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Eintracht Frankfurt : Das Puzzle fügt sich zusammen

Alles unter Kontrolle! Armin Veh hat Stefan Aigner im Griff. Bild: Heiko Rhode

Sam ist schon der fünfte Zugang – Veh sieht die Eintracht bei der Neuausrichtung auf gutem Kurs. Sein Vertrag enthält einen Bonus für die Champions League.

          Die Eindrücke der ersten Arbeitstage täuschen nicht. „Ich freue mich, dass ich da bin.“ Armin Veh fühlt sich „frischer. In der Auszeit brauchst du keinen Plan. Es ist ein Luxus, an nichts denken zu müssen“, sagte er am Montag im Neustifter Mannschaftsquartier. Auszeit? Das war einmal. Die Gegenwart heißt Eintracht Frankfurt, und der Trainer ist froh, „dass sich der Verein entwickelt und Dinge vorangetrieben hat. Früher hatten wir mehr Defizite.“ Wer in diesen Tagen im Tiroler Stubaital das Team bei dessen einwöchigem Trainingscamp beobachtet, sieht Veränderungen.

          So ist es dem Bundesligaklub gelungen, schon vier Neuzugänge für die kommende Saison unter Vertrag zu nehmen. Der Fünfte ist im Anmarsch. Veh ist zwar vorsichtig, weil es noch nicht offiziell als fix verkündet wurde, hält es aber für vorstellbar, dass der bei Schalke 04 in Ungnade gefallene Sidney Sam schon an diesem Dienstag auf seine neuen Kollegen trifft. Grundsätzlich sagte der 54 Jahre alte Coach in einer ersten Bestandsaufnahme seit dem Trainingsstart am 1. Juli: „Wir haben eine ordentliche Mannschaft. Ich glaube, es passt ganz gut. Es sind gute Typen.“ Ein konkretes Saisonziel wollen die Verantwortlichen nicht ausgeben, doch der Optimismus ist groß. „Wenn wir internationale Plätze erreichen, bekommt Herr Veh eine Prämie – und ich auch“, verriet Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

          Bruchhagen: Dritte Liga hat immens gute Qualität

          Die Sehnsucht nach der Rückkehr in die Europa League ist groß. Selbst ein Champions-League-Bonus ist in Vehs Vertrag verankert. „Das steht mit Sicherheit drin, aber wir sind natürlich keine Phantasten“, sagte der Trainer. Veh nimmt sich während der täglich zwei zu absolvierenden Trainingseinheiten viel Zeit, um seine Spieler zu beobachten. „Alle sind sehr bemüht, aber es sind auch große Unterschiede da.“ Sie betreffen vor allem die jugendlichen Kräfte der Eintracht, die Veh behutsam heranführen will. So hält er es für sinnvoll, einigen von ihnen Spielpraxis in einer unterklassigen Liga zu geben. Bruchhagen findet Gefallen an diesem Modell. „Die Dritte Liga hat eine immens gute Qualität“, sagte er. „Die jungen Spieler werden dort gefordert.“

          Gefordert werden, das soll Vaclav Kadlec bei den Profis. Nachdem sich ein Wechsel nach Dänemark endgültig zerschlagen hat, setzt Veh auf den stürmischen Tschechen. „Kadlec bleibt hier bei der Eintracht“, bestätigte der Coach. Wer sich das Personaltableau anschaut, das durch die Rückkehr der noch urlaubenden und verletzten Profis an Größe zunehmen wird, stellt schnell fest: Es sind viele Bewerber, die um die wenigen Plätze in der Startelf streiten. Für Veh ist das eine erfreuliche Situation. „Bei uns ist jede Trainingseinheit, jedes Spiel ein Wettbewerb.“ Unverändert geblieben ist Vehs Anspruch, „attraktiven Fußball zu spielen. Wer zur Eintracht kommt, muss wissen, was wir wollen.“ Auch das Kurzpassspiel hat wieder Konjunktur und erlebt in Frankfurt nach dem einen Thomas-Schaaf-Jahr seine Renaissance. Mehr als zwei Ballkontakte sind im Stubaitaler Trainingsbetrieb nicht erlaubt. Veh hält dadurch das Tempo, die Konzentration und Laufbereitschaft hoch. Seine Spieler müssen antizipieren und agieren.

          Ungewissheit über Alexander Meier

          Dafür gibt es Lob. Zum Beispiel für Stefan Reinartz, „den ich schon vor fünf Jahren beim Hamburger SV haben wollte“. Ein flexibler, variabler Spieler, der nicht nur vor der Abwehr, sondern auch in der Innenverteidigung spielen kann. Dort also, wo sich Marco Russ, David Abraham und Carlos Zambrano um die zwei freien Plätze streiten. Der verletzte Bamba Anderson wird wegen seines Knorpelschadens längerfristig nicht zur Verfügung stehen. Wegen Reinartz‘ Vielseitigkeit sieht die Eintracht auch keine Veranlassung, mit Macht einen weiteren Innenverteidiger unter Vertrag zu nehmen. „Ich brauche drei Gute“, sagte Veh. Die hat er schon in seinem Kader. Alexander Madlung lehnte das ihm unterbreitete Angebot ab, wie Veh am Montag bestätigte.

          Der Trainer lässt sich aber auch auf Experimente ein. So darf sich in diesen sonnigen Tagen in den Tiroler Bergen Slobodan Medojevic auf ungewohntem Posten rechts hinten beweisen. „Dass er auf der Sechs spielen kann, weiß ich ja“, sagte der Eintracht-Trainer. „Also stelle ich ihn einfach mal als Rechtsverteidiger auf.“ Bisheriges Ergebnis: „Er macht das richtig gut.“ Ordentlich aufgestellt sieht Veh seine Mannschaft in der Offensivabteilung, in der der Niederländer Luc Castaignos „sowohl über links kommen, aber auch zweite Spitze spielen kann“, wie der Fußballlehrer nach den ersten Eindrücken über den 22 Jahre alten, aus Enschede zur Eintracht gekommenen Angreifer sagte. „Er hat eine gute Geschwindigkeit.“

          Dass es mit dem Genesungsprozess von Alexander Meier vorangeht, weiß Veh aus regelmäßigen Telefongesprächen. „Alex ist sehr fleißig. Er arbeitet jeden Tag in der Reha, denn er will schnell wieder spielen. Er ist heiß.“ Doch der Bundesliga-Torschützenkönig wird sich gedulden müssen. Immerhin: Veh sagte, „dass es vielleicht ganz gut wäre“, wenn sein einstiger Kapitän schon in das zweite Trainingslager vom 18. bis zum 26. Juli nach Windischgarsten mitkommen könnte. „Es ist aber noch nicht absehbar.“

          Wie auch nicht absehbar ist, ob sich im gut besetzten Sturm der noch in den Ferien sich erholende Paraguayer Nelson Valdez vielleicht nach einem neuen Klub umschauen muss. Und so ist Veh darauf fokussiert, bei der Eintracht „aus einem Puzzle ein richtiges Bild zu machen“. Passen muss es in ein paar Wochen.

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