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Eintracht Frankfurt : Selbstsichere Eintracht beschenkt sich

Frankfurter Catenaccio: Die frohgemute Eintracht-Kette nach dem Sieg über Borussia Dortmund. Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter finden das passende System, um mit Borussia Dortmund ein weiteres Branchen-Schwergewicht zu besiegen. Beim 2:0 schlagen Meier und Seferovic eiskalt zu.

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          Sie wussten, wem sie Dank sagen mussten. An Felix Wiedwald führte an diesem Tag kein Weg vorbei. Das hatten während der abwechslungsreichen neunzig Minuten die Dortmunder Profis erkennen müssen, die reihenweise an dem Schlussmann der Eintracht gescheitert waren. Der 24 Jahre alte Keeper ragte aus einer Frankfurter Fußballmannschaft, die für ihre Verhältnisse eine außerordentliche Leistung zeigte, in dieser Partie zum Abschluss des 13. Spieltags noch ein gutes Stück heraus – und dafür nahm er noch auf dem Rasen die Glückwünsche seiner Kollegen entgegen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Mit dem 2:0 gegen Borussia Dortmund schob sich das Team von Thomas Schaaf auf den neunten Tabellenplatz vor. Die Tore gegen den auf den letzten Platz des Klassements abgestürzten Meister von 2012 erzielten Alexander Meier (5. Minute) im Alleingang und Haris Seferovic (78.), der einen Pass von Meier aufnahm und zudem von einem Abstimmungsfehler zwischen BVB-Keeper Weidenfeller und Verteidiger Ginter profitierte. Seferovic lupfte nach seinem Treffer sein rot-schwarzes Trikot und zeigte beim Jubeln vor der Frankfurter Fankurve ein weißes T-Shirt, auf dem er an die in Offenbach einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallene Tugce A. erinnerte.

          Neue Sicherheit von Wiedwald

          Schaaf pries seine Elf für einen couragierten Auftritt, in dem sie bis auf eine Viertelstunde vor der Pause fast immer Herr des Geschehens war und nur bei Einzelaktionen des Gegners in Gefahr geriet. Wiedwald verhinderte mit Hand, Fuß und Köpfchen Schlimmeres, sobald die Borussia in seinem Terrain auftauchte. Er „machte es hervorragend“, wie Schaaf betonte, „auf ihn war Verlass.“ Der so Gelobte nahm die netten Worte in seiner Sache äußerlich gelassen zur Kenntnis und gab stattdessen lieber Komplimente an seine Vorderleute weiter: „Wir waren alle konzentriert und haben uns für unsere Mühen belohnt“, sagte der Matchwinner. „Ich war nur da, als ich gebraucht wurde.“ Soviel Understatement wird ihn demnächst wohl eher nicht weiterbringen: Wiedwald hat angekündigt, dass er spätestens rund um das Januar-Trainingslager am Golf von Arabien wissen möchte, wie es mit ihm in Frankfurt weitergeht.

          Seit Mitte September, als sich Stammtorwart Kevin Trapp einen Riss der Syndesmose zuzog, steht er bei der Eintracht zwischen den Pfosten. Den Job erfüllt er seitdem nach anfänglicher Nervosität trotz 19 Gegentoren bei neun Einsätzen mit wachsender Selbstsicherheit. Nach Silvester, so sagte er kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung, würden er und sein Berater das Gespräch mit Sportdirektor Bruno Hübner suchen. Sein aktueller Vertrag läuft im Juni 2015 aus. Gut möglich, dass die beiden dann eine Videoaufzeichnung der Begegnung mit den Dortmundern mitbringen werden, um ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Ein halbes Dutzend Paraden in Eins-Eins-Duellen gegen die BVB-Angreifer wies hinterher die offizielle Statistik aus – einen solch außergewöhnlichen Wert erzielte der gebürtige Niedersachse in seiner jungen Karriere bis dahin noch nicht. „Ich habe Blut geleckt“, sagte Wiedwald, „natürlich will ich meinen Platz behalten.“

          Schaafs Wunschzettel

          Trapps Rückkehr ins Mannschaftstraining wird in den kommenden vierzehn Tagen erwartet. „Felix war ausgezeichnet“, sagte Bastian Oczipka, „und überhaupt war es von uns allen kämpferisch sehr stark.“ Für den Verteidiger ist der augenblickliche Boom auch ein Zeugnis der Reife des Teams und ein Indiz für die gute Arbeitsatmosphäre innerhalb des Klubs, die ihn ohne Sorgen in die nahe Zukunft blicken lässt: „Alle haben die Ruhe bewahrt, als es mal nicht so lief“, betonte Oczipka, „wir haben Fehler angesprochen und uns ausgesprochen.“

          Dass die Eintracht neuerdings mutiger ins Forechecking geht und eher die Initiative ergreift als in ersten Wochen nach Schaafs Amtsantritt, „zahlt sich aus“, sagte der Fünfundzwanzigjährige: „Wir haben jetzt ein System gefunden, in dem sich jeder auf seinem Platz sicher fühlt und jeder weiß, was zu tun ist.“ Bruno Hübner, der Frankfurter Sportdirektor, nannte die sportliche Trendwende bei den Hessen „richtig schön“. Er sei „einfach zufrieden, dass wir jetzt 18 Punkte haben“. Ein „paar weitere“ stünden bis zu den Weihnachtsferien aber noch auf dem Wunschzettel. Hübner sagte, er sei wie alle im Verein „glücklich, wie es gekommen ist, denn hinter uns liegt eine Zeit, in der wir einiges einstecken mussten“.

          Die Bundesliga-Gegenwart, die vor kurzem nach fünf Niederlagen in Serie noch grau und trist aussah, erscheint nach dem zweiten Sieg gegen ein Branchen-Schwergewicht binnen einer Woche wesentlich freundlicher. Oder um es mit den Worten des Stadionsprechers zu formulieren: „Die Eintracht hat sich schon am ersten Advent selbst beschert!“

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