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Eintracht Frankfurt : „Können nicht lächelnd absteigen“

Nass gemacht: Zambrano, Gacinovic, Chandler, Seferovic, Waldschmidt und Hasebe warten ab, welchen Freistoßtrick die Kollegen sich ausgedacht haben. Bild: Heiko Rhode

Der Eintracht droht ein Abrutschen auf den Relegationsplatz. Trainer Veh will es mit einer Mischung aus Kampfgeist, Fleiß und intensivem Training verhindern.

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          Genug war nicht genug. Die Arbeitsbedingungen der Eintracht-Profis hätten kaum ungemütlicher ausfallen können: Einstellige Temperaturen, immer wieder Platzregen und böiger Wind machten das Fußballtraining am Dienstag zu einer Belastungsprobe. Schon kurz nach Beginn der Übungseinheit flitzen die Spieler in durchnässten Klamotten über den Rasen. Armin Veh, ihr Coach, ließ sein Team ordentlich laufen, so wurde ihnen zwar nicht warm ums Herz, aber die Gefahr, dass ihre Körper auskühlten und sie so anfälliger für Erkältungen wurden, hielt sich dadurch in Grenzen.

          Nach neunzig Minuten musste die Mannschaft, als alle schon dachten, es sei für diesen Vormittag geschafft, noch ein halbes Dutzend Sprints absolvieren, erst dann ging es zurück in die Umkleidekabine. Drei Spieler hatten es nicht eilig, ins Warme zu kommen: Sonny Kittel, Yanni Regäsel und Alexander Meier absolvierten freiwillig noch eine Extraschicht: Kittel jonglierte mit dem Ball und probierte sich am Einstudieren von Finten, während die beiden Kollegen am Torabschluss feilten: Regäsel, der vor einer Woche erst von Hertha BSC abgeworbene Außenverteidiger, schlug von der rechten Seite hohe Bälle auf den Kapitän, der versuchte, das Spielgerät mit der Stirn möglichst plaziert ins Netz zu drücken.

          Vehs ambitioniertes Trainings-Programm

          Am Wochenende, beim 2:4 gegen Stuttgart, das die Frankfurter auf den 15. Tabellenplatz abrutschen ließ, hatte Meier zwei Kopfballgelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen. „Meier wollte Flanken haben, dann kriegt er die auch“, erzählte Regäsel später, als der Großteil der neuen Mitstreiter schon geduscht und geföhnt war, über den Sinn und Zweck der freiwilligen Überstunde. „Intensiv“ seien schon die Aufgaben gewesen, die Veh und dessen Betreuerstab ihnen zuvor abverlangt hätten, doch es zahle sich sicher aus, so der Youngster, wenn gezielt an Schwachstellen gearbeitet werde: „Fußballerisch können wir so weitermachen wie gegen den VfB“, sagte Regäsel, „nur die Chancen müssen wir eiskalter nutzen.“

          Im Duell mit den Schwaben trat die Eintracht in der Tat über weite Strecken ebenbürtig auf, war aber wesentlich weniger zielstrebig als der Gegner. Für Veh, der am Dienstag auf den an Grippe erkrankten Szabolcs Huszti verzichten musste, kommt es im Wettstreit um den Klassenverbleib neben einer verlässlichen physischen Verfassung vor allem auf die psychische Leistungsfähigkeit an. „Wir können nicht lächelnd absteigen“, begründete er sein ambitioniertes Programm, mit dem er seine Leute übers Feld scheuchte: „Wir müssen fleißig sein und gut trainieren.“ Wer der durch die neunte Saisonniederlage weiter gestiegenen Anspannung standhalten wolle, müsse daneben über starke Nerven verfügen. Abstiegskampf, so Veh, sei eine „mentale Sache“ – bei jeder der beteiligten Mannschaften.

          Veh bleibt gelassen

          Alle Protagonisten bei den Klubs, die sich noch Sorgen machen müssten, seien „insgesamt anfällig“, sagte Veh, „nicht nur meine“. Der Eintracht droht bei einem für sie ungünstigen Ausgang des 21. Spieltags das Abrutschen auf den Relegationsplatz. Die Frankfurter, die mit 21 Punkten Fünfzehnter sind, treten beim 1. FC Köln an; die hinter ihnen rangierenden Bremer (16. Platz, 19 Punkte) erwarten den Vorletzten TSG Hoffenheim (14 Punkte). „Wir wissen, um was es geht“, sagte der Trainer, der die Begleitumstände der Niederlage gegen Stuttgart nicht mehr thematisieren wollte, aber an diesem Misserfolg, wie er nicht verbergen konnte, zu knabbern hat: „Wenn wir gewonnen hätten, wären wir mit 24 Punkten einen großen Schritt weiter gewesen“, sagte der Fünfundfünfzigjährige, „dann spielen wir auch besser Fußball.“

          Zu übertriebener Nervosität, dass die Mission, die Eintracht vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren, scheitern könne, bestehe kein Anlass, stellte Veh fest. „Aus Erfahrung weiß ich, dass es nicht hilfreich ist, zu viel Druck aufzubauen und immer davon zu reden, im nächsten Spiel unbedingt gewinnen zu müssen.“ Inklusive der Vorstellung in Köln bleiben noch 14 Gelegenheiten, die sportliche Situation zu verbessern. Eine Möglichkeit, die dafür passende Formation zu finden – an diesem Wochenende fällt der Gelb-Rot gesperrte Carlos Zambrano aus – und an Abläufen auf dem Platz zu feilen, wäre an diesem Mittwoch ein Privatspiel gegen die Amateure des KSV Klein-Karben und des FC Karben gewesen. Auf Initiative eines Sponsors sollte der Verein aus der Wetterau im Jahr seines 125-jährigen Bestehens für seine vorbildliche Jugendausbildung mit einem Auftritt gegen die Profis belohnt werden. Dazu kommt es nicht: Wegen der aktuellen Witterungsbedingungen wurde der Rasen im Riederwaldstadion als „nicht bespielbar“ erklärt. Veh nahm es gelassen zur Kenntnis: Er setzte stattdessen kurzerhand Training an.

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