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Eintracht Frankfurt : Der Machtkampf

Seit 2000 der erste Mann der Eintracht: Präsident Peter Fischer. Bild: Wonge Bergmann

Der Eintracht-Präsident Peter Fischer muss mit Gegenwind rechnen. Denn sein Gegenkandidat könnte Reiner Schäfer werden - einer mit Stallgeruch.

          2 Min.

          Geht bei der Frankfurter Eintracht womöglich eine Ära zu Ende? Erstmals seit mehr als 14 Jahren muss Peter Fischer auch offiziell mit Gegenwind rechnen. Der Präsident der Eintracht, seit dem Sommer 2000 der erste Mann des Frankfurter Großvereins, wird sich nach derzeitigem Kenntnisstand aller Voraussicht nach mit Reiner Schäfer auf der kommenden Mitgliederversammlung dem Votum der Basis stellen. Im Sommer noch war Fischer ins Grübeln geraten, ob er sich ein weiteres Mal zur Wahl stellen möchte. „Es gibt im Verein durchaus Tendenzen, die mich nachdenklich machen und die mir nicht gefallen“, sagte er im Juli.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Besonders die Attacken des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Becker, der Fischers Amtsführung unter Hinweis auf die angespannte Finanzsituation des Vereins scharf kritisiert hatte, dürften dem Präsidenten missfallen haben. Am Donnerstag aber sagte Fischer: „Ich gehe mit viel Energie und Freude in die Kandidatur.“ Und weiter: „Ich freue mich über jeden, der versucht, Verantwortung zu übernehmen und der sich der Aufgabe stellt.“ Schäfer betrachtet er momentan aber nicht als Konkurrenten, weil dieser noch nicht nominiert worden sei.

          Schäfer ist einer mit Stallgeruch

          Der Angriff von Becker blieb gleichwohl (noch) wirkungslos, denn am 11. August bestätigte Fischer, dass er sich am 25. Januar 2015 zur Wiederwahl stellen wird. „Ich kenne die Aufgaben und Herausforderungen für diesen Verein, der mir wie eine Familie ans Herz gewachsen ist, und habe mir klare Ziele für die kommenden drei Jahre gesteckt, die ich gemeinsam mit meinen Präsidiumskollegen und den Mitarbeitern am Riederwald angehen möchte.“ Eine abermalige Bestätigung vorausgesetzt, wäre es Fischers fünfte Amtszeit. Für Schäfer wäre es die erste – vorausgesetzt, der 69 Jahre alte ehemalige Marketingdirektor und Geschäftsführer der Südzucker AG nimmt vorab die wichtigen vereinsinternen Hürden. Denn sowohl der Verwaltungsrat (sieben Mitglieder) als auch der Wahlausschuss (elf Mitglieder) müssen seiner Bewerbung jeweils mit Zweidrittelmehrheit zustimmen.

          Schäfer ist einer mit Stallgeruch. Als die Eintracht zu Beginn der neunziger Jahre die einmalige Chance verpasste, in Rostock deutscher Meister zu werden, war Schäfer Geschäftsführer. Zuletzt engagierte er sich im Verwaltungsrat der Eintracht, trat aber nach nur einem Jahr im Januar dieses Jahres ohne Angabe von Gründen zurück. „Jetzt habe ich meine Bereitschaft erklärt, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren“, sagte er am Donnerstag.

          „Beim e.V. gefällt mir einiges nicht“

          Wenn er eingeladen werde, werde er vor den entsprechenden Gremien seine Pläne präsentieren. „Ich gehe davon aus, dass eine Einladung kommt“, sagte er. Eine Einschätzung, die sich mit Informationen dieser Zeitung deckt. Denn bei der Eintracht gibt es den unausgesprochenen Wunsch vieler langjähriger Führungspersönlichkeiten, dass die Mitgliederversammlung bei der wichtigsten Wahlentscheidung mehr als nur einen Kandidaten präsentiert bekommt. Mehr noch: Mittlerweile gibt es offenbar auch einige Stimmen, die sich nach der langen Zeit von Fischer eine Wachablösung mit einem neuen Präsidenten wünschen. Schäfer ergänzte: „Wenn die mich nicht nominieren, wozu ich keinen Anlass sehen würde, dann trete ich nicht an.“ Pauschal sagte Schäfer, „dass mir beim e.V. einiges nicht gefällt“. Auf Nachfrage war er gleichwohl nicht bereit, dies zu präzisieren.

          Präzise waren dafür die Dementis von Bernd Ehinger und Herbert Becker. Beide wurden von der „Bild“-Zeitung als Mitglieder von Schäfers Wahlteam genannt. Beide korrigierten diese (Fehl-)Einschätzung. „Ich stehe definitiv für keinerlei Funktion im e.V. zur Verfügung“, sagte der vor kurzem 70 Jahre alt gewordene Handwerkspräsident Ehinger, der sich als Gründungsmitglied der Eintracht Frankfurt Fußball AG große Verdienste um den Verein erworben und zudem in den verschiedensten Gremien der Eintracht – zumeist an der Spitze – gewirkt hat. Der ehemalige AG-Finanzvorstand Thomas Pröckl, der angeblich auch zu Schäfers Team gehören soll, bestätigte nur, dass er sich zu seinen Unterstützern zähle.

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