https://www.faz.net/-gzg-7jtj5

Eintracht Frankfurt : Die Europa League als Mutmacher

Wird fehlen: Alexander Meier hat immer noch Knieprobleme und kann in Bordeaux nicht spielen. Bild: dpa

12.000 Fans begleiten die Eintracht nach Bordeaux. Die Erwartungen sind gewaltig, aber das Personal ist knapp.

          3 Min.

          Pirmin Schwegler bringt es auf den Punkt. „Das ist Wahnsinn.“ 12.000 Eintracht-Sympathisanten werden sich an diesem Mittwoch auf den Weg von Frankfurt nach Bordeaux machen. Einige mit dem Flugzeug, einige mit dem Auto. Die meisten aber mit dem Bus. Axel Hellmann, Finanzvorstand der Frankfurter Eintracht, geht zumindest von 80 Bussen aus. „Die sitzen fast nonstop im Bus, nur um die Eintracht zu sehen.“ Der Trip nach Frankreich bis kurz vor die Atlantikküste soll für die Anhänger ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk werden. Es ist das letzte Auswärtsspiel in der Gruppenphase der Europa League. Ein Punkt noch, dann hätte der Tabellenführer der Gruppe F das erste Traumziel erreicht. „Wir haben eine tolle Ausgangslage“, sagt Schwegler, der Kapitän der Eintracht. Kämpferisch fügt der Schweizer an: „Wir wollen jetzt noch einen drauf setzen und im nächsten Jahr dabei sein.“ Mit aktuell neun Punkten ist die K.o.-Phase zum Greifen nah. Ein Unentschieden, vielleicht sogar ein Erfolg beim französischen Pokalsieger Girondins Bordeaux an diesem Donnerstag (Anpfiff 21.05 Uhr) – und die Europa League könnte zum Jahresende als Mutmacher für die Bundesliga wirken, in der die Eintracht als Viertletzter gegen den Abstieg kämpft.

          Wenn es los geht an diesem Mittwoch und die Eintracht-Delegation um 11.50 Uhr mit einer Sondermaschine vom Frankfurter Heimatflughafen abhebt, wird man einige Spieler vermissen. Nach der letzten lockeren Einheit vom Dienstag, „in der wir relativ wenig gemacht haben“, wie Schwegler berichtet, steht fest: Trainer Armin Veh muss auf Alexander Meier, Bamba Anderson, Marco Russ und Stefan Aigner verzichten. Alles mehr oder minder sportliche Schwergewichte im Kader der Eintracht. Bei Aigner, der sich bei der einzigen Niederlage in Tel Aviv (2:4) eine Zerrung zugezogen hat, ist es nach einer zwischenzeitlichen Besserung und Hoffnung auf Rückkehr wieder schlechter geworden. Meier hat wie schon beim verpassten Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Schalke 04 schwerwiegende Probleme mit der Patellasehne. Schwegler spricht davon, dass es „irgendwie verhext“ sei. „Wir müssen halt als Mannschaft zusammenhalten und das Beste daraus machen.“ Zum Beispiel dieses: Marc-Oliver Kempf mit nach Frankreich nehmen.

          Acht Minuten Bundesligaluft geschnuppert

          Der Jungprofi, 18 Jahre alt, gehört mit zur Frankfurter Reisegesellschaft und steht möglicherweise vor einem Einsatz in der Startelf. Nach den Ausfällen von Anderson (Zerrung) und Russ (Muskelfaserriss) ist Trainer Veh gezwungen, seine Abwehr umzubauen. Er braucht einen Innenverteidiger, der an der Seite von Carlos Zambrano für Stabilität und Sicherheit sorgt. Denkbar auch, dass diesen Part Martin Lanig übernehmen könnte. Der Mittelfeldspieler, der am Samstag beim spektakulär zustande gekommenen 3:3 gegen Schalke eine gute Partie bot, kann nicht nur vor der Abwehr auf der sogenannten Sechserposition spielen. „Als ich in Köln gewesen bin, war ich auch einmal als Innenverteidiger im Einsatz“, sagt Lanig. „Aber ich weiß ja noch gar nicht, ob ich überhaupt spiele. Das entscheidet allein der Trainer.“ Nach Lage der Dinge wird Veh seinen Entschluss frühestens am Mittwochabend mitteilen. Vor Ort in Bordeaux ist geplant, sich anhand einer Videoanalyse einen genauen Überblick über die derzeitige sportliche Verfassung der Franzosen zu verschaffen, die in der Europa League mit nur drei Punkten Gruppenletzter sind und auch im Liga-Alltag nicht gerade vom Erfolg verwöhnt werden. Am vergangenen Wochenende gab es bei Stade Rennes ein 1:1. Mit 18 Punkten aus 14 Spielen stehen die Männer aus Aquitanien im Mittelfeld auf Platz 12.

          Gegen Schalke hat Schwegler acht Minuten lang Bundesligaluft geschnuppert. Ob es in Bordeaux neunzig Minuten in der Europa League werden, ist ungewiss. „Wir müssen abwarten und schauen, wozu ich bereit bin“, sagt der Frankfurter Spielführer. „Ich weiß nicht, wie weit ich bin.“ Schwegler will es Veh überlassen, welche Rolle der von einer Knieoperation vollends genesene Antreiber spielen soll. „Spielpraxis würde mir gut tun.“ Er dürfte sie in Bordeaux bekommen, „und dann wollen wir alle dieses Spiel genießen und ausleben und eine gute Partie abliefern“. Schwegler ist nämlich der Ansicht, „dass es nicht selbstverständlich ist, dass Eintracht Frankfurt so etwas miterleben darf“. Bei einem mutmaßlich unvergesslichen Europapokalabend in Bordeaux will Schwegler aktiv dabei sein und sehen, „was auf den Rängen abgeht. Unsere Leute puschen uns. Das tut uns gut.“ Wie gut, wird der späte Donnerstagabend zeigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Lübcke-Prozess : „Der hat immer so aufgestachelt“

          Im Lübcke-Prozess belastet Stefan E. den wegen Beihilfe angeklagten Markus H. schwer – und befeuert Gerüchte, wonach H. für den Verfassungsschutz gearbeitet haben könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.