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Eintracht Frankfurt : Der Comeback-Meister

  • -Aktualisiert am

Keine falsche Bescheidenheit: Sonny Kittel zieht sich auch im Duell mit Weltmeister Mario Götze achtbar aus der Affäre. Bild: Heiko Rhode

Eintracht-Profi Sonny Kittel steht wieder mal vor einem Neuanfang. Der Offensivspieler will über das Saisonende hinaus bleiben: „Ich bin ein Frankfurter Junge.“

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          Ein anderer Mensch ist Sonny Kittel nicht geworden. Der hochbegabte, Frankfurter Offensivspieler, der jüngst wieder – wohl hauptsächlich des Wortspiels wegen – als „Sonny-Boy“ der Eintracht bezeichnet wurde. Der tatsächlich gerne lächelt. Der aber ein zurückhaltender Typ ist. Der positiv denkt und versucht, das Gute zu sehen. Und der von klein auf gelernt hat, sich durchzusetzen, ein Kämpfer zu sein. Diese Eigenschaft braucht der gebürtige Gießener auch, weil er auf eine außergewöhnlich harte Probe gestellt wurde. Zwei Kreuzbandrisse und zwei Knorpelschäden an beiden Knien musste er in den zurückliegenden Jahren überwinden – für einen erst 23 Jahre alten Fußballprofi ist das eine unglaubliche Leidensgeschichte. Die Rückschläge kosteten ihn Kraft. Und sie beeinflussten Kittel – zwangsläufig – in seinem Denken und Handeln.

          Heute sieht der ehemalige Junioren-Nationalspieler die Dinge gelassener. Er setzt sich selbst weniger unter Druck. „Wenn etwas nicht funktioniert, mache ich mich nicht mehr so verrückt“, sagt er. Kittel hat in geballter Form erleben müssen, dass es viel Schlimmeres gibt. Seine Leidenszeit, die immer wiederkehrende Rolle, zum Pechvogel zu werden, ließ ihn reifen. Ihn, den Comeback-Meister. Jede Hürde mit Willenskraft aufs Neue genommen zu haben bestärkte Kittel darin, den Durchbruch in Frankfurt doch noch schaffen zu können. „Ich glaube an meine Stärken“, sagt er. Ihn hält der neue Trainer Niko Kovac für einen „begnadeten Fußballer“, einen mit „außerordentlicher Qualität. Sonny setzt die Dinge im Training sehr gut um“, lobt Kovac das Eigengewächs, das schon 2010 mit 17 Jahren in der Bundesliga debütierte. Trotzdem hört sich der Trainer an, als hätte er für das Heimspiel an diesem Samstag (15.30) gegen Hoffenheim „nur“ die Jokerrolle für Kittel parat. „Wir müssen vorsichtig sein.“ Bei dessen Verletzungspech – Kittel musste sich vielen Operationen unterziehen – „wollen wir dem Jungen keinen Rückschlag zumuten“, sagte Kovac.

          Kittel arbeitete immer mehr als normales Pensum

          Beim 0:1 in München ersetzte Kittel von der 64. Minute an den enttäuschenden Änis Ben-Hatira. Der Trainer traf eine gute Wahl. Sein Einwechselspieler belebte das Angriffsspiel im Duell mit dem Rekordmeister. „Ich versuche, schnell ins Spiel zu kommen.“ Kittel ordnete seinen Auftritt als „ganz in Ordnung“ ein. Seine Leistung überbewerten würde er nie. Das verbietet ihm seine selbstkritische Haltung. Um mit sich zufrieden zu sein, muss bei ihm „vieles zusammenkommen“. Kittel müsste ein Tor erzielen, Chancen kreieren, gute Pässe spielen. Und er will seinen Mitspielern eine Hilfe sein.

          Das volle Programm für einen, der erst seit Anfang Januar wieder komplett mit der Mannschaft trainiert. Im Spätherbst hatte Kittel auf dem Weg zurück in den regulären Trainingsbetrieb kürzertreten müssen. Kolportiert wurde ein abermaliger Knorpelschaden. Doch das stimmte nicht. Aufgrund einer Überbelastung seines rechten Wadenbeins musste er nur mit dem Training aussetzen. Er fuhr zur Reha nach Donaustauf. Nachdem er in diesem Jahr bei den Test- und anfänglichen Ligaspielen nur Zuschauer war, wechselte ihn der ehemalige Trainer Armin Veh dann Ende Februar gegen Schalke 04 (0:0) für einige Minuten ein. Das war die Belohnung für Kittel und dessen unbeugsame Rückkehrermentalität. Er sprach von einem „unbeschreiblichen Gefühl“, seinen Namen in der WM-Arena zu hören und dort wieder auf dem Platz zu stehen. Davor hatte er seinen letzten Bundesliga-Einsatz im Mai 2015 in Bremen.

          Kittel arbeitete schon immer über das normale Pensum hinaus an sich. Er absolviert zusätzliche Kraftübungen zur Stärkung seiner Muskulatur. Seine Enttäuschung darüber, trotzdem „diese Rückschläge erlitten“ zu haben, kann er deshalb nicht verhehlen. An seinem Fleiß hat sich jedoch nichts geändert. Der wird auch von Kovac honoriert, der selbst nichts dem Zufall überlässt. Kittel schätzt die detaillierte und abwechslungsreiche Arbeitsweise des neuen Trainers. „Es geht bei uns um Ordnung und sehr viel Disziplin“, sagt Kittel. Kovac fordert von seinen Spielern, mehr aus den „kleinen Chancen“ zu machen. In der Offensive sei man auch „auf Ästheten angewiesen“, sagt er. Für diese ansehnliche Rolle böte sich Kittel an. Sein Vertrag endet im Sommer. Die Gespräche laufen. Er würde gerne bei der Eintracht bleiben: „Ich bin ein Frankfurter Junge.“ Und was meint die Eintracht? „Ich denke, sie will mich behalten.“

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