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Eintracht Frankfurt : Eigentlich unvorstellbar

Zeitdruck: Nach dem „The-Wall“-Konzert braucht die Arena neuen Rollrasen. Bis zum Bayern-Spiel soll alles fertig sein. Bild: Marc Heinrich

Karl-Heinz Körbel erkennt die Eintracht kaum wieder. Vor dem Bayern-Spiel spricht Trainer Veh von einer „sensationell schlechten Konstellation“.

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          Karl-Heinz Körbel ist oft und gerne im Namen der Eintracht unterwegs. Unlängst, bei der Gala zum 50. Bundesliga-Geburtstag, traf der Frankfurter Rekordspieler (602 Einsätze) auf die Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl Hopfner. Und der treue Charly wusste anschließend zu berichten, dass er von der Feier den Eindruck mitgenommen habe, dass die Münchner „schon ordentlich Respekt vor uns haben“. Das könnte sich seit dem Wochenende ein wenig geändert haben.

          Außenseiter waren die Frankfurter mit Blick auf den zweiten Saison-Spieltag und das Aufeinandertreffen mit dem Triple-Gewinner auch vorher zweifelsohne. Seit dem 1:6 bei Hertha BSC ist die Furcht der Hessen vor einem weiteren deutlichen Misserfolg aber gewiss deutlich größer als die Ehrfurcht des Titelverteidigers. Auch Körbel sagt, er sei „noch immer geschockt“ vom Auftritt der Eintracht in der Hauptstadt. Alles andere als eine Niederlage gegen den Branchenkrösus sei eine „Riesenüberraschung“, meinte der 58-Jährige, „aber das Schöne am Fußball ist doch, dass man sagen kann: sie ist möglich.“ Das Debakel in Berlin nahm er zunächst nur phasenweise wahr. Körbel, der selbst 1983 bei der höchsten Niederlage der Vereinshistorie auf dem Platz stand (0:7 beim 1. FC Köln), organisiert auch in diesen Sommerferien ein großes Fußballcamp für hunderte Kinder vor der WM-Arena. Eine anstrengende Angelegenheit. Und am Samstag fielen ihm beim Mittagsschlaf auf der Couch prompt die Augen ein wenig länger zu als gedacht. „Erst beim 1:4 wurde ich von meiner Tochter geweckt“, erzählte Körbel, „und ich dachte, ich träume.“ Mittlerweile hat er die Aufnahmen des misslungen Debüts in voller Länge gesehen, doch einen Reim auf das, was die Bilder dokumentieren, kann er sich noch immer nicht machen: „Da waren Fehler dabei, die waren eigentlich unvorstellbar.“ Körbel, der dem Eintracht-Vorstand als Berater zuarbeitet, sagte, „nur wenn wir gegen die Bayern die Zweikämpfe annehmen, besteht eine Chance“. Er warnte davor, „sich in einen offenen Schlagabtausch“ verwickeln zu lassen, denn „dann nehmen sie uns auseinander“.

          „Gute Aggressivität“ im Training

          Körbel sprach von einer neuen Situation, die Trainer Armin Veh mit dem Team jetzt zu bewältigen habe. In den vergangenen beiden Jahren sei es für die Mannschaft stetig aufwärts gegangen. „Ich bin gespannt, welche Reaktion nun alle Mann zeigen“, meinte Körbel, der mutmaßte, dass die Spieler „vielleicht die Bundesliga ein bisschen vergessen“ haben könnten und „nur noch international gedacht haben“. Er glaube, dass die Mannschaft ungeachtet der in Berlin zuhauf passierten Missverständnisse grundsätzlich die nötige Qualität besitze. „Das Teamgefüge ist ja gefestigt, das gibt mir Zuversicht.“ Nun komme es darauf an, „die Ruhe zu bewahren und sachlich zu analysieren, was da schief gelaufen ist“. Ansonsten bestehe die Gefahr, „dass wir früh den Anschluss verlieren und dann der Druck jede Woche weiter steigt“. Veh las den Profis bei der ersten ausgiebigen Übungseinheit seit der Rückkehr aus Berlin mächtig die Leviten. Nach getaner Vormittagsarbeit versammelte er am Dienstag die Spieler um sich. Obwohl er auf dem Trainingsgelände so weit wie möglich an den Waldrand herangerückt war, wehte der Wind vereinzelte Wortfetzen seiner Standpauke über das Gelände. Vor allem die Abwehr stand im Mittelpunkt seiner Ansprache, mit Bamba Anderson lieferte er sich ein kurzes Rededuell; der Brasilianer war anschließend so verärgert, dass er wutentbrannt davon schritt und die zahlreichen Autogrammjäger, die seinen Weg kreuzten, unbeachtet stehen ließ. Sein Nebenmann Carlos Zambrano war dagegen nicht anwesend. Er fehlte wegen einer Magen-Darm-Grippe, wie Veh sagte. Der Verteidiger wird deswegen auch nicht wie vom peruanischen Verband gefordert, am Länderspiel an diesem Mittwoch in Südkorea teilnehmen. Auch deswegen droht Ärger.

          Veh sagte, im Training habe eine „gute Aggressivität“ geherrscht: „Jetzt müssen wir auch so spielen.“ Gegen die Bayern, so seine Wunschvorstellung, „müssen wir wieder kompromissloser sein“. Bei der Suche nach den Gründen für den kapitalen Fehlschlag zeigte er sich ein weiteres Mal selbstkritisch. Veh, der schon seine Auswechslung Jan Rosenthals als Missgeschick bezeichnet hatte, sagte am Dienstag, es sein „keine gute Idee gewesen“, in der Vorbereitung auf Testspiele gegen namhafte Gegner zu verzichten. „Die Defensive wurde nie richtig gefordert“, sagte er, aus dieser Erfahrung werde er für die Gestaltung künftiger Trainingspläne seine Lehren ziehen. Umstellungen an der Aufstellung sind gegen die Münchner eher nicht zu erwarten: Die Verlierer sollen wohl die Gelegenheit bekommen, aktiv Wiedergutmachung zu betreiben. „Wir haben noch keinen Rhythmus, da macht Rotieren für mich eher weniger Sinn“, sagte er. Erst ein 1:6 bei einem Aufsteiger, und dann ein ungleiches Duell mit den Bayern - Veh nannte die Ausgangslage „eine sensationell schlechte Konstellation“. Er bezeichnete es als vordringlichste Aufgabe, die Verunsicherung so gut es geht aus den Köpfen heraus zu bekommen: „Dass wir nicht mit breiter Brust reingehen, ist ja klar.“

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