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Eintracht Frankfurt : Ein fast perfekter Auftritt

Danke schön: Torschütze Sebastien Haller sucht die Nähe zu Vorbereiter Marius Wolf Bild: SvenSimon

Das beste Auswärtsspiel der Saison führt zum 3:1 der Eintracht in Wolfsburg. Haller trifft schon wieder, Wolf überzeugt als Vorbereiter – und Kovac gewinnt eine neue Erkenntnis.

          Die spontane Antwort auf die erwartete Frage nach der Auswärtsstärke fiel kurz und knapp aus. „Der Fußball ist schon merkwürdig.“ Gesagt hat dies Niko Kovac an einem Tag, an dem sich der Trainer der Frankfurter Eintracht zufrieden und entspannt zurücklehnen konnte. Wieder einmal, denn seine Mannschaft spielte fern von Frankfurt in der Fremde.

          Diesmal in Wolfsburg, und wieder gab es viele gute Gründe, dass sich die mit der Eintracht sympathisierenden Fußballfreunde über ein Bravourstück freuen konnten. 3:1 beim VfL gewonnen. Eine klare Sache, ein verdienter Sieg. Die Eintracht war die bessere Mannschaft und zeigte den Wolfsburgern in der famosen ersten Halbzeit Grenzen auf. Langjährige Beobachter des erstklassigen Fußballgeschäfts sprachen sogar von einem zeitweiligen Klassenunterschied.

          Überlegen dank Haller und Wolf

          Nicht alles hat von Anfang bis Ende gepasst. Aber vieles. Und das lag vor allem an zwei Spielern: Sébastien Haller und Marius Wolf. Der eine, Haller, schießt weiter verlässlich Tore. Der andere, Wolf, gefällt jetzt auch noch in der Rolle des Vorbereiters. Die Frankfurter Treffer Nummer eins und zwei, erzielt in der 18. Minute durch Haller und vier Minuten später durch Timothy Chandler, gingen zu einem Großteil auf das Konto von Wolf.

          Es waren die beiden Szenen, in denen der 22 Jahre alte Leihspieler von Hannover 96 zweimal entschlussfreudig und sprintstark seine Wolfsburger Gegenspieler zu Statisten degradierte, dabei nicht den Blick für den besser postierten Nebenmann verlor – und Haller und Chandler zu Torschützen machte. Zwar fielen bis zum Ende noch zwei weitere Tore durch Maximilian Arnold (66.) und Luka Jovic (85.). Doch aufgrund der großen Überlegenheit der ersten Hälfte brauchten sich die Eintracht-Verantwortlichen keine Sorgen zu machen.

          Achtes Tor für Haller

          Auswärtsspiel in Wolfsburg – auch das gewinnt die Eintracht. „Ist ja nichts Neues“, sagte mit einem Schmunzeln Sportvorstand Fredi Bobic. Als das 3:1 und damit der sechste Auswärtssieg im zehnten Auswärtsspiel perfekt war, hörte man Kovac in Erklärversuchen. Die Gründe für die Auswärtsstärke der Eintracht? „Meiner Mannschaft liegt das schnelle Umschaltspiel. Wir können dann die Bälle in die Tiefe spielen, und dafür haben wir schnelle Spieler.“ Wolf beispielsweise, oder aber auch den wendigen, kaum ausrechenbaren Ante Rebic. Und im Zentrum jemanden, der die schnell vorgetragenen Konter zumeist veredelt: Haller.

          Für den 23 Jahre alten Franzosen war das Führungstor in Wolfsburg schon Bundesligatreffer Nummer acht. Dass sein Tor Ausgangspunkt eines furiosen Spiels sein würde, konnte Haller nicht ahnen. Doch später sagte er: „Das war ein fast perfekter Auftritt.“ Haller war angetan von der Gesamtleistung der Mannschaft. „Wir haben das erste Mal in dieser Saison mit zwei Toren Unterschied gewonnen und können sehr zufrieden sein. Es macht Spaß, bei der Eintracht zu spielen. Es ist schön zu sehen, wenn alle Spieler den Anleitungen des Trainers folgen und die Vorstellungen umsetzen.“

          Kovac lobt seine Mannschaft

          Für Perfektionist Kovac kamen die ersten 45 Minuten in der mit 24450 Zuschauern nur spärlich besuchten Wolfsburger Arena einem Ritterschlag gleich. Für seine Verhältnisse ungewöhnlich, sprach der 46 Jahre alte Fußballlehrer von einer „einzigartig guten ersten Halbzeit“. Korrekterweise „gehen wir 2:0 in Führung und hätten noch mehr Tore erzielen können. Das war ein super Auswärtsspiel meiner Mannschaft. Wir wollen den Abstand nach hinten weiter vergrößern und die nötigen Punkte holen, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.“

          Wer nach 19 absolvierten Spielen einen Blick auf das Tabellenklassement wirft, braucht sich keine Sorgen zu machen. Der Abstand nach unten ist gewaltig. Interessanter erscheint da schon der Abstand nach oben. Torschütze Chandler war einer der wenigen aus dem Eintracht-Lager, die dies nach dem famosen Auswärtsspiel in Wolfsburg präzisierten. „Es freut uns, dass wir nur einen Punkt Abstand auf die Champions League-Plätze haben. Aber da sieht man, wie eng es da oben ist. Wir müssen uns einfach auf uns konzentrieren, Punkte sammeln und am Ende schauen, wofür das reicht.“

          Eintracht-Verantwortliche freuen sich

          Eine altbekannte Strategie, die sich auch viele andere erstklassige Mitbewerber zu eigen machen. Chandler konzentrierte sich vielmehr auf das, was ist. Und was ihm da in Wolfsburg widerfuhr – das erste Bundesligator seit bald drei Jahren –, das machte ihm Spaß. „Es ist schwer zu wissen, wie man jubelt, wenn man so lange kein Tor schießt“, sagte der in Frankfurt geborene Verteidiger. „Aber ich habe mich riesig gefreut.“

          Freude empfinden die Eintracht-Verantwortlichen auch darüber, im vergangenen Sommer mit Haller augenscheinlich den rechten Stürmer zur rechten Zeit geholt zu haben. „Es ist klar, dass ein Stürmer in diesem Alter, der auch noch Tore schießt, begehrt ist“, sagte Trainer Kovac über den 23 Jahre alten, sieben Millionen Euro teuren Franzosen, der neben seinen acht Toren auch drei sogenannte Assists vorzuweisen hat. Einem möglichen schnellen Abgang schob der Coach einen dicken Riegel vor. „Wir verschwenden keinen Gedanken daran, ihn abzugeben. Erst dann, wenn ein astronomisches Angebot einflattern sollte.“ Das gibt es nicht – dafür aber eine Erkenntnis, auf die Kovac bei seiner Mission baut: „Eintracht Frankfurt ist nicht nur eine Mannschaft, die kämpfen und laufen kann. Wir können auch Fußball spielen.“ Der VfL hat dies deutlich vor Augen geführt bekommen.

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