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Eintracht im Abstiegskampf : Bereit für das Wunder, Teil vier

  • -Aktualisiert am

Schon wieder ganz schön dynamisch: Aber Alex Meier soll in Bremen nur zum Einsatz kommen, falls die Eintracht in Not gerät. Bild: Jan Huebner

Alex Meier könnte spielen, Carlos Zambrano auch – für den Fall der Fälle. Eintracht-Trainer Niko Kovac ist vom Klassenverbleib in Bremen überzeugt: „Wir verteidigen, was wir haben.“

          Vor drei Wochen wäre die Nachricht von den Eintracht-Fans noch wie eine Erlösung aufgenommen worden: Alex Meier fährt mit zum Endspiel nach Bremen! Und zwar nicht als Maskottchen und Daumendrücker, sondern als Mann für den Notfall. Nach drei Siegen in Serie wird das Comeback des Torjägers als willkommene Ergänzung wahrgenommen – und nichts kennzeichnet treffender die Situation der Eintracht vor einem Spiel, das Werder-Aufsichtsrat Willi Lemke als das wichtigste der letzten 20 Jahre für seinen Klub ansieht. Die Lage in Frankfurt ist stabil. Ob nun Platz 15 durch einen Sieg oder ein Unentschieden im Weserstadion verteidigt wird oder ob nach einer Niederlage doch noch die Relegation gespielt werden muss: Trainer Niko Kovac vermittelt den Eindruck: „Uns bringt nichts aus der Fassung.“ Der 44 Jahre alte Kroate klebt dieser Begegnung anders als Lemke kein besonderes Etikett an: „Natürlich ist es wichtig, aber eigentlich ist jedes Bundesligaspiel wichtig.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Alex Meier wird nicht in der Startelf stehen. Das sagte Kovac zwar nicht wörtlich, aber ein Halbsatz nach einer verbalen Nebelkerze verriet ihn: „Alex ist eine Alternative. Vielleicht spielt er. Aber ich wäre froh, wenn er in den Urlaub geht, ohne gespielt zu haben.“ Das kann nur bedeuten, dass Meier nur eingesetzt wird, wenn er unbedingt gebraucht wird. Und das ist in der ersten Spielminute nicht der Fall. Denn beim Anpfiff steht die Eintracht auf Platz 15. „Das wollen wir verteidigen, mit allem, was wir haben. Und ich bin davon überzeugt, dass meine Mannschaft das auf den Platz bringt“, sagt Kovac.

          Kovac setzt auf Zambranos Cleverness

          Falls die Eintracht in Rückstand geraten sollte, käme Meier ins Spiel. Ob als Spitze oder dahinter ist offen. Kovac sagt: „Alex kann beides.“ Der Eintracht-Trainer machte sogar eine Andeutung über eine weitere Einsatzmöglichkeit: „Wenn es sein muss, muss Alex auch Innenverteidiger spielen. Mit seiner Länge kann er eine Menge wegholen.“ Meier ist die ganze Trainingswoche über schmerzfrei geblieben. Es mangelt ihm nur an Fitness und Ausdauer. Für eine halbe Stunde sollten die Kräfte jedenfalls reichen.

          Für fünf Minuten reicht es: Zambrano

          So lange wird Carlos Zambrano nicht mitspielen können. Der Peruaner flog nach dreiwöchiger Verletzungspause trotzdem mit nach Bremen. Kovac setzt auf die Erfahrung und die Cleverness des Nationalspielers. „Wir können ihn so gebrauchen, wie wir ihn gegen Darmstadt gebraucht haben.“ Da mischte Zambrano die letzten fünf Minuten mit. In seinem Fall reicht es Kovac, „wenn er einigermaßen laufen und gegen den Ball treten kann“. Für das Mannschaftstraining hat es während der Woche nicht gereicht.

          Der gefährliche Stürmer von Werder

          Der Eintracht-Trainer erwartet in Bremen ein ganz besonderes Spiel: „Kampfbetont, mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Mir haben diese Spiele immer besonderen Spaß gemacht.“ Der Kroate hofft, dass sich Schiedsrichter Aytekin der Auseinandersetzung gewachsen zeigt und nicht jede Aktion abpfeift. „Fußball ist irgendwo auch ein Kampfsport, das sollte nicht jeder Körperkontakt geahndet werden.“ Der ehemalige Bundesligaprofi von Bayern München, Bayer Leverkusen und dem HSV ist überzeugt davon, dass seine Spieler mit der richtigen Einstellung auf das Feld gehen werden: „Die Mannschaft ist absolut fokussiert. Gerade das gestrige Training hat mir außerordentlich gut gefallen. Das müssen wir ins Spiel mitnehmen.“ Und dann gibt Kovac dem Endspiel in Bremen doch noch einen eigenen Namen: „Morgen ist das Spiel Nummer vier nach Leverkusen. Es ist das Wunder von Frankfurt, Teil vier, so haben wir es genannt. Eins, zwei und drei haben wir abgearbeitet, jetzt wollen wir es entsprechend beenden.“

          Einer, der den Eintrachtprofis das Happy-End versalzen könnte, ist Claudio Pizarro. Der Werder-Stürmer erlebt mit 37 Jahren seinen dritten Frühling und hat mit den Kovac-Brüdern noch zusammen bei den Bayern gespielt. Der Peruaner erzielte in seinen letzten fünf Heimspielen jeweils ein Tor. Niko Kovac ist begeistert von seinem alten Kollegen. „Claudio ist nicht nur ein hervorragender Fußballer, er ist auch ein toller Mensch. Es wird ein hartes Stück Arbeit für unsere Abwehr, ihn auszuschalten.“ Eine Sonderbehandlung wird ihm der Eintracht-Trainer aber nicht angedeihen lassen. „Wir können uns nicht nur auf Claudio fokussieren und den Rest vergessen. Wir müssen wie in der letzten Spielen auch als Team verteidigen.“

          All die Prognosen oder Phantasien, wie das Spiel in Bremen ablaufen könnte, interessieren Kovac nicht. Reine Energieverschwendung. „Ich konzentriere mich auf das Jetzt und nicht auf das Morgen.“ Deshalb haben er und die Eintracht auch noch nichts geplant, was über Samstag, 17.20 Uhr, die Zeit des Abpfiffs hinausgeht. Weder einen Countdown bis zum ersten Relegationsspiel noch eine Feier für den Klassenverbleib: Kovac sagt mit einem Grinsen: „Die spontanen Feiern sind sowieso die schönsten.“

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