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Nach Schaafs Rücktritt : Bruchhagen gesteht Fehler ein

Einst unter dem Dach der Eintracht vereint, jetzt getrennt: Schaaf (links) und Bruchhagen im ersten gemeinsamen Trainingslager auf Norderney vor einem Jahr Bild: nordphoto

In einem Fernsehinterview hat Eintracht-Frankfurt-Chef Heribert Bruchhagen erstmals über zu wenig Anerkennung für Thomas Schaaf gesprochen. Das sei auch die Schuld des Vereins gewesen.

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          Das Eingeständnis kam spät, aber es kam: „Thomas Schaaf hat den Respekt und die Anerkennung, die er verdient gehabt hätte, nicht bekommen“, sagte Heribert Bruchhagen am Sonntag in der Fernsehsendung „Doppelpass“ von Sport1. „Das ist auch unsere Schuld“, fügte der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht an. „Sicherlich hätte ich im internen Zirkel etwas mehr korrigierend eingreifen können.“

          Der 54 Jahre alte Schaaf hatte den Fußball-Bundesligaklub in der vergangenen Woche trotz eines noch laufenden Vertrages nach nur einem Jahr wieder verlassen, weil er seine Arbeit in Frankfurt nicht ausreichend gewürdigt sah. „Die Mannschaft hat klar gemacht, dass sie mit Thomas Schaaf weiterarbeiten wollte“, sagte Bruchhagen: „Und der Aufsichtsrat auch.“

          In den Eintracht-Gremien hatte es gegrummelt, weil man sich trotz vermeintlicher Treueschwüre in der Beurteilung des Trainers nicht immer einig gewesen war, wie dies auch in der am Donnerstag verschickten Pressemitteilung 53/2015 „Kein Machtkampf bei Eintracht Frankfurt“ zum Ausdruck kam.

          Gespräche mit mehreren potentielle Nachfolgern

          „Thomas Schaaf hat alle Bedingungen erfüllt“, sagte Bruchhagen noch einmal vor dem Fernsehpublikum. „43 Punkte sind ein Ergebnis, von dem wir vor der Saison nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Thomas hat in hervorragender Weise junge Spieler herangeführt. Es passte eigentlich alles.“ Als Nachfolger sind nach wie vor mehrere Kandidaten im Gespräch, darunter auch Andre Breitenreiter (SC Paderborn), Kosta Runjaic (1. FC Kaiserslautern), Tayfun Korkut (ehemals Hannover 96) und Schaafs Vorgänger Armin Veh.

          Der Vorstandschef der Eintracht äußerte sich kryptisch zu der Frage, wie lang denn die Liste in Frankfurt sei: „Die Zahl der Kandidaten ist eine Primzahl,“ sagte der frühere Studienrat Bruchhagen. Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl, die nur durch eins und durch sich selbst ganzteilig teilbar ist. Nicht jeder in der Gästerunde verstand auf Anhieb, was der ehemalige Lehrer mit seinem Ausflug in die Zahlenwelt sagen wollte: Einer, zwei, drei, fünf, vielleicht sogar sieben Kandidaten, was aber eher unwahrscheinlich ist, könnten demnach auf einer Liste stehen, nach deren Auswertung ein idealer Nachfolger des zurückgetretenen Schaaf übrig bleiben soll.

          Möglichst schnelle Entscheidung

          Ob diese Rechnung so schnell aufgeht? Bruchhagen, der erste Mann der Eintracht Frankfurt Fußball AG, wünscht sich, ebenso wie der für die Vorauswahl und Gespräche zuständige Sportdirektor Bruno Hübner, einen möglichst kurzen Auswahlprozess: „Natürlich möchten wir die Entscheidung gerne zeitnah fällen. Wir sind auf einem guten Weg. Die Mannschaft muss ja geformt werden.“

          In den zurückliegenden Monaten hatte dies bei der Eintracht Schaaf getan, so gut er das konnte nach seiner relativ späten Verpflichtung. Gestalten aber kann ein Coach wohl nur, wenn er wenigstens zwei Jahre freie Hand hat. Dass sich Marc Stendera und Sonny Kittel in der Bundesliga etablierten, ist aber wohl auch Schaaf anzurechnen. Er hat die Verzahnung zwischen Nachwuchs-Leistungszentrum am Riederwald und der Profiabteilung forciert und trotz zahlreicher Verletzungen potenter Spieler ein ordentliches Ergebnis erzielt. Rang neun könnte mit Blick auf das kurzfristige Entwicklungspotential der Eintracht eine hohe Messlatte für den Nachfolger sein.

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