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Abwehrchef der Eintracht : Der Libero

Frankfurter Abschirmdienst: Eintracht-Abwehrchef Makoto Hasebe hält den Bremer Joshua Sargent auf Distanz. Bild: EPA

Obwohl Makoto Hasebe mit seinem Foul das 2:2 gegen Bremen verschuldet hat, wird er von allen Seiten gelobt. Denn der Eintracht-Profi spielt nahezu fehlerfrei.

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          Am Tag danach ist das Gros der Eintracht abgetaucht. Nichts Ungewöhnliches, denn Trainer Adi Hütter gönnt seinen Profis nach Pflichtspielen stets regenerative Pausen. Makoto Hasebe konnte am Montag also hinter verschlossenen Türen noch einmal seinen Blackout Revue passieren lassen. Kurz vor dem Ende der offiziellen Spielzeit gegen Werder Bremen hatte sich der Japaner zu einer Grätsche entschlossen, um den einschussbereiten Davy Klaassen zu stoppen. Dass er nicht den Ball, sondern eben den Gegner traf, war Pech. „Hasebe war trotzdem überragend“, sagte sogar Werder-Trainer Florian Kohfeldt, der später, als das 2:2 perfekt war, in kleiner Runde präzisierte: „Hasebe ist für mich der überragende Bundesligaspieler.“

          Ein Libero, wie er im Buche steht. Einer, der das Spiel nicht nur lesen kann, wie es gemeinhin heißt. Sondern der es auch mit seiner Spielintelligenz und Antizipationsfähigkeit Woche für Woche auf höchst ansprechende Weise bereichert. Dass aus der Frankfurter 2:1-Führung, herausgeschossen durch Sebastian Rode (55.) und André Silva (88.), nach dem Bremer 1:0 (Klaassen, 27.) doch noch durch den verwandelten Foulelfmeter von Milot Rashica (90.+1) das 2:2 wurde, grämte Hasebe zutiefst. Sofort nahm der 35 Jahre alte Musterprofi aus Japan die Schuld auf sich und machte zugleich ein Versprechen: „Beim langen Ball vor dem 2:2 müssen wir besser verteidigen. Dann habe ich mich im Zweikampf verschätzt, das tut mir sehr leid für die Mannschaft. Jetzt muss ich nach der Länderspielpause die zwei Punkte selbst holen.“

          „Bitteres Ergebnis“

          Ein ehrenwerter Vorschlag eines untadeligen Sportsmannes, der im Eintracht-Gefüge von größtem Wert ist. Am vergangenen Donnerstag noch, beim schmeichelhaften 1:0 bei Vitória Guimarães in der Europa League, übernahm Martin Hinteregger den Part des freien Mannes – und schnell war erkennbar: An Hasebe kommt er lange nicht heran. Hasebe ist wie geschaffen für die zentrale Position in der Dreierabwehrkette. Der älteste Eintracht-Profi spielt nahezu fehlerfrei. Umso ärgerlicher ist seine missglückte Rettungsaktion gegen Klaassen, die die Mannschaft des Tabellenneunten um einen hochverdienten Sieg gebracht hat. „Es ist ein bitteres Ergebnis“, sagte der am Sonntag wieder einmal zum Kapitän bestimmte Hasebe, „denn wir haben fast neunzig Minuten lang nur auf Angriff gespielt.“

          Als später vom „besten Heimspiel der Saison“ gesprochen wurde, wie Eintracht-Trainer Hütter in seiner Analyse sagte, stimmte auch sein Bremer Kollege in die Lobpreisungen ein. „Frankfurt spielt einen tollen Fußball mit diesem tollen Stadion“, sagte Kohfeldt. Bei aller Begeisterung, die Hütter über dieses starke Stück „Powerfußball“ verspürte, sah der Coach aber auch Verbesserungspotential. „Die Szene vor dem Ausgleich kann man besser verteidigen“, sagte der 49 Jahre alte Österreicher. „Makoto wusste, dass er nicht rutschen darf.“

          Weiterbildung und neuer Trainer

          Hoch springen und mit dem Kopf erfolgreich sein – das wollte gegen Werder auch Bas Dost. Doch der lange Niederländer, der gegen Bremen von Beginn an gespielt hätte, wie Hütter später verriet, musste verletzungsbedingt passen. Eine Muskelverhärtung im hinteren Oberschenkel verhinderte sein Mitwirken. Ihn trotzdem spielen zu lassen, kam für Hütter nicht in Frage. „Das Risiko war uns zu groß.“ Gut möglich, dass Dost am Donnerstag wieder eine Alternative ist. In der punktspielfreien Zeit – der Bundesligabetrieb ruht wegen der Länderspiele für knapp zwei Wochen – absolviert die Eintracht ein Benefizspiel in Gießen. Die Erlöse der Begegnung gegen den Regionalliga-Aufsteiger FC Gießen, die um 16.30 Uhr im Waldstadion der Universitätsstadt angepfiffen wird, kommen der Sportstiftung Hessen zugute.

          Etwas Gutes in eigener Sache unternimmt derzeit Jan Zimmermann. Der Torwart ist damit beschäftigt, sich auf die Zeit nach seiner Karriere vorzubereiten. So fehlte der 34 Jahre alte Ersatzkeeper aus dem Quartett der Eintracht-Torhüter am Montag beim Training auf dem Hauptübungsareal an der Arena. Zimmermann war stattdessen bei einem der vielen Lehrgänge, die er absolvieren muss, um sich später einmal, dann ausgestattet mit allen erforderlichen Lizenzen, Torwarttrainer nennen zu dürfen. Ein Trainer anderer Couleur hat unterdessen Unterschlupf bei der Eintracht gefunden. Andreas Biritz ergänzt als Athletiktrainer das Team neben dem Team. Der 33-Jährige stand zuletzt in Diensten des österreichischen Erstligavereins SKN St. Pölten. Biritz arbeitete zuvor fünf Jahre unter dem damaligen Cheftrainer Adi Hütter in Grödig und Bern. Mit der Verpflichtung reagiert die Eintracht auf die Verletzung von Markus Murrer. Der 37-Jährige erlitt vergangene Woche im Training einen Achillessehnenriss und fällt bis auf weiteres aus.

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