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Eintracht Frankfurt : Der Fleißarbeiter

  • -Aktualisiert am

Sportdirektor Bruno Hübner hat mit dem Aufstieg und der Gestaltung der Erstliga-Eintracht viel zu tun. Bild: imago sportfotodienst

Bruno Hübner ist als Eintracht-Sportdirektor ein umtriebiger Transfervorbereiter, der seinen Kandidaten ein wichtiges Gefühl vermittelt: gewollt zu werden.

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          Bruno Hübners Arbeitskleidung besteht zwar nicht aus kurzer Hose und Fußballschuhen, aber der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt befindet sich trotzdem im Gleichschritt mit den Profis des Vereins, die sich von Montag an in Feldkirchen an der Donau, unweit von Linz, im Trainingslager auf die neue Spielzeit vorbereiten. Beide Seiten müssen weiterhin hart arbeiten, um vom ersten Saisonspiel gegen Leverkusen an gut aufgestellt zu sein. Die Mannschaft tut das unter Anleitung von Trainer Armin Veh für jeden sichtbar, Hübner arbeitet bei der Vorbereitung von Transfers überwiegend im Verborgenen - aber umso effektiver. Der 51-Jährige hat, die Abstiegssaison und die bevorstehende Runde zusammengenommen, nicht gerade gekleckert. Satte achtzehn Spielerwechsel hat er vorbereitet - und der Eintracht damit innerhalb eines Jahres schon zweimal ein neues Gesicht gegeben. Nach der gerade erst vollzogenen Weiterverpflichtung von Erwin „Jimmy“ Hoffer sollen auch in Feldkirchen neue Spieler an die Eintracht gebunden werden, wahrscheinlich ein Stürmer und ein Innenverteidiger. Neue Aufgaben für den Fleißarbeiter.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Umtriebigkeit hat dazu geführt, dass kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist. In Spielernamen zusammengefasst: Nikolov, Jung, Meier, Rode, Schwegler, Köhler, Kittel, der inzwischen vom Profikader aussortierte Tzavellas und das Talent Dudda durften bleiben, der große Rest wurde verabschiedet. Heribert Bruchhagen, der als Vorstandsvorsitzender der Fußball AG und Hübners Vorgesetzter jedes angebahnte Geschäft des Sportdirektors absegnen und abschließend besiegeln muss, lobt das Engagement seines Nachfolgers auf diesem Posten regelmäßig. Er hatte seine Managementaufgaben und mithin die tägliche Nähe zur Mannschaft nach dem Aufstieg abgeben müssen, was ihm anfangs schwer fiel. Inzwischen beteuert er, ganz froh zu sein, nicht mehr zusätzlich mit Spielern und ihren Beratern verhandeln zu müssen. Das macht jetzt Hübner, den er im vergangenen Jahr vom MSV Duisburg aus der zweiten Liga nach Frankfurt geholt hat. Bruchhagens Lob für seinen Transfervorbereiter ist mit den Attributen „fleißig“, „herzensgut“ und „charaktervoll“ verbunden. Diese wohlige Wärme soll sich auch in Verhandlungen wiederfinden. „Bruno gibt Spielern das Gefühl, dass er sie unbedingt will“, sagt Bruchhagen, „er schafft es, sie für sich und Eintracht Frankfurt einzunehmen.“ Die beiden trennen auf der Geschäftsstelle ein paar Zimmer, an ihrer Nähe in der täglichen Arbeit ändert das nichts. Hat Hübner einen Wechsel vorbereitet und die Konditionen ausgehandelt, kommt eine Art Kommission zusammen, um eine Entscheidung weiterzutreiben: Bernd Hölzenbein, Chef der Eintracht-Scoutingabteilung, Videoanalyst Marcel Daum, und natürlich Bruchhagen. Erst seine Unterschrift unter einem Vertrag beschließt ein Geschäft. Er hat das letzte Wort, was aus Hübners Verhandlungsergebnissen und Vehs Spielerwünschen wird. In Feldkirchen aber wird er dem Sportdirektor das Terrain überlassen, von wo aus die letzten Transfers dieses Sommers initiiert werden sollen - auch wenn Bruchhagen beabsichtigt, kurz in Österreich vorbeizuschauen.

          Fehlgriffe gehören zum Geschäft

          Womöglich wird er dort mit Hübner nicht nur über neue Spieler sprechen, sondern - bei allem Wohlwollen - auch auf einen Unterschied zwischen seiner Arbeitsweise als Manager und der Hübners. „Er hat eine andere Art der Öffentlichkeitsarbeit als ich“, sagt der Routinier über den Bundesliganovizen. Soll heißen: Anders als bei ihm früher tröpfeln heute schon mal Details über geplante Vertragsabschlüsse in die Öffentlichkeit. Das ist bisweilen der taktischen Plauderlaune vieler Spielerberater geschuldet, die ihre Klienten mit gestreuten Informationen interessanter und gerne auch teurer machen wollen - mitunter ist aber auch Hübner im Spiel. Bruchhagen sieht ihm das nach, zu groß ist der Respekt vor dessen Einsatz für die Eintracht. Der mündete vor der Aufstiegssaison 2011/2012 in der Verpflichtung von acht neuen Spielern, namentlich: Schildenfeld, Anderson, Idrissou, Hoffer, Friend, Matmour, Schmidt, Abu.

          Im Winter kamen noch Amedick und Butscher hinzu. Vor der neuen Spielzeit, jetzt wieder in der ersten Liga, sieht die Bilanz so aus: Trapp, Celozzi, Aigner, Inui, Lanig, Oczipka, Occean, Demidov. Unter all den Neulingen sind viele bemerkenswerte Verpflichtungen, aber auch wenig nachhaltige Geschäfte wie in den Fällen Schmidt, der beinahe unbemerkt wieder verschwunden ist, Abu, der vom allzu kurzzeitigen Kooperationspartner Manchester City quasi nur zum Trainieren nach Frankfurt abgegeben worden war und aus dem eben kein hoffnungsvoller Eintracht-Profi wurde, oder wie bei Rob Friend, der nie eine wichtige Rolle spielte, dem Verein aber jetzt bis 2014 auf der Tasche liegt. Aber Fehlgriffe gehören zum Geschäft, Hübners Gesamtleistung schmälern sie nicht. Außerdem ist die Arbeit nicht zu Ende. Hübners Werk ist noch unfertig - die Fortsetzung soll in Feldkirchen folgen.

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