jochen Dress bei einer kniffligen Abseitsstellung zuungunsten der Eintracht entschied, während der ehemalige Mainzer im TSG-Trikot nach einer Ecke weder von Meier noch von Timothy Chandler gestört wurde und so Matchwinner Firmino bedienen konnte.

          Überhaupt waren es Standardsituationen, bei denen die Eintracht in Verlegenheit geriet, weil sie nicht energisch genug den eigenen Strafraum verteidigte. „Enttäuscht“ sei er, räumte Schaaf ein, „wir hatten uns ein bisschen was vorgenommen und wollten erfolgreich von dannen ziehen.“ Ein Unentschieden, so seine Einordnung der beiden Hälften, von denen die Gastgeber die erste beherrschten und nach der Pause das Kommando von der Eintracht entrissen bekamen, „wäre verdient gewesen“. Doch weil dem eingewechselten Sonny Kittel (89.) und Marco Russ (90.) Zentimeter fehlten, um die Kugel zum abermaligen Ausgleich über die Linie zu drücken, Chandler einen Heber an den Pfosten setzte (59.) und Goalgetter Meier bei einer Handvoll Versuche entweder nicht exakt genug zielte oder an Schlussmann Oliver Baumann scheiterte, „ging das Ding in die andere Richtung“, wie es Schaaf ausdrückte.

          Seferovic, der mit seinem sechsten Saisontreffer das Remis in greifbare Nähe gerückt hatte, befand, es sei „ärgerlich, wie es gelaufen ist“. Auch der Schweizer Nationalspieler hätte sich bei den lautstarken Gefolgsleuten auf den Rängen gern mit einem Punktgewinn für die Unterstützung revanchiert: „Es sind die besten Fans, die ich in meiner Karriere bislang erlebt habe“, sagte der 22-Jährige, es wäre schön gewesen, ihnen passend zur Weihnachtszeit ein Geschenk zu machen. Die nächste Gelegenheit zur Bescherung bietet sich aber schon bald: Im letzten Heimspiel vor den kurzen Winterferien geht es an diesem Mittwoch gegen Hertha BSC.

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