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Eintracht Frankfurt : Doch ein Sieg - Jung bleibt

„Ich habe hier alles, was ich brauche“: Die Eintracht verliert das Kräftemessen mit den Bayern, gewinnt aber das Tauziehen um Sebastian Jung. Bild: dpa

Die Eintracht wird zwar gegen die Meister-Bayern nicht zum Partyschreck, kann aber ihren umworbensten Spieler halten.

          Er wirkte erleichtert. Nicht erfreut. Um den Tag perfekt zu machen, hätte sich Sebastian Jung zum Ende der Zitterpartie ein anderes Ergebnis gewünscht. Keine Frage. „Aber es hat nicht sollen sein“, lautete sein erster Kommentar nach dem Schlusspfiff, der das 0:1 im Duell mit dem FC Bayern besiegelt hatte. Er haderte mit der Leistung des Referees Florian Meyer, der ein deutliches Handspiel von Dante im Strafraum übersah (81. Minute), attestierte sich und seinen Kollegen aber auch selbstkritisch, „dass wir eine Stunde zu viel Respekt hatten und erst spät eigene Akzente gesetzt haben“. Von Jung ist seit Samstag bekannt, dass er, der im aktuellen Kader so umworben war wie kein anderer Profi, der Eintracht als Führungskraft erhalten bleibt. Details, wie lange und zu welchen Konditionen er sein Engagement in Frankfurt fortsetzt, sollen bis zum Auswärtsspiel in Augsburg am kommenden Sonntag verkündet werden. „Jetzt haben wir es hinter uns“, sagte Jung, „ich habe immer betont, dass ich mich hier wohlfühle und alles habe, was ich brauche.“ Die Treue, soviel steht fest, lässt sich der gebürtige Königsteiner ordentlich honorieren: Mehr als er verdienen künftig allenfalls Alexander Meier und Pirmin Schwegler.

          Jung und die Eintracht hatten ihre Rolle als Partyschreck lange mit Bravour gespielt, konnten die Niederlage aber trotz allen Bemühens nichts verhindern: Die Münchner sicherten sich so durch einen Treffer von Bastian Schweinsteiger (52.) in der Frankfurter WM-Arena ihren 23. Meistertitel. Die Jubeltänze des Gegners mochten sich Jung und Kollegen nicht mit anschauen. Srdjan Lakic hätte die Party verhindern können, wenn er in der 79. Minute ein wenig energischer aus fünf Metern den Ball aufs Tor geschossen hätte; oder aber Carlos Zambrano, der mit einem Kopfball am aufmerksam reagierenden Manuel Neuer (82.) scheiterte. Jung, der sein Team erstmals - in Vertretung der verletzten Meier und Schwegler - aufs Feld führte, sagte, „dass wir immerhin das Gefühl mitnehmen, dass wir Ausfälle gut kompensieren können“. Der 22-Jährige war als Kapitän aufgelaufen, weil es sich Veh so gewünscht hatte. Der eigentlich vor der Saison in der Mannschafts-Hierarchie höher eingestufte Torwart-Oldie Oka Nikolov verzichtete zugunsten seines 16 Jahre jüngeren Mitstreiters auf die Binde - es war ein kollegiales Zeichen des Routiniers, der seit 1991 für keinen anderen Verein als die Eintracht zwischen den Pfosten stand. Jung, so die Pläne des Klubs, soll als nächste Identifikationsfigur aufgebaut werden.

          „Wir waren nah dran“

          Der U21-Nationalspieler, der vor drei Jahren unter Michael Skibbe den Durchbruch schaffte, einigte sich, wie inzwischen klar ist, schon Anfang vergangener Woche mit den Frankfurtern. Bekanntgegeben wurde die Entscheidung zehn Minuten vor dem Anpfiff gegen die Bayern, in der Hoffnung, dass die positive Nachricht von den Fans so begeistert aufgenommen werden würde, dass anschließend ihre Unterstützung den Hessen einen „Extra-Schub“ geben würde, wie Sportdirektor Bruno Hübner, der Initiator der Idee, spekuliert hatte. Fast wäre der Plan aufgegangen. Trainer Armin Veh zeigte sich zufrieden, dass er, der erst vor zehn Tagen seinen Verbleib in Frankfurt verkündete, auch künftig mit Jung gemeinsame Sache machen kann: „Ein geiles Zeichen.“ Jung sagte, für ihn sei ausschlaggebend gewesen, „dass der Trainer auch geblieben ist. Unter Armin Veh habe ich mich in den vergangenen zwei Jahren sehr gut weiterentwickelt, und ich hoffe, dass es so weitergeht“. Er hätte die Eintracht in diesem Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro verlassen können. Heribert Bruchhagen ließ durchblicken, dass es sich bei dem Deal mit Jung um „eine längere Laufzeit“ handele und er begrüßte die Übereinkunft nach monatelangen Verhandlungen: „Das war eine sehr kluge Entscheidung von Sebastian, über die wir uns sehr freuen.“

          Weniger glücklich war der Vorstandsvorsitzende mit dem Ausgang der Partie. „Wir waren nah dran und es wäre zu schön gewesen, wenn wir einen Punkt gemacht hätten. Wir haben aufopferungsvoll gekämpft. Leider stehen wir mit leeren Händen da. Und auch die anderen Ergebnisse sind nicht so schön“, stellte Bruchhagen mit Blick auf die Siege der Konkurrenz aus Schalke, Freiburg und Mönchengladbach fest. Die Eintracht fiel dadurch auf den sechsten Tabellenrang, ihre bislang schlechteste Saisonplazierung, zurück. Auch die angestrebte Qualifikation für das internationale Fußballgeschäft ist seit Samstag endgültig zu einer Zitterpartie geworden.

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