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Eintracht Frankfurt : Die Eintracht macht Kasse

  • -Aktualisiert am

Einträgliche Verbindung: Auf dem Dach des Fußballstadions im Frankfurter Stadtwald prangt auch weiterhin das Logo des Geldinstituts. Bild: Nora Klein

Das Namensrecht an der WM-Arena, anscheinend bis 2020, ist der Commerzbank viele Millionen Euro wert – von dem Geld fließt künftig mehr auf das Konto des Klubs. Frisches Geld im Ausland lockt auch den FSV Mainz 05.

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          Die Commerzbank wird nach Informationen dieser Zeitung abermals für mehrere Jahre das Namensrecht an der Frankfurter Fußballarena erwerben und den im Jahr 2016 auslaufenden Vertrag mit der Stadiongesellschaft bis zum Jahr 2020 verlängern. Darüber hinaus hat sich die Eintracht von diesen an der Vereinskasse bislang vorbeifließenden Einnahmen offenbar ein größeres Stück gesichert. Von den bisher drei Millionen Euro der Commerzbank an die Stadiongesellschaft erhält die Eintracht derzeit etwa 200.000 Euro pro Saison.

          Der neue Kontrakt soll insgesamt rund eine Million Euro höher liegen, aber dem Klub mindestens das Doppelte einbringen. „Ich habe gehört, dass sich da etwas tut, kann es aber nicht bestätigen“, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann am Dienstag beim SpoBis-Sportbusiness-Kongress in Düsseldorf. Er wies allerdings darauf hin, dass der Bundesligaklub zwei Drittel des jährlichen Zuschaueraufkommens im Stadion stellt. So ergibt sich eine finanzielle Besserstellung der Eintracht als Hauptnutzer, die maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadionimmobilie beiträgt. An der Stadiongesellschaft sind zu je 50 Prozent Bilfinger HSG und der Hamburger Sportvermarkter Sportfive beteiligt. Eintracht-Vorstand Hellmann hatte über die vergangenen Monate viel Druck gemacht auf die Entscheidung mit dem Namensrecht fürs Stadion.

          Fußballakademie der Eintracht?

          Gerade auch Lufthansa, Premiumpartner des Vereins, wollte ausschließen, dass eine arabische Airline sich die Arena am wichtigsten Standort der Kranich-Luftlinie als Werbefläche krallt. Hellmann kündigte in Düsseldorf zugleich an, dass der Klub seine Strategie noch mehr auf die internationalen Märkte ausrichten wolle. Neben der Region am Persischen Golf mit der Destination Abu Dhabi, wo die Eintracht die vergangenen drei Winter-Trainingslager absolvierte, solle jetzt auch Südostasien ins Visier genommen werden. „Dafür können wir unser gutes Netzwerk zum Finanzplatz Frankfurt nutzen und ausbauen. Diese Unternehmen arbeiten rund um den Globus und können uns mit Kontakten in aller Welt helfen.“

          Hellmann führte an, dass zum Beispiel über die BHF-Bank eine Verbindung zur Investmentgesellschaft Al Ain in Abu Dhabi hergestellt wurde, die auch im Besitz eines gleichnamigen Fußballklubs in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist und einen zweijährigen Vertrag mit der Eintracht abgeschlossen hat. Das Unternehmen plane derzeit bei Abu Dhabi eine Sportstadt. Vorstellbar sei in diesem Rahmen auch eine Fußballakademie der Eintracht. Für die Kooperation mit Al Ain erhielten die Frankfurter schon jetzt eine sechsstellige Summe als Vergütung, wie Hellmann mitteilte. Er bezeichnete die Eintracht in diesem Zusammenhang als „Botschafter des deutschen Fußballs“. Auch alte Eintracht-Legenden wie zum Beispiel Karl-Heinz Körbel würden zukünftig bei den Auslandsaktionen öfter als Werbefiguren eingesetzt werden. „Auch wenn unsere Welt etwas kleiner ist als die des FC Bayern oder von Borussia Dortmund, bietet die Auslandsvermarktung doch Platz für alle Vereine“, sagte der Eintracht-Vorstand. Er ist seit kurzem auch Mitglied einer Arbeitsgruppe der Liga zur Internationalisierung der Bundesliga.

          Okazaki ist ein begehrter Profi

          Als Platzhirsch im Rhein-Main-Gebiet sind die Frankfurter hier zumindest schon ein Stück weiter als Mainz 05. Fast kabarettistisch reagierte deren Marketingchef Dag Heydecker, der zusammen mit Hellmann beim Kongress in Düsseldorf vor Sportmarketingfachleuten auftrat, auf die neuen Anforderungen der Bundesligaklubs im Geschäft um weltweite Aufmerksamkeit. „Die Auslandsvermarktung von Mainz 05 beginnt in Wiesbaden“, ließ Heydecker wissen. Allerdings wies er schnell darauf hin, dass auch die Rheinhessen im Begriff sind, die Lage auf den entfernten Märkten nun gezielt auszuloten. Möglicherweise steht im Sommer eine Reise nach Südkorea und Japan an. Spieler in der Mannschaft wie Ja-Cheol Koo, Joo-Ho Park oder Shinji Okazaki ermöglichen einen guten Zugang zu den Fans in den asiatischen Ländern. Doch wer weiß, ob diese Profis dann immer noch zum Verein gehören und den Mainzern nicht weggekauft werden. Mittelstürmer Okazaki ist ein begehrter Profi. „Wir brauchen Zeit und Geduld. Wir haben ja zumindest schon Werbebanden an ein chinesisches und ein koreanisches Unternehmen verkauft“, sagte Heydecker. Helfen lassen wollen sich die Mainzer auch von deutschen Unternehmen, die jetzt schon als Sponsoren mit ihnen zusammenarbeiten und ein Eigeninteresse an der Internationalisierung haben. „Wir machen in jedem Fall kein Büro in Japan auf, nur weil Okazaki bei uns spielt“, frotzelte Heydecker in Anspielung auf die Branchengrößen aus München und Dortmund. Der FC Bayern eröffnete im vergangenen Sommer eine kleine Dependance in New York, China könnte dieses Jahr folgen. Der BVB ist seit kurzer Zeit mit eigenen Leuten in Singapur präsent.

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