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Eintracht Frankfurt : Drei Alte mit neuem Schwung

Ab durch die Mitte: Vaclav Kadlec gehört mit seinen auffälligen Leistungen zu den Gewinnern der Eintracht-Vorbereitung. Bild: Jan Huebner

Bei Schaaf nur Randfiguren, blühen Kadlec, Flum und Inui unter Vehs Kommando auf. Besonders den Japaner lobt der Trainer überschwänglich.

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          Ende gut, fast alles gut. Armin Veh hat zum Abschluss des Aufenthalts in Windischgarsten zufrieden Bilanz gezogen: „Es schaut schon ordentlich aus“, sagte er nach dem Testspielerfolg gegen den FC Fulham, mit dem die Eintracht ihren siebentägigen Tripp. in die österreichischen Alpen beschloss. Das Tor zum 1:0-Sieg erzielte Haris Seferovic (37. Minute) mit einem indirekten Freistoß aus fünf Metern. „Es war ein gutes Trainingslager“, bilanzierte der Trainer nach der Übungswoche, wobei das Kräftemessen gegen die zweitklassigen Engländer Veh vor allem eine Erkenntnis vermittelt hatte: „Man hat gesehen, dass alle müde waren.“

          Nach den anstrengenden Einheiten erhielten die Profis von ihm bis zu diesem Dienstag frei, tags darauf steht ein weiteres Privatspiel beim Hessenliga-Verein Eintracht Stadtallendorf auf dem Programm (18.30 Uhr), ehe am Sonntag der FC Tokio zur Saisoneröffnung in der Frankfurter WM-Arena antritt. Grundsätzlich, so Veh, sei „ein Trainer ja nie wunschlos glücklich“, doch der derzeitige Leistungsstand der von ihm seit Ende Juni wieder betreuten Frankfurter vermittele ihm schon ein angenehmes Gefühl: „Wir haben neue Spieler, die sich gut eingefunden haben, und alte, die sich neu beweisen. Alle zusammen hinterlassen sie einen Eindruck, der mir gefällt.“

          Kadlecs nächster Anlauf

          Wobei es drei Profis sind, die schon länger das Trikot der Eintracht tragen, zuletzt bei Thomas Schaaf keine nennenswerte Rolle mehr spielten, nun mit frischer Zuversicht wieder mit von der Partie sind – und so bei Veh im Kampf um die elf Plätze in der Startformation für das Pokalspiel am 8. August bei den Amateuren des SV Bremen allesamt kräftig gepunktet haben: Takashi Inui, Johannes Flum und Vaclav Kadlec, die vor nicht allzu langer Zeit zum Verkauf angeboten wurden, nutzten die bisherige Vorbereitung zur Werbung in eigener Sache. Kadlec könnte vom Muskelfaserriss des holländischen Zugangs Luc Castaignos profitieren und als zweite Spitze (neben Seferovic) für den Pflichtspielauftakt nominiert werden. Gegen Fulham absolvierte er die erste Halbzeit. Mit seiner Angriffslust, die seit seinem Wechsel 2013 nur gelegentlich aufblitzte, stach er auf dem Trainingsgelände in den Bergen heraus. „Ich bin auch ein bisschen überrascht, wie es momentan klappt“, sagte Kadlec. Im Juni, bei der U-21-EM in seiner tschechischen Heimat, zog er sich eine Knöchelblessur zu, die wohl auch seinen Transfer verhinderte.

          Für Kadlec lagen bis dahin Angebote aus Dänemark und den Niederlanden vor, die mit der Verletzung hinfällig wurden. Nun nimmt er einen weiteren Anlauf, sich bei der Eintracht, bei der er einen Vertrag bis 2017 unterschrieb, zu behaupten. „Ich kann zentral, rechts oder links spielen und fühle mich fit“, sagte er und fügte an: „Ich fühle mich auch viel besser integriert.“ In der Rückrunde der vorigen Saison, war er an Sparta Prag ausgeliehen. In vierzehn Spielen erzielte er zehn Torfe und holte sich „Vertrauen“, wie Kadlec sagte. „Das war wichtig für meinen Kopf.“

          Veh über Inui: „Wenn es läuft, ein geiler Kicker“

          An Souveränität gewinnt auch Flum mit jedem Tag unter Veh zurück. „Das ist das A und O im Fußball“, sagte der 27-Jährige, der bei Schaaf ausgemustert und insgesamt nur sieben Mal eingewechselt wurde. In vier Testspielen stand Flum von Beginn an auf dem Rasen, beim 2:1 gegen Leeds United erzielte er den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer. „Das hat sich sehr gut angefühlt“, sagte der ehemalige Freiburger, den Veh 2013 anheuert hatte. „Er hatte ein Jahr keine Spielpraxis. Nun holt er sich die Sicherheit, die ihm gefehlt hat“, meinte der Coach. Dass er gegen die Briten als Innenverteidiger auflief, war eher eine Ausnahme, als dass es künftig die Regel sein wird. „Nein, das ist sicher nicht die Zukunft. Wir haben mit Carlos Zambrano, Marco Russ und David Abraham gute Jungs auf dieser Position“, sagte Flum, der sich selbst im (defensiven) Mittelfeld am besten aufgehoben fühlt.

          Sein Typ ist wieder gefragt: Takashi Inui

          Geradezu überschwänglich lobte Veh Inui. „Wenn es bei dem läuft, ist er ein geiler Kicker. Ich liebe solche Spieler“, sagte er über den Japaner, der in seine vierte Spielzeit bei der Eintracht geht, bei Teilen der Fans aufgrund seiner Selbstverliebtheit am Ball unlängst äußerst umstritten war – und von Schaaf auf die Liste der potentiellen Abgänge gesetzt wurde. Doch mit Veh kam alles anders. Er legte sein Veto ein, und Inui sprüht seitdem vor Tatendrang. „Er ist wirklich gut drauf. Auch in der Defensive ist er aggressiv.“ Inui ist zurzeit, da die Eintracht noch immer auf der Suche nach einem weiteren offensiven Mittelfeldspieler ist, der einzige Profi für die linke Seite. Und er nutzt die Chance, setzt seine Unberechenbarkeit an der Kugel zum Wohl der eigenen Reihen ein, was auch an einer besseren Kommunikation mit den Kollegen zusammenliegen dürfte. Inuis alter Dolmetscher ist weg. Veh wünschte, dass sich der 27-Jährige auch sprachlich mehr zutraut. „Ich habe das Gefühl, zum ersten Mal versteht er, was ich zu ihm sage“, sagte der Trainer. Das war früher längst nicht immer so. „Da habe ich ihm was gesagt und gleich hinterher das Gegenteil“, berichtete Veh, „wenn er zweimal genickt hat, wusste ich: Er hat es nicht verstanden.“

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