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Eintracht Frankfurt : Die Zeichen stehen auf Trennung

Wird Sébastien Haller die Eintracht verlassen? Bild: EPA

Das einstige magische Dreieck der Eintracht löst sich mehr und mehr auf. Luka Jovic ist schon weg. Nun könnte Sébastien Haller folgen.

          Eintracht oder England, Europa League oder Premier League? Sehr gut möglich, dass sich West Ham United die Dienste von Sébastien Haller sichert. Der Eintracht-Stürmer steht schon länger auf dem Zettel des Tabellenzehnten von der Insel. Und noch zu Wochenbeginn, als der Frankfurter Fußballtross im Rahmen seines sommerlichen Trainingscamps in der Schweiz Quartier am Thunersee bezogen hatte, sagte Haller: „Im Fußball weiß man nie, was passiert. Im Moment gibt es keine Angebote.“

          Wenige Tage später stellte sich die Lage schon ganz anders dar. Der Berater des 25 Jahre alte Angreifers soll augenscheinlich einen Durchbruch erzielt haben. Demnach könnte sich der stürmische Franzose für eine Ablösesumme von rund 40 Millionen Euro und einer entsprechenden Aussstiegsklausel dem Londoner Klub anschließen – und im Gegenzug für seine Auftritte in der Premier League mit einem üppigen Jahressalär von sechs Millionen Euro rechnen. Geld, das die Eintracht bislang nicht zu zahlen bereit ist, wie Sportvorstand Fredi Bobic stets betont hatte. Schließlich gelte es, das Gehaltsgefüge der Frankfurter Profis nicht zu sprengen. Doch wäre Haller nicht ein Fall für eine deutliche Vergütungsaufstockung?

          Bleiben oder die Chance nutzen?

          Adi Hütter hat eine Vorahnung von dem, wie das Werben um Haller ausgehen könnte. „Wenn es Angebote geben sollte und gibt, muss der Spieler schlussendlich entscheiden, ob er bei Eintracht Frankfurt bleiben oder die Chance nutzen möchte, in eine andere Liga zu gehen“, sagte der Eintracht-Trainer. Zwar sei Haller vertraglich noch bis einschließlich 30. Juni 2021 an die Eintracht gebunden, und der Verein könne ihm durchaus die Freigabe verweigern. Doch Hütter kennt die Mechanismen des Marktes nur zu gut und weiß: Wenn ein umworbener Spieler zu einem anderen Verein wechseln möchte, wird dies in der Regel auch so sein. „Es ist die Entscheidung des Spielers.“

          Zum sportlichen Ausklang des knapp einwöchigen Trainingslagers in den Schweizer Bergen präsentierte sich die Eintracht am Freitagabend im Vergleich zum 1:5-Debakel gegen Young Boys Bern in einer deutlich besseren Verfassung. Und auch Haller gehörte zu den Frankfurter Spielerpersönlichkeiten, derentwegen 1800 Zuschauer in die Bieler Arena gekommen waren. Er bewies ein weiteres Mal seine Torgefährlichkeit, als er mit einem wuchtigen und präzisen Kopfball dem Luzerner Keeper Marius Müller keine Chance ließ (17. Minute). Nach der Partie, in der Daichi Kamada (8.) und Gonçalo Paciência (71.) bei einem Gegentor von Idriz Voca (44.) die Treffer zum 3:1-Erfolg erzielten, erklärte Hütter, warum er den wechselwilligen Haller nicht auf der Bank und somit vor möglichen Verletzungen geschont habe: „Ich versuche, dem Spieler noch das eine oder andere schmackhaft zu machen. Sébastien hat ein klares Ziel“, sagte Hütter über den geplanten Sprung in die Premier League nach England und prognostizierte: „Es fließt noch ein bisschen Wasser den Main runter, bis es schlussendlich fix ist.“

          Das einstige magische Dreieck

          Luka Jovic ist schon weg. Für eine Ablöse von gut 60 Millionen Euro ist die Eintracht dem Werben Real Madrids erlegen und hat den Serben ziehen lassen. Und falls nun auch Haller, 2017 für sieben Millionen Euro vom FC Utrecht nach Frankfurt gekommen, die Eintracht verlässt, löst sich das einstige magische Dreieck mehr und mehr auf. Denn auch der Dritte im Bunde, Ante Rebic, wird seit Wochen mit anderen finanzstarken Klubs in Verbindung gebracht. Mit Atlético Madrid scheint sich die Sache mittlerweile zerschlagen zu haben. Doch immer wieder taucht auch der Name Inter Mailand auf. Noch freilich trägt Rebic den Dress der Eintracht, mit der der Kroate bislang die besten Zeiten seiner Vereinskarriere erlebt hat. Präsentierte sich der 25 Jahre alte bullige Angreifer noch gegen die Young Boys im Lustlos-Modus, so sah Rebics Auftritt gegen Luzern schon ganz anders aus. „Er wollte von Anfang an“, sagte Hütter – und bestätigte damit, was alle in der Arena gesehen hatten: „Er hatte Zug zum Tor, er hatte Spaß.“ Rebic narrte seine Gegenspieler, indem er ihnen immer wieder den Ball mit der Sohle wegschnappte. Und er hatte seine große Szene, als er ansatzlos nach einer halben Stunde mit einem feinen Hackentrick in die Spitze spielte. „Vielleicht hat Ante Zeitung gelesen“, sagte Hütter über dessen peinlichen Auftritt gegen Bern: „Die Kritik war ja da. Aber heute habe ich einen ganz anderen Eindruck von ihm gehabt.“

          Bleibt Ante Rebic in Frankfurt? Er wird seit Wochen mit anderen Klubs in Verbindung gebracht.

          Die Eindrücke von Haller sind seit Monaten konstant. Der kluge Franzose, der auch Deutsch versteht und sich in Gesprächen perfekt auf Englisch mitzuteilen weiß, ist Profi durch und durch. Während des Trainingslagers, das die Eintracht nicht nur nach Thun, sondern auch für zwei Tage in die Hauptstadt Bern geführt hat, gehörte Haller wie sonst auch zu den Spielern, die präzise, zielgerichtet und verlässlich das gesamte Programm absolvierten. Auch wegen seiner 15 Tore, die er bei seinen 29 Einsätzen in der zurückliegenden Bundesligasaison erzielt hat, genießt Haller hohes Ansehen. Sein Trainer Hütter ist sicher: „Es interessiert viele Menschen, was aus Haller wird“, sagte der Eintracht-Coach in Biel. „Rein sportlich gesehen wäre es ein großer Verlust für uns, wenn Sébastien uns verlassen würde.“ Ein sehr großer Verlust sogar, denn die Zeichen stehen auf Trennung.

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