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Eintracht Frankfurt : Die Angst ist im Spiel

Nachdenkliche Töne vom Rückkehrer: Aus Sicht des genesenen Johannes Flum spielte die Eintracht zuletzt nicht den Fußball, zu dem sie „eigentlich in der Lage ist“. Bild: Jan Huebner

Bei der Eintracht wird vor der Bayern-Partie der Ton rauher. Timothy Chandler beklagt Verunsicherung im Team und widerspricht damit Trainer Thomas Schaaf.

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          Drei Partien, null Punkte, drohender Abstiegskampf. Für die Eintracht haben sich binnen weniger Tage die Perspektiven in der Bundesliga deutlich verschlechtert. Das hinterlässt Spuren. Und das Programm bis zur Winterpause bleibt ambitioniert: Nach dem Gastspiel der Bayern in Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr) geht es mit Auftritten in Mönchengladbach und daheim gegen Dortmund weiter. Die übrigen Prüfungen finden danach gegen Bremen und Hertha (zu Hause) sowie in Leverkusen und Hoffenheim (auswärts) statt.

          Von einer schnellen Wende zum Besseren ist niemand so recht überzeugt. Selbst Bruno Hübner, grundsätzlich eher ein Zeitgenosse, der durch seine optimistische Sicht auf die Dinge auffällt, klingt momentan erstaunlich genügsam. Der Sportdirektor des Tabellenzwölften (12 Punkte) ließ verlauten, dass bis zu Weihnachten 18 Zähler angestrebt werden, „15 brauchen wir mindestens“. Das würde bedeuten, dass von den ausstehenden sieben Spielen maximal zwei gewonnen würden. Ein düsteres Szenario, das Erinnerungen an den letzten Niedergang weckt, als es der Eintracht 2011 nicht gelang, in der ersten Klasse zu verbleiben.

          Trainer- und Spielerwechsel mache der Mannschaft zu schaffen

          Timothy Chandler hat gerade erst einen Abstieg hinter sich. Mit dem 1. FC Nürnberg war der amerikanische Nationalspieler im Frühling für erstklassige Ansprüche nicht gut genug und beendete die Saison als Siebzehnter. Danach verkündete der gebürtige Frankfurter seine Rückkehr zur Eintracht, bei der er als Jugendlicher ausgebildet worden war. Unter der Regie von Thomas Schaaf konnte der Rechtsverteidiger noch nicht wirklich überzeugen. Im Gespräch mit dem „Hessischen Rundfunk“ räumte er ein, dass ihm die unerfreuliche Situation zu schaffen mache. „Die Verunsicherung ist auf jeden Fall da“, sagte Chandler, „jeder spielt mit etwas Angst.“ Die Niederlagen-Serie mit insgesamt elf Gegentoren habe Spuren hinterlassen. „Das sieht man in den Spielen. Wir haben zu viele Ballverluste und kommen zu spät in die Zweikämpfe.“ Auch nach mehr als drei Monaten habe das Team Schaafs Ideen noch nicht verinnerlicht. „Wir haben viele neue Spieler, mussten oft wechseln, haben einen neuen Trainer. Die Umstellung fällt vielen schwer“, sagte er, „deswegen kommt kein Spielfluss zustande.“

          Der Coach hatte nach der Pokalniederlage gegen Mönchengladbach und beim 0:1 in Hannover anders argumentiert und gesagt, dass es „nichts mit einem System oder einer Verunsicherung zu tun hat, wenn ich einfach nur in den Zweikampf gehen muss“. Am Dienstag wurde der Ton auf dem Rasen jedenfalls rauher; kaum eine Aktion blieb von Schaaf unkommentiert, immer wieder unterbrach er die Übungen, weil ihm vieles nicht gefiel, was er sah, während die Spieler, die er im Nieselregen um sich scharte, mit hängenden Köpfen seinen Anweisungen lauschten. Die Stimmung beim Training an der Frankfurter WM-Arena war schon deutlich besser. Die Körpersprache verhieß für das kommende Wochenende nichts Gutes.

          Flum meldet sich nach Krankheitspause zurück

          Johannes Flum sagte anschließend, „dass wir gut daran tun, uns auf uns selbst zu konzentrieren“. Der Profi meldete sich nach wochenlanger Krankheitsgeschichte im Kollegenkreis zurück. Der 26-Jährige hatte seit August wegen einer Sehnenverletzung am Ansatz zum Gesäß pausieren müssen. Immer wieder taten sich muskuläre Probleme in den Oberschenkeln und am Rücken auf, nachdem er sich in der Sommer-Vorbereitung gerade erst von den Folgen seiner Schulter-Operation im April erholt hatte und auf dem Weg zurück in die Startformation war. Als „wahnsinnig anstrengend auch für den Kopf“ bezeichnete Flum die langwierige Zwangsunterbrechung. „Es ist schmerzlich, wenn du unbedingt Fußball spielen willst, aber nicht kannst“, sagte Flum, „es tut weh, zuzuschauen.“ Zumal er zuletzt von außen beobachten musste, wie sich seine Mitstreiter gegen Paderborn, Stuttgart und Hannover von ihrer ganz schwachen Seite präsentierten und den Gegnern zu wenig abverlangten. In seinen Augen gibt die Eintracht in diesen Tagen ein missverständliches Bild ab: „Wir spielen nicht den Fußball, zu dem wir eigentlich in der Lage sind.“

          Er selbst sieht sich noch nicht so weit, gegen den FC Bayern an diesem Samstag mitzuhelfen, dass sich die angeschlagene Eintracht achtbar aus der Affäre zieht. „Das wäre zu früh“, sagte der ehemalige Freiburger, „ich brauche nach der Reha weitere Trainingspraxis.“ Auch deswegen hielt er sich mit seiner Beurteilung der Lage in der Öffentlichkeit zurück, denn „ich sollte nicht so viel reden, solange ich nicht mitspiele“. Sein Ziel sei das Comeback noch vor der Winterpause. „Ich hoffe, dass mir der Trainer bis dahin einige Minuten gibt, in denen ich zeigen möchte, dass ich eine Option für die Mannschaft sein kann.“ Alles andere wäre eine Überraschung. Flums bevorzugtes Einsatzgebiet ist der Posten unmittelbar vor der Viererkette, seine besten Auftritte im Frankfurter Trikot zeigte er als aufmerksamer Aufpasser, der hinter Goalgetter Meier und Antreiber Aigner Lücken schloss, Bälle eroberte und das Umschaltspiel gestaltete. Momentan ist das defensive Mittelfeld ein der größten Schwachstellen. Mit anderen Worten: Seit Flum fehlt, wird sein Wert für die Mannschaft besonders sichtbar.

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