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Eintracht Frankfurt : Boateng und das „eklige“ Spiel

Hat einen richtungsweisenden Plan: Frankfurter Mittelspieler Kevin-Prince Boateng muss sich am Sonntag gegen den Hertha BSC beweisen Bild: Jan Huebner

Kevin Prince Boateng kehrt am Wochenende dorthin zurück, wo alles angefangen hat: Am Sonntag spielt die Frankfurter Eintracht beim Berliner Hertha BSC. Für das Wiedersehen hat Boateng einen speziellen Plan.

          Zurück zu den Wurzeln, zurück nach Berlin. Dorthin also, wo alles begonnen hat. „Wo ich Profi geworden bin“, wie Kevin-Prince Boateng am Mittwoch sagte. Und wo Boateng an diesem Sonntag beim Wiedersehen mit Hertha BSC einen ganz speziellen Plan hat: „Hinfahren, drei Punkte holen, wieder nach Hause kommen.“ Dass die Eintracht, für die der 30 Jahre alte Boateng seit Saisonbeginn am Ball ist, auch im Berliner Olympiastadion an die zuletzt guten Auswärtsleistungen anknüpfen kann, gilt für den Frankfurter Anführer als ausgemacht. „Wir haben mehr Qualität in unserem Kader. Meine Familie freut sich schon darauf, mich wieder zu sehen, auch wenn ich nur für eine Nacht in der Stadt bin.“

          Der Boateng von damals und der Boateng heute – das lässt sich nicht mehr miteinander vergleichen, „denn seitdem sind doch eine Million Sachen passiert“, wie der Frankfurter Mittelfeldspieler sagte. „Ich bin reifer geworden.“ Und verständnisvoll. Dass er auch am Mittwoch dem Mannschaftstraining fern blieb, um sich „individuell“, wie es im Fußball-Jargon heißt, um Körper und Geist zu kümmern, ist Teil des Plans von Niko Kovac. „Der Trainer ist der Ansicht, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Also trainiere ich dafür, dass ich irgendwann bei 100 Prozent bin. Laufen, Radfahren, Krafttraining – alles, was Spaß macht“, sagte Boateng mit einem Lächeln.

          In Frankfurt einen Namen gemacht

          Boateng hat sich in Frankfurt schnell einen Namen gemacht. Sein Rat und seine Expertise sind bei den Mitspielern gefragt. „Und natürlich passe auch ich mich der Philosophie des Vereins an, wenn es heißt, das Klassenziel ist der Klassenerhalt.“ Andererseits „gucke ich trotzdem nach oben. Ich weiß aber auch, dass es schnell nach unten gehen kann.“ Derzeit ist die Eintracht Tabellenneunter in der Bundesliga. Eine Plazierung, die sich das Team von Trainer Kovac auch deshalb erarbeitet hat, „weil die Mannschaft zusammenhält. Jeder versucht für den anderen da zu sein und zu helfen“, sagte Boateng.

          Weitere Hilfe ist in Sicht, und der in Berlin geborene Boateng freut sich schon jetzt darauf, wenn der Mexikaner Marco Fabian und der Spanier Omar Mascarell wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. „Ich hoffe, dass es mit Omar schnell geht, denn wenn er als Sechser spielt, kann ich etwas weiter nach vorne gehen.“ Dieser Offensivdrang ist ihm bislang verwehrt. Boateng soll die Reihen vor der Abwehr schließen. Der Plan von Trainer Kovac sieht allerdings nicht vor, „dass ich Freistöße schieße. Ich kann das natürlich“, sagte Boateng selbstbewusst. „Aber ich darf es nicht. Ich soll hinten bleiben.“

          „Auf die Tabelle gucke ich nicht“

          Auch bei der schweren Auswärtsprüfung in Berlin wird Boateng zunächst und vor allem darauf konzentriert sein, mit seiner Spielintelligenz und seiner Erfahrung für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er weiß: „Hertha ist eklig zu bespielen – wie wir. Die hauen auch mal dazwischen.“ Dass die Berliner mit der Empfehlung eines 2:0-Auswärtssiegs beim 1. FC Köln in die Aufgabe gehen die Eintracht gehen, dürfte stimulierend und motivierend wirken. Boateng ist es letztlich egal. „In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen“, sagte er. „Und auf die Tabelle gucke ich nicht.“

          Boateng schaut lieber auf seine Nebenleute, von denen er Marius Wolf besonders in sein Herz geschlossen hat. Mit dem flinken Außenmann hat er abseits des Sports schon so manchen Ausflug unternommen. Mal wurde dies publik, meistens aber bewegte sich Boateng im Verborgenen. Wie es der 30-Jährige überhaupt am meisten schätzt, wenn er in Ruhe gelassen wird. „Am zufriedensten bin ich, wenn ich zu Hause bin und die Tür zu machen kann. Ich mag das Scheinwerferlicht nicht.“ Leuchten wird es trotzdem. In Kürze im Olympiastadion seiner Heimatstadt Berlin.

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