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Eintracht Frankfurt : Die klassische Neun

  • -Aktualisiert am

Bescheiden: Haris Seferovic bei seiner Vorstellung in Frankfurt. Bild: Jan Huebner

Unerschrocken, aber keineswegs pflegeleicht: Der Schweizer Nationalstürmer Haris Seferovic will nach schwierigen Wanderjahren bei der Eintracht endlich heimisch werden – und einen Stammplatz.

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          Erst zog sich die Verpflichtung von Haris Seferovic über Wochen hin, dann plötzlich ging alles sehr schnell. Am frühen Freitag Vormittag verkündete die Eintracht, dass sie den 22 Jahre alten Schweizer Nationalstürmer mit bosnischen Wurzeln verpflichtet habe, am Mittag stellte sie ihn auf einer Pressekonferenz in Frankfurt vor, und als das Flugzeug zwei Stunden später zur Italien-Reise abhob, saß der Mann, für den die Trikotnummer 9 reserviert ist, schon mit an Bord. Das erste Training mit den neuen Kollegen absolvierte er um 18 Uhr, an diesem Samstag wird er im Test bei Sampdoria Genua seine ersten Spielminuten als Frankfurter Fußballprofi absolvieren – Integration als Crashkurs.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Seferovic war seit längerem der Wunschkandidat von Sportdirektor Bruno Hübner, er bemühte sich ausdauernd um den 1,87 Meter großen und 84 Kilo schweren Mittelstürmer klassischen Zuschnitts. Da auch andere Klubs, darunter einige aus der mit viel Fernsehgeld gesegneten englischen Premier League, Interesse am wuchtigen Angreifer zeigten, bedurfte es einer Menge Geduld. Zum Glück für die Eintracht wollte Seferovic unbedingt in die Bundesliga.

          Probleme mit den Fans

          Trotz seiner Jugend ist Seferovic schon viel herumgekommen und nicht überall hat es ihm gefallen. In Frankfurt will er endlich einmal heimisch werden, er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Der AC Florenz lockte das große Talent mit 18, aber beim prominenten Klub konnte er sich noch nicht durchsetzen. Florenz lieh in aus – insgesamt drei Mal: nach Xamax Neuchatel, US Lecce und Novara Calcio. Am Ende erwarb Real Sociedad San Sebastian die Transferrechte und gab ihm eine Chance als Stammspieler. Nach einem Jahr standen 39 Pflichtspiele, vier Tore und ein schwieriges Verhältnis zu den Fans und den Verantwortlichen als Bilanz. Nach einer Niederlage gegen Barcelona waren noch am selben Abend im Internet Fotos des gutgelaunten Schweizers mit einer Freundin aufgetaucht. Unter Fußballfreunden in San Sebastian hat man altmodische Ansichten, wie eine Niederlage zu verarbeiten sei. Einige von ihnen beschimpften ihren Stürmer in Internet-Foren. Daraufhin bedeutete Seferovic nach seinem nächsten Tor den jubelnden Fans leise zu sein, indem er einen Finger auf die Lippen legte, weil er ihre Unterstützung nicht mehr wollte. Auch das löste keine Begeisterung bei der Anhängerschaft aus.

          Seferovic wollte aus Spanien weg, am liebsten zur Eintracht, San Sebastian wollte ihn nicht unbedingt halten, aber so viel Ablöse wie möglich kassieren. Der Klub versuchte den Profi zu einem anderen neuen Arbeitgeber zu vermitteln, der Schweizer aber blieb stur. Am Ende soll die Einigung bei etwa 3,5 Millionen Euro gelegen haben.

          Überzeugt auf der großem Bühne

          Die Eintracht hat sich dafür keinen pflegeleichten Spieler eingehandelt, aber einen, der sich nicht leicht erschrecken und aus der Bahn werfen lässt. Seferovic macht es auch nichts aus, auf die harte Tour Spiele zu gewinnen. Ottmar Hitzfeld nahm ihn zur WM 2014 mit nach Brasilien, obwohl der Angreifer bei keiner weiteren Karrierestation das große Versprechen einlöste, das er bei der WM 2009 der U17-Junioren abgegeben hatte. Damals schoss er die Schweiz mit insgesamt fünf Toren zum sensationellen Titelgewinn, darunter war der entscheidende Treffer zum 1:0-Triumph im Finale über Nigeria. Der Torjäger der sogenannten Goldenen Schweizer Generation hatte danach Schwierigkeiten, den Trubel zu verkraften, der über ihn hereinbrach. Doch Hitzfeld ließ ihn nicht fallen, holte ihn immer wieder ins Nationalteam und setzte ihn schließlich bei allen vier WM-Spielen ein. Gegen Ecuador gelang ihm der Siegtreffer zum 2:1 in der Nachspielzeit, was ihn wieder in den Mittelpunkt rücken ließ.

          Bei seiner Vorstellung in Frankfurt sagte Seferovic recht bescheiden: „Die Vorfreude auf die Bundesliga ist sehr groß. Ich habe die Bundesliga schon von klein auf verfolgt. Ich will hier etwas bewegen und mich zum Stammspieler entwickeln.“

          Das ist kein verwegenes Ziel, obwohl die Trefferquote in seiner bisherigen Profikarriere nicht gerade überwältigend anmutet. Doch gerade in den Begegnungen auf großer Bühne wie WM und Champions League hinterließ er den besten Eindruck. Mit Nelson Valdez, Vaclav Kadlec und Luca Waldschmidt hat er zudem Konkurrenten, die nicht unüberwindbar scheinen. Seferovic erlebte in seiner Laufbahn schon viele Höhen und viele Tiefen. Nun wünscht er sich Normalität – vor allem regelmäßige Einsatzzeiten und Kontinuität. Dafür könnte Frankfurt genau das richtige Pflaster sein.

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