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Frankfurter Fußballstreit : Eintracht kann mit 10.000 Fans planen

Das Frankfurter Stadion wird am Samstag wohl doch ein wenig voller werden, als vom hessischen Sozialministerium vorgesehen. Bild: dpa

Der Streit darüber, wie viele Zuschauer beim Testspiel der Eintracht gegen St.Ètienne im Frankfurter Stadion erlaubt sind, nimmt eine überraschende Wende: Das hessische Sozialministerium lenkt ein.

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          Eintracht Frankfurt darf das Vorbereitungsspiel der neuformierten Bundesligamannschaft am Samstag gegen den AS St. Ètienne im Waldstadion (Anstoß 15.30 Uhr) vor bis zu 10.000 Zuschauern absolvieren. Das Sozialministerium teilte am Dienstagnachmittag mit, es akzeptiere das entsprechende Votum des Frankfurter Gesundheitsamts; dieses entscheide in eigener Verantwortung.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Man gehe davon aus, dass der Bescheid des Gesundheitsamtes bestehen bleibe, hatte zuvor schon Eintracht-Justitiar Philipp Reschke der F.A.Z. gesagt. Es gelte daher die Regelung, dass mindestens die Hälfte der Zuschauer genesen oder zweimal geimpft sein müssten; die anderen müssen mit einem negativen Test nachweisen, nicht infektiös zu sein. Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen), der offenbar zunächst der „Klarstellung“ aus Wiesbaden widerwillig folgen wollte, teilte am Montagabend mit, dass es keinen Grund gebe, den Bescheid zu ändern.

          Frankfurt und die Eintracht gegen Hessen

          Wie berichtet, hatte sich das hessische Sozialministerium unter der Führung von Minister Kai Klose (Die Grünen) am Sonntag gegen eine Zuschauerzahl von 10.000 ausgesprochen und auf Leitlinien zwischen den Bundesländern verwiesen. Die Chefs der Staatskanzleien hatten Anfang Juli zur Durchführung von Großveranstaltungen in Sport und Kultur vereinbart, bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 zu erlauben, dass bis zur Hälfte der Zuschauerkapazität des Veranstaltungsortes genutzt werden kann, die Maximalzahl der Zuschauer jedoch auf 25.000 zu begrenzen ist. Über diesem Inzidenzwert liege die Grenze bei 5000 Zuschauern.

          Nach der Lesart des Ministeriums ist diese Grenze jedoch absolut, das heißt, Genesene und vollständig Geimpfte seien schon eingerechnet. Das Frankfurter Gesundheitsamt und Eintracht Frankfurt verstehen die Regelung jedoch anders, in dem Sinne, wie die meisten Corona-Beschränkungen formuliert sind: Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.

          Autonome Entscheidung

          In der Mitteilung des Frankfurter Gesundheitsdezernenten heißt es dazu, man habe sich, als 10.000 Zuschauer genehmigt worden seien, strikt an die Verordnung des Landes gehalten. Diese sehe vor, dass das Gesundheitsamt ausnahmsweise eine höhere Teilnehmerzahl als 1500 zulassen könne und dass geimpfte oder genesene Personen bei der Teilnehmerzahl nicht eingerechnet würden. Die Auslegungshinweise des Landes hätten keinen rechtsverbindlichen Charakter. Auch weil Eintracht Frankfurt angekündigt habe, derartige Entscheidungen rechtlich überprüfen zu lassen, benötige die Stadt eine belastbare Basis, um die infektiologisch begründete Entscheidung des Gesundheitsamtes zurückzunehmen, schreibt Majer weiter. Die genehmigte Zahl von 10.000 Zuschauern, von denen mindestens 5000 geimpft oder genesen sein müssen, bedeute lediglich eine zwanzigprozentige Auslastung des Stadions, zudem verteilten sich die Besucher auf eine große Fläche im Freien. Zusammen mit dem „sehr guten Hygienekonzept von Eintracht Frankfurt“ (es sieht unter anderem vor, die Zuschauer nach dem doppelten Schachbrettmuster zu platzieren) sei die Entscheidung, 10.000 Zuschauende zuzulassen infektiologisch vertretbar. Majer sagte, die Kommunen brauchten vom Land für dieses wie zukünftige Genehmigungsverfahren dringend Rechtsicherheit in diesen Fragen und „vor allem klare, verständliche Vorgaben“.

          Der Streit um die Zuschauerzahl und um das Eingreifen des Landes dürfte auch von Veranstaltern anderer Großevents, etwa dem Ironman, mit Spannung verfolgt werden. Eine Sprecherin des städtischen Gesundheitsdezernats hofft durch eine Klärung der Gesetzeslage auf mehr Planungssicherheit für die Veranstalter aus der Sport- und Kulturbranche. „Wir haben ihnen gegenüber eine Verantwortung“, sagte sie. Die Corona-Politik sehe Entscheidungsspielräume für die kreisfreien Städte und Landkreise vor, fügte sie hinzu. „Wenn diese eingeräumt werden, dann wollen wir auch, dass sie respektiert werden.“

          Kostenlose Tests für Ungeimpfte?

          Nachdem die Inzidenz in Frankfurt am Dienstag unter 35 gesunken war, hätte sich ohnehin keine rechtliche Handhabe mehr geboten. Zu den vielen offenen Fragen im Zusammenhang mit der neugefassten Corona-Verordnung gehöre, welcher Tag eigentlich entscheidend sei, sagte Eintracht-Justitiar Reschke: „Der Tag, an dem das Amt über die Veranstaltung entscheide oder der Tag der Veranstaltung?“ Eintracht Frankfurt plant, sollte der Bescheid noch kurzfristig geändert und die Zahl der Zuschauer auf 5000 beschränkt werden, unter anderem mit diesem Argument per Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht dagegen vorzugehen.

          Auch eine zweite Debatte sorgt aktuell für Aufsehen: Der Präsident der Bundesärztekammer hatte, ähnlich wie mehrere Politiker, gefordert, dass Ungeimpfte Corona-Tests aus eigener Tasche bezahlen sollen. Jürgen Graf, Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, hält nichts von dem Vorschlag. „Tests kostenpflichtig zu machen, führt zum Gegenteil dessen, was wir wünschen.“ Gerade in Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen seien die Infektionszahlen in der Regel sehr hoch. Müssten diese Menschen für Tests zahlen, würden in Summe weniger durchgeführt. „Damit würden wir nichts gewinnen, sondern nur verlieren“, sagte Graf, der auch Leiter des Planstabs stationäre Versorgung beim hessischen Gesundheitsministerium ist.

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