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Eintracht Frankfurt : Bremer Connection

  • -Aktualisiert am

Folgt dem Ruf des Trainers: Nelson Valdez, eine Bremer Entdeckung, bei seiner Vorstellung in Frankfurt. Bild: dpa

Nelson Valdez ist schon da, Hugo Almeida könnte bald folgen: Bei der Stürmersuche stützt sich die Eintracht auf die guten Erfahrungen ihres Trainers Thomas Schaaf.

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          Dreieinhalb Wochen vor dem Bundesligastart füllt sich der Kader der Frankfurter Eintracht. Am Dienstag stellte Sportdirektor Bruno Hübner den Paraguayer Nelson Valdez als neuen Stürmer vor und kündigte die „zeitnahe Verpflichtung“ eines weiteren an. Dabei könnte es sich um Hugo Almeida handeln – wie Valdez ein guter alter Bekannter von Trainer Thomas Schaaf aus Bremer Zeiten. „Ich habe sehr gut und sehr gerne mit Hugo Almeida bei Werder zusammengearbeitet. Wenn er sich bei der Eintracht anmelden wollte, würden wir sicher ein Formular für ihn finden“, sagte Schaaf am Dienstag. Allerdings fügte der frühere Bremer Trainer hinzu, dass das noch für andere frühere Spieler von ihm gelten würde.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Namen mochte der gutgelaunte Coach nicht nennen, doch sicher hat er seinen Sportdirektor informiert, wen er sich noch so bei der Eintracht vorstellen könnte. Hübner wollte am Dienstag nichts zu Kandidaten sagen, weil jede Nennung einen Transfer erschweren könnte. Für Almeida spricht, dass für ihn keine Ablösesumme zu zahlen ist, da Besiktas Istanbul seinen Vertrag nicht verlängerte. Der 30 Jahre alte portugiesische Nationalspieler, der bei der WM in Brasilien gegen Deutschland eingesetzt wurde, möchte sich jedoch im Gehalt nicht allzu deutlich verschlechtern. Was wiederum das Gefüge bei der Eintracht durcheinanderbringen würde. Britische Medien berichten, dass der Portugiese in der Türkei drei Millionen Pfund verdient hätte, was umgerechnet etwa 3,8 Millionen Euro wären, und von West Ham United, das an ihm interessiert sei, 2,5 Millionen Pfund (3,15 Millionen Euro) Jahresgage verlange.

          Reichhaltiges Lob vom Trainer

          Da kommt noch eine Menge Überzeugungsarbeit auf Schaaf und Hübner zu, bis Almeida reif für die Eintracht ist. Bei Nelson Valdez war das nicht nötig. Als der 30 Jahre alte Stürmer den Anruf seines früheren Trainers erhielt, war er sofort Feuer und Flamme: „Ich habe meinem Berater sofort gesagt, alle anderen Anfragen zurückzustellen. Ich wollte unbedingt hierher“, sagte Valdez bei seiner Vorstellung in der Frankfurter WM-Arena. „Er ist ein Trainer, der mich schon kennt und immer das Beste aus mir herausgeholt hat. Er ist einer der wenigen Menschen, denen ich meine ganze Karriere verdanke.“

          Schaaf hatte den jungen Südamerikaner in der A-Jugend des SV Werder entdeckt, ihn erst zu den Amateuren und dann zu den Profis geholt. Zwischen 2002 und 2006 bestritt der Stürmer 80 Bundesligaspiele für Bremen, erzielte dabei 21 Tore. 2004 gewannen Schaaf und Valdez das Double. Des Trainers Lob für seinen Spieler fällt ungewöhnlich reichhaltig aus: „Nelson ist ein mutiger Spieler, einer, der den Ball verteidigen kann, der ihn aber auch erkämpfen kann, wenn es darum geht, für das Team mitzuarbeiten. Aber er kann für uns auch Spiele entscheiden. Er ist ein sehr eifriger und gewissenhafter Spieler, der mit vollem Herzen bei der Sache ist.“

          In Abu Dhabi nicht richtig glücklich

          Dennoch erfolgte 2006 die Trennung. Valdez sah bei Borussia Dortmund bessere Chancen auf einen Stammplatz. In Bremen war die Konkurrenz mit Klose, Klasnic und Zidan groß gewesen. Für Valdez verpflichtete Werder dann Almeida. In vier Jahren Dortmund brachte es der Paraguayaner auf 113 Bundesligabegegnungen und 16 Tore. Damit waren die ruhigen Zeiten seiner Profikarriere erst mal vorüber. Bei seinen folgenden Vereinswechseln hatte er kein glückliches Händchen. Mit Hercules Alicante in Spanien stieg er ab, der Klub musste ihn aus finanziellen Gründen verkaufen – zu Rubin Kasan in die russische Liga. Dort lockte ihn bald ein Angebot des FC Valencia. Doch dem großen spanischen Klub ging das Geld aus, und er war froh, ihn zum Klub Al-Jazira nach Abu Dhabi transferieren zu können. Dort wurde er auch nicht glücklich: „Dort hat Fußball niemanden so richtig interessiert“, erinnert er sich. Das letzte halbe Jahr spielte Valdez auf Leihbasis bei Olympiakos Piräus. In zehn Spielen trug er sechs Tore zum Gewinn der griechischen Meisterschaft bei: „Das war positiv.“ Valdez sieht seine Wanderjahre nicht unbedingt als Nachteil an: „Das Wichtigste ist die Erfahrung, die man dabei sammelt: Verschiedene Länder, verschiedene Spielsysteme – ich hoffe, dass ich das jetzt in meine neue Mannschaft einbringen kann und mir diese Erfahrungen helfen.“

          Keine Ablöse für Valdez

          Die Frage wird jedoch sein, ob er nach den vielen Wechseln noch der Alte ist, ob er noch so spielt, wie man ihn aus der Bundesliga kennt. Schaaf ist sich da ganz sicher: „Hätten wir Zweifel, hätten wir Nelson nicht verpflichtet. Ich weiß, dass er sich mit der Aufgabe, die er bei der Eintracht übernommen hat, total identifiziert und alles dafür tun wird, dass wir gemeinsam Erfolg haben.“

          Valdez nannte als sein erstes Ziel in Frankfurt, sich möglichst schnell zu integrieren, was ihm keine Schwierigkeiten bereiten wird. Er spricht nach vier Jahren im Ausland immer noch fast perfektes Deutsch, und seine offene, sympathische Art macht es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen: „Für mich ist eine riesige Freude, noch einmal in die Bundesliga zurückzukommen. Ich hoffe und vor allem meine Frau wünscht sich: nicht mehr so viele Umzüge. Wir wollen mindestens die zwei Jahre hierbleiben“, sagt er. Ein finanzielles Risiko bedeutet seine Verpflichtung nicht für die Eintracht. Nach längeren Verhandlungen mit Al-Jazira musste die Eintracht laut Sportdirektor Hübner keine Ablöse zahlen.

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