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Eintracht Frankfurt : Der Alte hat Lust auf das Neue

„Wenn wir gewinnen, ist alles gut“: Kevin Trapp fliegt mit klaren Vorstellungen zum Europa-League-Spiel gegen FK Qarabag Agdam. Bild: picture alliance / dpa

Kevin Trapp kommt nach seiner Verletzung immer besser in Schwung. In der Europa League will er sich nun belohnen. Der Torwart ist gespannt, was die Eintracht in Aserbaidschan erwartet.

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          Kevin Trapp hat Lust auf ein Abenteuer. In Aserbaidschan, sagt der Torwart der Eintracht, war er noch nie, auch nicht mit der U-21-Nationalmannschaft. „Keiner von uns weiß genau, was uns da erwartet“, berichtete der Frankfurter Schlussmann am Dienstag nach dem Vormittagstraining an der WM-Arena, „aber wir freuen uns drauf, auch weil wir ein Jahr darauf hingearbeitet haben.“ Kurz danach erhielt er von Teambetreuer Christoph Preuß wie alle Kollegen weitere Infos zum Trip ans Kaspische Meer, dann stand eine kurze Abschlusseinheit auf dem Program, ehe alle Spieler nach Hause fuhren, um ihre Taschen zu packen. An diesem Mittwoch, kurz nach dem Sonnenaufgang, trifft sich das Team am Stadion, um per Bus gemeinsam zum Flughafen zu fahren und um acht Uhr per Chartermaschine den 4000-Kilometer-Flug nach Baku anzutreten. Trapp sagte vor der Reise ins Ungewisse: „Endlich geht es los. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir es zu Recht geschafft haben und uns belohnen.“ Er selbst will seinen Teil dazu beitragen. „Für mich wäre es natürlich super, wenn wir das Spiel zu null gewinnen“, formulierte er seinen Wunsch. „Aber wenn wir ein Gegentor fressen und zwei, drei schießen, dann ist es auch okay. Wenn wir gewinnen, ist alles gut.“

          An diesem Donnerstag kann die Eintracht im Tofik-Bachramow-Stadion gegen FK Qarabag Agdam den Grundstein zum Erreichen der Europa-League-Gruppenphase legen (Anstoß: 18 Uhr MESZ, live im Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks). Fans der Eintracht - interne Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu Tausend in Aserbaidschan dabei sein werden - sind teilweise schon seit Wochenbeginn per Bus unterwegs; gesteuert von drei Fahrern, die sich abwechseln, um mit so wenigen Stopps wie nötig das Ziel zu erreichen. Für Trapp ein Hinweis, wie sehr Verein und Anhang seit dem letzten internationalen Auftritt im Herbst 2006 auf diese Gelegenheit gewartet haben: „Es ist ein Ereignis, mit dem bis vor kurzem niemand rechnen konnte. Überall ist eine gespannte Erwartung zu spüren.“

          Jung wird nicht mitkommen können

          Sportlich sieht er die Eintracht trotz des misslungenen Bundesligastarts mit null Punkten aus zwei Spielen auf einem Weg, der mehr Chancen als Risiken verspreche. „Natürlich waren die beiden Niederlagen nicht angenehm, aber wir haben aus den Fehlern beim 1:6 gegen Hertha die richtigen Lehren gezogen.“ Und er fügte an: „Wir dürfen uns nicht verrückt machen und in Panik ausbrechen.“ Vor allem die Defensivarbeit sei zuletzt verstärkt geübt worden, und erste sichtbare Fortschritte habe es gegen den FC Bayern ja auch gegeben: „Wir standen hinten viel sicherer“, meinte Trapp. Was auch damit zu tun hatte, dass er von Beginn an wesentlich besser zurechtkam als bei seinem Comeback in der Hauptstadt. Ein halbes Dutzend Gegentreffer musste Trapp bis dato in seiner Profikarriere noch nie hinnehmen. „Das war nicht besonders schön.“ Und dennoch habe er nach dem Abpfiff in Berlin auch das „gute Gefühl“ verspürt, „endlich wieder in Pflichtspielen auf dem Platz zu stehen“. Trapp hatte sich Mitte März beim Dreh eines Werbefilms für den Deutschen Fußball-Bund einen Mittelhandbruch zugezogen. Wegen der Verletzung musste er vier Monate kürzertreten, erste Anlaufschwierigkeiten beim Wiedereinstieg waren in den Testpartien der Vorbereitung unübersehbar. „Jetzt aber“, sagte Moppes Petz, der Torwarttrainer der Eintracht, „ist Kevin Trapp wieder der Alte.“ Seine Paraden gegen die Bayern, als er mit sehenswerten Reflexen gegen Dante und Schweinsteiger jeweils einen höheren Rückstand verhinderte, seien „für den Kopf eine super Sache gewesen“, betonte Petz; sie hätten Trapps Selbstvertrauen aufgebaut. In Berlin war noch fast jeder Schuss auf sein Tor ein Treffer - freilich auch, weil die Angreifer, ohne nennenswerten Widerstand der Hessen, frei zum Abschluss kamen.

          Zu Stärken und Schwächen des kommenden Gegners äußerte sich Trapp nur zurückhaltend; weil ihm die Informationen fehlten. Am vergangenen Wochenende war Ralf Weber, der ehemalige Frankfurter Kapitän und heutige Chefscout des Klubs, schon als Beobachter vor Ort. Mit seinen Eindrücken vom 2:0-Sieg des FK Qarabag Agdam, dem Tabellenführer der Premyer Liqa, gegen Khazar Lankaran sowie Videomaterial will das Trainergespann die Frankfurter Profis an diesem Mittwochabend im Teamhotel einstimmen. Trapp sagte vorab nur: „Wir alle betreten Neuland. Wer erwartet, dass wir da hinkommen und die anderen aus dem Stadion schießen, sollte besser ein bisschen vorsichtiger sein.“ Peter Fischer, Präsident der Eintracht, hatte sich zuvor in einem Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk ungleich optimistischer geäußert: „Qarabag hat in etwa unteres Zweitliganiveau. Von daher sage ich: Wir kommen weiter, Punkt.“

          Sebastian Jung wird den Trip nach Vorderasien wahrscheinlich als einziger Stammspieler nicht mit antreten. „Das wird wohl nichts“, sagte Trainer Armin Veh. Wegen einer Adduktorenverletzung fiel der Rechtsverteidiger schon gegen München aus, am Dienstag verließ er abermals vorzeitig den Trainingsplatz. Auch ein Einsatz an diesem Sonntag bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig scheint in Gefahr. Als Ersatz steht wieder Stephan Schröck bereit.

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