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Eintracht Frankfurt : Ein Chef und vier Fragezeichen

  • -Aktualisiert am

Gesetzt: Carlos Zambrano (vorne) ist die Nummer eins in der Abwehr von Eintracht Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Carlos Zambrano ist in der Eintracht-Abwehr gesetzt. Aber wer spielt neben dem Peruaner? Anderson schweigt, Russ drängt sich auf, Madlung fehlt Praxis, Kempf ist hintendran.

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          Eintracht Frankfurt ist zu wünschen, dass Bamba Anderson zu einer zupackenderen Linie findet, wenn es demnächst auf dem Platz um Punkte in der Bundesliga oder ums Weiterkommen in DFB-Pokal und Europa League geht. Denn heute dämmert er regelrecht vor sich hin. Anderson ist im Trainingslager in Abu Dhabi zum Pressegespräch gebeten worden, und nun sitzt er da: Arme verschränkt, tief in eine Couch versunken, der Blick unter dem Schirm seiner Baseballmütze geht ins Leere, als habe er eine sehr schlechte Nachricht erhalten. Er ist abwesend, wie versteinert. Sein starrer Blick ist auf einen imaginären Punkt gerichtet, keiner weiß, wo er liegt. Und dann lässt der brasilianische Verteidiger, der seit 2008 in Deutschland und seit 2011 bei der Eintracht spielt, von einem Übersetzer ausrichten, er sage nichts, auf keine Frage. Ein bizarrer Auftritt des wie einbetonierten Verteidigers, der wohl aus gutem Grund befürchtet, dass er von Marco Russ aus der Innenverteidigung verdrängt wird.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben dem seit kurzem 26 Jahre alten Verweigerer Anderson sitzt Carlos Zambrano, der von Trainer Armin Veh zum Abwehrchef ausgerufene Peruaner, und plaudert entspannt über die schwierige Hinserie mit nur fünfzehn Punkten in siebzehn Spielen. Will die Eintracht der zweiten Liga fernbleiben, dann muss Zambrano funktionieren, egal, wer neben ihm in der Abwehrzentrale spielt. In der Hinserie war das meistens Anderson, als erster Ersatz Russ.

          „Im Moment ist Russ weit vorne“

          Zu Beginn des Trainingslagers, als Zambrano und Anderson Infekte mit sich herumschleppten und weniger trainieren konnten als ihre Mitspieler, war Veh ganz begeistert von Russ und sagte: „Im Moment ist er weit vorne.“ Ihn beeindruckte, wie sich Russ im Test gegen Schalke (2:3) an der Seite von Alexander Madlung, dem Frankfurter Innenverteidiger Nummer vier, präsentierte und welche Arbeitsauffassung er bei den täglich zwei Trainingseinheiten von etwa neunzig Minuten Dauer zeigt. „Mir gefällt seine Einstellung“, sagte Veh. „Er fällt nicht bei jedem Windzug um.“

          Keiner Erwähnung wert, dass Zambrano so oder so der Abwehrboss bleibt, wenn er einsatzfähig ist. Der fünfte Innenverteidiger im Kader, der junge Marc-Oliver Kempf, dürfte keine Rolle spielen, auch wenn unlängst ein Buhlen von Juventus Turin vermuten ließ, hier sei ein weiterer ernsthafter Kandidat im Kader. Das ist nicht der Fall.

          Am Trainingsplatz, gelegen in einem Park am Mannschaftshotel Emirates Palace, wird immer dann aufgemerkt, wenn sich Zambrano so schleppend bewegt, als könnte er ausfallen. Es wäre der größte anzunehmende Unfall im Abwehrverbund der Eintracht. Eine solche Situation gab es auch am Dienstag, als er sich nach einem Schlag aufs Knie, eskortiert vom Mannschaftsarzt, zurückzog, kurz darauf aber Entwarnung gab.

          Kollege Madlung hat sich derweil vorgenommen, auf dem Platz erst einmal die einfachen Dinge richtig zu machen und die schwierigen zu unterlassen. Ihm fehle schließlich die Praxis. Er hat der Eintracht ja gerade erst den Vorzug vor dem Liga-Rivalen 1. FC Nürnberg gegeben, davor hielt sich der ehemalige Wolfsburger als arbeitsloser Spieler bei einem Verein aus der fünften Liga in Form. Er wolle erst mal wieder „hundert Prozent erreichen“, was seine Leistungsfähigkeit betreffe. Danach sehe man weiter. Madlung hat allerdings angedeutet, dass er aufgrund seiner Routine auch ohne großen Anlauf ein gewisses Niveau erreicht. Veh kann auf ihn setzen, wenn Madlung plötzlich gebraucht wird, und das war ja auch die Idee hinter diesem Transfer.

          Wenn der Verband ruft

          Der Schlüssel ist aber Zambrano, der in der peruanischen Nationalmannschaft weiterhin kürzertreten würde, wenn die Lage bei der Eintracht brenzlig bleibt. So wie er das schon im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt hatte. Er rechnet damit, dass das mindestens bis März gut möglich sein wird, denn in dieser Zeit erwartet er keine Berufungen. Wenn dann, wegen der gescheiterten WM-Qualifikation, ein neuer Nationaltrainer berufen werde, wolle er sich neu sortieren. Er müsse natürlich kommen, wenn sein Verband rufe. Er glaubt aber, darauf Einfluss zu haben, so dass weiter gelten kann: Die Eintracht geht vor. Zumindest vorläufig: 2015 endet sein Vertrag in Frankfurt, über eine Verlängerung des Kontraktes möchte er noch nicht sprechen.

          Dass er die WM verpasst, wurmt Zambrano natürlich, aber wenigstens betrachtet er die erste Saisonhälfte nicht als weiteren Nackenschlag, sondern ganz unaufgeregt als ausbaufähig. Die Eintracht habe speziell gegen die großen Mannschaften der Liga in dieser Saison gut ausgesehen - zum Beispiel beim 0:1 gegen die Bayern oder beim 1:2 gegen Dortmund. Das 1:0 in Leverkusen am 16. Spieltag war da eine letzte Bestätigung. Der Februar könne also kommen - mit unter anderem zwei Spielen gegen Dortmund, eines gegen die Bayern, zwei in der Europa League gegen den FC Porto. „Warum sollen wir nicht auch in diesen Spielen gut aussehen?“, fragt Zambrano. Keiner widerspricht. Der erstarrte Nebenmann Bamba Anderson schon gar nicht.

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