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Eintracht Frankfurt : Der defensive Eintracht-Notnagel

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Dauerläufer, Stratege, Spielgestalter: Makoto Hasebe ist seit Jahren einer der besten und verlässlichsten Eintracht-Profis. Bild: dpa

Eigentlich spielt Makoto Hasebe lieber im Mittelfeld. Aber Trainer Veh braucht Verstärkung in der Abwehr. Also wird der Japaner rechter Verteidiger – ohne zu murren.

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          Jetzt bloß kein falsches Wort sagen. Also überlegte Makoto Hasebe einen Moment aufgrund der „schweren Frage“ von Eintracht-Medienchef Markus Jestaedt. Dann antwortete der Japaner in Diensten der Frankfurter: „Ich spiele lieber rechts in der Verteidigung als im Mittelfeld.“ Wie bitte? Da hat der Einunddreißigjährige im Beisein von mehreren tausend Eintracht-Fans aber geflunkert. Das war ihm auch anzusehen.

          Denn Hasebe grinste, als er am Sonntag auf der Bühne auf dem Trainingsplatz vor der Weltmeisterschaftsarena stand. Und es vergingen nur ein paar Sekunden, bis der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft bei der launigen Teampräsentation anmerkte, dass er natürlich beide Positionen spielen könne. Die andere ist die des „Sechsers“ im Mittelfeld. Und das ist in Wahrheit seine Lieblingsposition. Das hat Hasebe vor drei Wochen auch so gesagt. Doch nun muss er seine eigenen Interessen hintenanstellen. Deshalb die verzeihliche Notlüge.

          Hasebe nicht torgefährlich genug

          Wenn die Eintracht am kommenden Samstag in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde beim Bremer SV ( fünfte Liga) in die neue Saison startet, wird Hasebe aller Voraussicht nach Rechtsverteidiger spielen. Diese Position ist aktuell wohl die größte Frankfurter Baustelle. Schließlich soll Timothy Chandler erst in dieser Woche in das Mannschaftstraining einsteigen. Er nahm mit der amerikanischen Nationalmannschaft im eigenen Land am „Gold Cup“ (die Meisterschaft von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik) teil.

          Nach einer Saison in Frankfurt, in der Chandler nur durchwachsene Leistungen gezeigt hatte. Und Aleksandar Ignjovski und Slobodan Medojevic, die beiden anderen Kandidaten für die Rechtsverteidigerposition, konnten bei Trainer Armin Veh offenbar sportlich keine Ansprüche anmelden. Hasebe hingegen vertraut der Coach – auch aus Erfahrung. „Er kann das.“ Als Veh den VfL Wolfsburg trainierte, musste Hasebe schon einmal hinten rechts aushelfen. Das wird er jetzt wieder ohne zu murren machen. Und das, obwohl Hasebe andere Pläne hatte. Im Mittelfeld wollte er seine Chefrolle stärken: mit großer Präsenz. Und mit Erfolgserlebnissen für sich und die Mannschaft.

          Hasebe ist nicht torgefährlich genug. Seinen letzten von insgesamt nur fünf Bundesligatreffern erzielte er am 19. August 2011, vor fast vier Jahren also. Doch momentan ist Hasebe Veh an anderer Stelle wichtiger. Zumal jetzt Stefan Reinartz der Stratege im Frankfurter Mittelfeld ist. Am Neuzugang aus Leverkusen schätzt der Trainer dessen Ball- und Passsicherheit, „die zu Toren führen“. Außerdem baut Veh auf die Defensivstärke des Sechsundzwanzigjährigen. Als zweiter „Sechser“ könnte Hasebe allerdings auch an der Seite von Reinartz spielen.

          Für Meier ist Veh der perfekte Trainer

          Veh kennt die Vorstellungen von Hasebe. Sie haben darüber gesprochen. Notnagel hin oder her: Der aus dem Ort Fujieda in der Präfektur Shizuoka stammende Japaner will sich in der Defensive auf der Außenbahn bewähren. Das ist der fleißige Profi auch seinem Pflichtbewusstsein schuldig. Seine Eigenschaft, selbstkritisch zu sein, hat sich Hasebe bewahrt. Beim 3:2 am Sonntag gegen seine Landsleute vom FC Tokyo im finalen Testspiel bemängelte er seine Unentschlossenheit. Hätte er die Abwehrarbeit konsequenter verrichtet, wären die Japaner nicht 1:0 in Führung gegangen – Hasebe hatte kein Problem, das zuzugeben.

          Auf eines hingegen ist bei ihm Verlass: Ein oder zwei gute Flanken gelingen ihm immer. Diesmal profitierte Haris Seferovic davon, der kurz vor der Pause auf 1:2 verkürzte. Veh lässt die Außenbahnspieler sehr offensiv agieren. Hasebe bereitet das Spaß. Wie Stefan Aigner, der vor dem Japaner auf der rechten Seite spielt, das Zusammenwirken mit Hasebe Freude macht. Dessen Vorwärtsdrang und Schnelligkeit gefallen Aigner. Er wird zur zusätzlichen Anspielstation, wenn er dem Japaner den Weg frei macht und nach innen drängt. Damit wird das Spiel der Eintracht variabler. Bis Teamkollege Chandler zurückkommt, wird sich an seiner Aufgabe als Rechtsverteidiger nichts ändern, davon ist Hasebe überzeugt. Nur was passiert, wenn der Japaner auf seiner neuen, alten Position prima zurechtkommen wird? Dann kann sich Hasebe durchaus vorstellen, dass ihn Veh weiter auf der rechten Abwehrseite einplanen wird. So hätte Hasebe zumindest seinen Stammplatz sicher.

          Wann Veh wieder mit Alexander Meier rechnen kann, ließ der Torjäger derweil am Sonntag offen. „Es ist ganz schwer zu sagen. Vier Monate sind noch nicht mal rum.“ Der neue Kapitän verwies darauf, dass nach seiner Operation an der Patellasehne bei ihm eine Genesungszeit von sechs Monaten veranschlagt worden war. „Und mein Knie kann ich nicht austricksen“, sagte er. Der Bundesliga-Torschützenkönig absolviert seine Reha-Einheiten aktuell abwechselnd in Neu-Isenburg und in der Schweiz in Basel. Dort war er auch operiert worden. Ihn auf dem Platz als Kapitän vertreten wird Marco Russ. „Er weiß ganz genau, was auf ihn zukommt“, sagte Meier. Für ihn, das verriet er auch, ist Veh der perfekte Eintracht-Trainer. „Das Beste, was der Eintracht passieren konnte.“ Der Trainer und er hätten ein „super Verhältnis“.

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