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Eintracht Frankfurt : Die Sehnsucht nach einem Rollenwechsel

  • -Aktualisiert am

Nachdenklich: Jan Rosenthal. Bild: dpa

Der Wechsel von Jan Rosenthal zur Eintracht stößt bei Freiburger Fans auf Unverständnis - aber der Offensivspieler nennt gute Gründe.

          2 Min.

          Als er am Samstagnachmittag nach 83 Minuten ging und durch Marco Terrazzino ersetzt wurde, hörte Jan Rosenthal etwas Neues in Freiburg: Pfiffe, die gegen ihn gerichtet waren. Sie hatten wohl weniger mit seiner schlechten Leistung bei der 2:5-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg, als vielmehr mit seinem tags zuvor bekanntgegebenen Wechsel zu Eintracht Frankfurt zur kommenden Saison zu tun. Diesen bevorstehenden Abschied mochte so mancher Fan im südbadischen Idyll für Fußballprofis nicht verstehen. Rosenthal kostete es deshalb auch einige Mühe, seine Entscheidung verständlich zu erläutern. Der 26 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler, der in Freiburg seit Wochen als Stürmer eingesetzt wird, drohte sich gleich mehrmals in seinen Erklärungsversuchen zu verheddern. „Es war eine perspektivische Entscheidung“, sagte er einerseits und schränkte dann sogleich ein, „obwohl die Perspektive in Frankfurt nicht sehr viel besser ist als in Freiburg.“ Er hätte auch sagen können, dass beide Klubs gleich gute Aussichten auf ein Plätzchen im kommenden Europapokal-Turnus besitzen.

          Rosenthal, der als hochbegabt und hochsensibel gilt, sagte zunächst, was alle Profis sagen, wenn sie die Seiten wechseln: dass ihm sein Entschluss „wirklich sehr schwer gefallen“ sei und er „einfach ein Mensch“ sei, der sich „noch einmal beweisen“ wolle „in einem vielleicht anderen medialen Umfeld und einem anderen Verein, in dem vielleicht nicht ganz so viel soziale Wärme herrscht - auf den ersten Blick zumindest“. Da aber kann er ganz beruhigt sein. Den bei Hannover 96 sportlich aufgewachsenen und 2010 für drei Jahre nach Freiburg übergesiedelten schnellen, kombinationsstarken und torgefährlichen früheren U-21-Nationalspieler erwartet auch in Frankfurt ein intaktes Betriebsklima. Dass in seiner kommenden Mannschaft „eine Menge Potential“ stecke, sagte Rosenthal, als er über seine Neugier auf ein Leben in den Farben der Eintracht sprach, „dort kann ich vielleicht noch mal eine andere Rolle spielen“. Worte, die, wenn auch verhohlen geäußert, seine Sehnsucht spiegelten, ins Mittelfeld zurückkehren zu können. Auf keinen Fall, hob er hervor, sei dieser Wechsel unter dem Gesichtspunkt, „noch mal kurz abzusahnen“ zustande gekommen.

          „Das gehört in diesem Geschäft dazu“

          Andererseits präsentierte sich Rosenthal am Samstag auch als der Fußball-Geschäftsmann, der mit den in seinem Job üblichen Usancen vertraut ist. „Mit dem Argument, dass der Verein alles für mich getan hat und ich dann keine Dankbarkeit zeige, sollte man ein bisschen vorsichtig sein. Es ist immer noch ein Arbeitsverhältnis, in dem ich alles für den Verein und der Verein alles für mich tut. Wenn es dann endet, gibt es genug Beispiele, wenn auch nicht speziell in Freiburg, dass der Verein Spielern gegenüber manchmal noch undankbar ist.“ Rosenthal, der mit seiner Einerseits-Andererseits-Rede seine Unsicherheit offenbarte, die ihm in den Tagen einer wichtigen Entscheidung zu schaffen gemacht haben könnte, hat sich in seiner Zukunftsplanung dazu durchgerungen, sein Glück in Frankfurt zu suchen. Dass er, der in Freiburg ein besserer Spieler geworden ist, ablösefrei zum 1. Juli an den Main kommt, dürfte die Verhandlungen nicht erschwert haben. Was Rosenthal eine „ganz normale Entscheidung“ nennt, haben seine Mannschaftskollegen vorbehaltlos akzeptiert. Julian Schuster, seit Jahren einer der prägenden Spieler beim Sportclub, sagt: „Es gehen Spieler, es kommen Spieler, es geht immer weiter. Das gehört in diesem Geschäft dazu.“

          Fürs erste wird sich der oft von Verletzungen geplagte Rosenthal darauf konzentrieren, seine Freiburger Mission erfreulich zu Ende zu bringen. „Es wäre ein Riesenerfolg“, sagt er mit dem Blick auf das bevorstehende DFB-Pokalhalbfinale beim VfB Stuttgart, „mit Freiburg ins Pokalfinale einzuziehen oder sich in der Liga in den jetzigen Tabellenregionen zu halten. Da interessiert es mich nicht, ob ich zu einem Verein wechsle, der vielleicht auch europäisch qualifiziert ist.“ Rosenthal will nicht im Unfrieden wie 2010 gehen, als er Hannover nach einer für ihn enttäuschenden Spielzeit verließ und in Freiburg anheuerte.

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