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Eintracht Frankfurt : Die Kraft der Ruhe

Die Frankfurter Festspiele gehen weiter: Nach dem 2:1 gegen Freiburg haben die Spieler der Eintracht Frankfurt allen Grund zum Jubeln. Bild: dpa

Wieder lässt sich die Eintracht von einem Rückstand nicht aus dem Konzept bringen und gewinnt dank Meiers Toren 2:1 gegen Freiburg.

          3 Min.

          Sebastian Rode kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. „Das waren zwei Weltklasse-Einzelleistungen von Alex. Toll, wie er das gemacht hat.“ Zuerst mit dem Fuß, dann mit dem Kopf. Zwei Volltreffer von Alexander Meier (68. und 73.), dem überragenden Mann des Spiels, lösten binnen weniger Tage einen weiteren Knalleffekt der Eintracht aus. Nach dem furiosen 3:3 am vergangenen Dienstag gegen Meister Borussia Dortmund, einer Sternstunde in der jüngeren Fußballgeschichte der Frankfurter Fußballprofis, gab es nun dank des 2:1 am Sonntag gegen den SC Freiburg den fünften Sieg im sechsten Spiel. „Wahnsinn“, sagte Axel Hellmann: „Einfach Wahnsinn.“ Nicht nur der Finanzvorstand der Eintracht, der ganze Klub befindet sich seit ein paar Wochen in einem emotionalen Ausnahmezustand. Selbst der Gegner war begeistert. „Ganz stark, diese individuelle Klasse von Meier“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Armin Veh war am Ende eines vor allem in der zweiten Halbzeit intensiv geführten Spiels froh, „dass wir Mentalität und Herz gezeigt haben. Wir haben jetzt sechzehn Punkte“, erklärte der Coach der Eintracht und wies auf seine Kalkulation hin: „Das ist gut für unser Ziel, an dem sich nichts verändern wird.“ Klassenverbleib - der Aufsteiger gibt sich weiterhin bescheiden, auch und gerade nach diesem phänomenal anmutenden Start, der die Hessen nach dem ersten Hinrundendrittel ungeschlagen auf Platz zwei geführt hat. Nach dem Kraftakt gegen Freiburg, als es der Eintracht wie schon jüngst gegen Dortmund gelang, einen Rückstand - diesmal durch Max Kruse (50.) - auszugleichen, empfahl Veh seiner Mannschaft, „sich jetzt erst einmal auszuruhen und runter zu kommen. Mir war ja klar, dass es gegen den Sportclub nicht einfach werden würde. Die Freiburger haben es geschickt gemacht“. Sie haben das Doppelherz des Frankfurter Spiels von Beginn an unter Druck gesetzt.

          Bruchhagen: „Es war vielleicht ein glücklicher Sieg“

          Anders als in den vorangegangenen Bundesligaspielen konnten sich Kapitän Pirmin Schwegler und Kompagnon Rode als Antreiber und Aufbauhelfer zunächst nicht wie gewohnt in Szene setzen. Beide wurden früh attackiert und in ihrem Aktionsradius eingeengt. Erst nach dem Seitenwechsel kam der Eintracht-Motor auf Touren. „Wir haben uns als Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte später Schwegler. „Wir haben gewusst, dass wir, über die gesamten neunzig Minuten betrachtet, unsere Chancen bekommen werden. Wir sind gefestigt und stabil“, sagte der Schweizer, der sich aber eingestehen musste, „dass wir extrem gepowert und einen enormen Aufwand betrieben haben. Es war eine Willensleistung, an den inneren Schweinehund zu gehen.“

          49300 Zuschauer waren live dabei, als der fleißige Aufsteiger Eintracht die taktisch klug eingestellten Freiburger in einem hartem Kampf besiegte. Vor einigen Wochen noch, als Finanzvorstand Hellmann gemeinsam mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Eckdaten für die erstklassige Zukunft aufgestellt hatte, waren die Frankfurter von 42000 Besuchern gegen Freiburg ausgegangen. Doch der sportliche Höhenflug hat vieles zum Positiven verändert. „Es war vielleicht ein glücklicher Sieg gegen eine starke Freiburger Mannschaft“, sagte Bruchhagen. „Aber für uns ist das eine ganz tolle Ausgangssituationen.“ Mit fünf Punkten Vorsprung vor den meisterlichen Dortmundern bleiben die Frankfurter bis weit in den Oktober hinein in Schlagdistanz zum FC Bayern. „Das ist eine prima Sache“, fügte Kapitän Schwegler hinzu.

          Meier springt in die Bresche

          Natürlich hätte die Partie schon früher in die richtigen Bahnen gelenkt werden können. Doch es war vor allem der zuletzt starke Takashi Inui, dem kaum etwas gelingen wollte. Dass er in der 27. Minute nach einem flink vorgetragenen Konter alleine auf das Freiburger Tor zulief, aber am glänzend postierten Oliver Baumann scheiterte, wäre dem Japaner vor Wochenfrist vermutlich nicht passiert. Der Konzentrationsverlust nach drei Spielen in neun Tagen war dem zumindest läuferisch überzeugenden Inui anzumerken.

          Auch der alles und alle überragende Meier hätte früher schon für die Eintracht treffen können. Doch sein Seitfallschuss strich knapp am Freiburger Tor vorbei (43.). Zudem hatte Stefan Aigner Pech, als er nur das Außennetz traf (59.). Gut, dass Meier sein konstant hohes Niveau hielt und mit zwei lichten Momenten aus dem 0:1 ein 2:1 machte. „Okay, jetzt bin ich es gewesen, der in die Bresche gesprungen ist“, sagte der Torschütze. „Doch das ist egal. Hauptsache gewonnen.“ Und weiterhin Tabellenzweiter sowie ungeschlagen. Wirklich erstaunlich, diese Eintracht.

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