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Eintracht Frankfurt : Der Verbindungsmann

Es darf gelacht werden! Bei Armin Veh, dem Chef, und Lehrling Alexander Schur stimmt die Chemie. Bild: Heiko Rhode

Die Profi AG und das Leistungszentrum der Frankfurter Eintracht rücken enger zusammen. Im Mittelpunkt dabei: Alexander Schur. Der Trainer der U19 assistiert künftig Armin Veh.

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          Es klingt nach jeder Menge Stress. Schließlich stand er noch am Samstagmorgen mit seiner U 19 auf dem Fußballplatz, um nur drei Stunden später mit den Profis in das einwöchige Trainingslager nach Österreich zu fliegen. Doch Alexander Schur spricht dankbar von einem „Geschenk“. Das Urgestein der Frankfurter Eintracht wirkt sehr glücklich, dass er mittendrin bei den Bundesligaprofis dabei sein darf.

          Es ist eine Rolle, die den Cheftrainer des Nachwuchs-Leistungszentrums vor organisatorische Hürden stellt. Denn sein Grundsatz lautet: „Es gibt kein Spiel der U 19, bei dem ich nicht auf der Bank sitze“, sagt Schur. Der 43 Jahre alte Frankfurter ist künftig das Sportliche Bindeglied zwischen Mutterverein und AG. Schur sieht sein Hauptbeschäftigungsgebiet zwar weiterhin im Tagesgeschäft am Riederwald. Zugleich soll er aber auch enger in die Profiabteilung eingebunden werden und während einer normalen Trainingswoche an zwei Tagen bei der Bundesligamannschaft sein.

          Dass mehr Arbeit nicht gleich mehr Geld bedeutet, wie Schur bekräftigt, ist völlig in Ordnung für ihn, wie er im Mannschaftshotel erzählt, das die Eintracht während ihres Übungscamps im Neustifter Ortsteil Milders noch bis zu diesem Samstag bezogen hat: „Für mich ist es im Gegenteil ein großer Mehrwert, denn ich kann weiterkommen und einen Schritt nach vorne machen.“

          Schurs bisheriger Karrierehochpunkt

          Letztlich möglich gemacht hat die Beförderung Armin Veh. „Für mich war ganz wichtig, dass er ja gesagt hat“, so Schur, der spürt, „dass es vielleicht die Tendenz gibt, mich im Verein zu fördern.“ Für Schur steht außer Frage, „dass Veh es aus Überzeugung macht – so wie alle anderen auch“. Die „anderen“, also die weiteren Teammitglieder des Trainerstabes, kennt Schur schon länger. Und so ist die aktuelle Zusammenarbeit im Stubaital mit Assistenztrainer Reiner Geyer, Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz, Konditionstrainer Christian Kolodziej und Rehatrainer Michael Fabacher eine Freude für Schur: „Ich finde, das ist ein lockeres und gelassenes Trainerteam“, sagt Schur. „Die Stärke liegt darin, nicht zu hektisch zu reagieren.“

          Seine aktuelle Aufgabe ist der vorläufige Höhepunkt in der Trainer-Laufbahn des zweifachen Familienvaters. Einst schnürte der Frankfurter Bub für den VfR Bockenheim die Fußballschuhe, ehe er zu Rot-Weiss wechselte. Dort war er sechs Jahre lang am Ball, unter anderem mit Jürgen Klopp, und wurde Oberligameister und Hessenpokalsieger. Frankfurter Vereinen hielt Schur auch fortan die Treue, denn er war auch für den FSV am Bornheimer Hang aktiv, bevor er 1995, entdeckt von Karl-Heinz Körbel, zur Eintracht ging.

          Dort spielte er zunächst für die Amateure, dann startete 1996 seine Profikarriere. Bis zu seinem Abschied 2006 absolvierte Schur 251 Pflichtspiele, dabei erzielte er 23 Tore. Das Wichtigste: Das 6:3 im Aufstiegskrimi gegen den SSV Reutlingen. Es war der 25. Mai 2003 – Schur brachte die Eintracht mit seinem Last-Minute-Kopfballtor zurück in die Bundesliga. Spätestens da war der langjährige Kapitän einer der Publikumslieblinge. Die Sympathie, der sich Schur bei den Fans erfreut, kommt in einem besonderen Vertrauensbeweis zum Ausdruck: Seit dem 22. Mai 2004 hat er seinen eigenen Fanklub, den „EFC oldSCHURhand“.

          Gelerntes bei den Amateuren umsetzen

          Einmal Eintracht, immer Eintracht. Dieser Grundsatz trifft mehr denn je auf Schur zu, der sich mit Fleiß und Akribie ein berufliches Standbein bei dem wichtigsten Frankfurter Fußballverein aufgebaut hat. „Es ist sehr angenehm, dass ich dabei sein darf“, sagt der Meistertrainer, der mit der B-Jugend 2010 den deutschen Titel holte. „Ich bin hier im Stubaital hervorragend aufgenommen worden und habe eine gute Atmosphäre vorgefunden.“

          Zuschauen, mitmachen, sich einbringen, transferieren: Was Schur im Tagesgeschäft bei den Profis lernt, soll auch zum Nutzen der U-19-Spieler sein. „Trainings- und Spielformen werden nach unten durchgereicht“, sagt Schur über den Plan, das Gelernte bei den Profis schnell bei den jungen Amateuren umzusetzen. „Alles geht nahtloser vonstatten.“

          Sechs Nachwuchskräfte aus dem Riederwälder Talentschuppen sind im Trainingslager der Profis dabei. Dass Veh zu Beginn der Woche „große Defizite“ bei dem einen oder anderen bemerkte, ist für Schur normal: „Es wäre schon komisch für die Profis, wenn keine Unterschiede festzustellen wären. Die Jungs können aber komplett mithalten“, findet Schur. „Auch wenn sie zehn bis 15 Prozent weniger Dampf haben. Sie brechen nach drei Trainingseinheiten nicht zusammen.“ Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der Schur sich bei seinem Herzensklub stellt. „Angst davor habe ich nicht“, sagt er. „Aber Respekt. Ich muss 1000-prozentig konzentriert sein. Mit der Zeit wird es sich schon einspielen.“

          Heute noch bei den Bundesligaprofis, morgen schon bei den Teenagern: Schurs Mehrbelastung wird nach den Tagen im Tiroler Trainingslager auf hohem Level bleiben. Im zweiten Übungscamp vom 18. bis zum 26. Juli in Windischgarsten ist er ebenfalls dabei. Und auch dann, wenn „seine“ U 19 vom 29. Juli bis zum 2. August ins Trainingslager in die Nähe von Limburg fährt. Der Stress wird nicht weniger.

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