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Eintracht Frankfurt : Der Charly Körbel von Bordeaux

  • -Aktualisiert am

Weitgereist: Gernot Rohr. Bild: dapd

Gernot Rohr kennt beide Seiten: Er war Manager bei Eintracht Frankfurt, Spieler und Trainer bei Girondins. In der Europa League sieht er die Hessen in der Favoritenrolle.

          2 Min.

          Wenn die Frankfurter Eintracht am Donnerstagabend (19 Uhr) gegen Girondins Bordeaux in die Gruppenphase der Europa League startet, wird auch er ganz genau hinschauen. Gernot Rohr, geboren in Mannheim, ist ein Stück Girondins Bordeaux, vergleichbar mit Charly Körbel bei der Eintracht. Zwischen 1977 und 1989 hat Rohr 369 Spiele für den französischen Erstligaklub bestritten. Danach war er von 1989 bis 1998 Jugend- und Cheftrainer der Girondins. „Bordeaux ist meine Heimat“, sagt der 60 Jahre alte Fußball-Lehrer, der seit mehr als 30 Jahren die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Seinen Hauptwohnsitz hat Rohr in Lège-Cap-Ferret an der Bucht von Arcachon, nicht weit von Bordeaux. Dort ist er seit einem Vierteljahrhundert Inhaber eines Hotels. In diesen Tagen ist Rohr gerade wieder einmal zurückgekehrt in die eigenen vier Wände. Nach wie vor nämlich ist er als Trainer aktiv. Seit September des letzten Jahres betreut er die Nationalmannschaft des afrikanischen Staates Niger, zuvor hatte er Gabun bis ins Viertelfinale des Afrika-Cups geführt. In Frankreich hatte er neben Bordeaux unter anderen auch OGC Nizza, US Créteil und den FC Nantes betreut, in Österreich arbeitete er für Red Bull Salzburg, in der Schweiz für Young Boys Bern.

          Rohr, in Deutschland für den SV Waldhof Mannheim, Bayern München und die Offenbacher Kickers als Spieler am Ball, hat auch eine Frankfurter Vergangenheit, wenn auch eine kurze. In der Saison 1998/99 war er von 1. Oktober an Manager bei der Eintracht, allerdings mit eher bescheidenem Erfolg. Den Frankfurter Fans ist er hauptsächlich durch den Rauswurf des so beliebten Trainers Horst Ehrmantraut in unangenehmer Erinnerung geblieben. Gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Rolf Heller hatte Rohr danach Reinhold Fanz als Trainer geholt, was sich als Fehlentscheidung herausstellte. Schon Ende April 1999 trennten sich Rohr und die Eintracht wieder, Jörg Berger konnte den Verein in einem dramatischen Finale noch vor dem Abstieg retten. Die Erinnerungen an Frankfurt dürften also nicht besonders schön sein. Dennoch hat Rohr sich gefreut, als die Auslosung der Europa-League-Gruppenphase die Eintracht mit Girondins Bordeaux zusammenführte. Der Präsident der Girondins, Jean-Louis Triaud, hat ihn eingeladen, die Reise nach Frankfurt mit anzutreten. Rohr will sich ganz kurzfristig entscheiden. „Vielleicht komme ich ja mit, es wäre jedenfalls schön, ein paar alte Bekannte zu treffen“, sagt er.

          Ein wenig Tristesse

          Am letzten Freitag hat er sich das Spiel von Girondins gegen den Titelanwärter Paris St-Germain im Stadion angeschaut. „Die erste Halbzeit war gar nicht so schlecht, aber dann ist es rapide bergab gegangen“, sagt er. Am Ende verlor Bordeaux mit 0:2. Es seien schwere Zeiten für seinen ehemaligen Klub, sagt er. Das Geld ist knapp geworden. Wichtige Spieler sind gegangen. Girondins sei auf dem „absteigenden Ast“. Das unterscheide den Klub aktuell sicher von der Eintracht. „Da geht es aufwärts“, sagt Rohr. „Selbstverständlich“ verfolge er den Weg seines ehemaligen Klubs ganz genau. Bordeaux sei noch „auf der Suche nach einer guten Form“, glaubt er, „sie haben viele junge Spieler, die sich noch nicht an den Rhythmus des Spiels gewöhnt haben“. Vor allem aus diesem Grund sei die Eintracht sicher leicht favorisiert, auch weil die deutsche Bundesliga längst „viel stärker“ sei als die französische Ligue 1.

          In Bordeaux herrsche rund um den Traditionsverein ein wenig Tristesse. Die ganz großen Zeiten seien vorbei, nachdem der Hauptsponsor die Zuwendungen gekürzt und den Klub zum Sparen aufgefordert habe. „Die Begeisterung für die Europa League ist nicht so hoch“, sagt Rohr, „wäre das Spiel jetzt in Bordeaux, kämen höchstens 20000 Zuschauer.“ In Frankfurt werden es mehr als 45 000 sein. Die Euphorie könne die Eintracht weit tragen in Europa, so seine Einschätzung: „Sie haben eine gute Chance, die Gruppe zu überstehen.“

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