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Eintracht Frankfurt : Mit der Kraft des Sofas

Bislang ein belebender Faktor: Auch auf Marco Fabian ruhen die Hoffnungen der Eintracht in Mönchengladbach. Bild: dpa

Eintracht Frankfurt schließt die Englische Woche am Freitagabend (20.30 Uhr) in Mönchengladbach ab. Trainer Kovac setzt unter Dauerbelastung ganz auf Erholung. Er muss allerdings wieder ohne Kapitän Meier planen.

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          Die Erinnerungen sind noch präsent. Es ist sieben Monate her, als Niko Kovac eine Aufgabe annahm, von der nicht wenige Beobachter meinten, sie sei zum Scheitern verurteilt. Der frühere Profi belehrte sie, wie sich inzwischen herausstellte, eines Besseren. Doch seine erste Pflichtveranstaltung in verantwortlicher Position bei der Eintracht war kein Vergnügen. 0:3 verlor er mit dem Team am 26. Spieltag der vergangenen Saison bei Borussia Mönchengladbach. Dem Trainer sind die Begleitumstände der Niederlage noch gegenwärtig, wie er erzählte und dabei Fehler anführte, die unter anderem „bei Standardsituationen“ dazu geführt hätten, dass sein Debüt als Bundesliga-Trainer misslang. Kovac fasste die damalige Nervosität und die aufregende Lage vier Tage nach seiner Präsentation in Frankfurt heute so zusammen: „Es war eine schwierige Situation.“

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Mittlerweile hat sich die Eintracht, unter maßgeblichem Zutun des Deutschkroaten, sportlich konsolidiert. Sie setzte in der Tabelle, seit der Sommerpause, zu einem kleinen Höhenflug an. „Die Mannschaft hat sich entwickelt“, resümierte Kovac, nachdem auch die zweite Hürde im DFB-Pokal beim Sieg im Elfmeterschießen gegen Ingolstadt mit einiger Mühe, aber letztlich erfolgreich übersprungen wurde; nun geht es im Achtelfinale dieses Wettbewerbs gegen Hannover.

          Stammspieler wieder aufgeboten

          Momentan stehen die Hessen in der Liga als Siebter besser als erwartet da und fahren auch daher dementsprechend couragiert wiederum nach Mönchengladbach, wo sie an diesem Freitag in der ersten Partie des neunten Spieltags bei der Borussia gefordert ist ( 20.30 Uhr/live bei Sky und F.A.Z.-Liveticker). „Mein Gefühl ist gut“, sagte Kovac vor der Abreise am Donnerstagnachmittag. Bislang gehörten Auftritte in der Fremde zu den neuen Stärken seiner Elf; in vier Einsätzen gab es schon zwei Siege. Verzichten muss die Eintracht abermals auf die Unterstützung ihres in der Vergangenheit so oft verlässlichsten Torschützen: Alexander Meier trat den Trip an den Niederrhein nicht an. Zusammen mit den Fitnesscoaches des Klubs absolvierte er am Morgen noch eine individuelle Einheit, die nicht das erhoffte Resultat brachte. Seine Zerrung an der Gesäßmuskulatur, die ihn schon gegen Ingolstadt zum Zuschauen zwang, ist in der Kürze der Zeit nicht spürbar besser geworden.

          Nach Angaben von Kovac ist der Kapitän nicht im Vollbesitz seiner Kräfte; er berichtete von „Problemen beim Steigerungslauf“, die es ausgeschlossen hätten, ihn in den 18er-Kader zu berufen: „Wir wollen kein Risiko eingehen. Er bleibt daheim und wird hier gepflegt“, sagte Kovac. Für Meiers Platz in der Spitze kommen Haris Seferovic, der sich gegen Ingolstadt nicht eben mit Ruhm bekleckerte und der im Sommer von der Borussia abgeworbene Branimir Hrgota in Frage. Möglicherweise bietet der Coach die beiden auch gemeinsam auf, dann würde der Schweizer auf den linken Flügel ausweichen – und Mijat Gacinovic seinen Platz in der Startformation verlieren.

          Zu erwarten ist, dass die Eintracht zunächst wiederum ihr Hauptaugenmerk auf ihr Abwehrverhalten legen wird, die Viererkette bei Bedarf um den zurückrückenden Makoto Hasebe ergänzt, um dem Gegner das Eindringen in den Strafraum so schwer wir möglich zu machen. Die Stammspieler, „die am Dienstag zu Beginn auf der Bank saßen“, um ihre Kräfte zu schonen, werden wieder aufgeboten, kündigte Kovac eine Einsatzgarantie für Timothy Chandler, Marco Fabián und Bastian Oczipka an, „wenn bis zum Anpfiff nichts Unvorhergesehenes passiert“.

          Niederlage wäre verkraftbar

          An Respekt mangelt es den Mönchengladbachern vor den Frankfurter Emporkömmlingen nicht. „Wir treffen auf eine sehr selbstbewusste Mannschaft, die alles raushauen wird“, mutmaßte Kapitän Lars Stindl, der mit seinem Team seit elf Heimspielen in der Bundesliga ohne Niederlage ist. Die Personalsituation der Borussia ist angespannt. Mit Thorgan Hazard, Ibrahima Traoré, Josip Drmic fallen drei Offensivspieler aus, auch die Defensivspezialisten Andreas Christensen und Álvaro Domínguez stehen nicht zur Verfügung. Auch deswegen glaubt Kovac an die Möglichkeit, etwas Zählbares gegen den Konkurrenten zu erreichen, für den es kommenden Dienstag in der Champions League gegen Glasgow um viel geht: „Gladbach hat das eine oder andere personelle Problem.“ Entscheidend sei, wem es besser gelinge, den Terminstress dieser Tage zu verarbeiten.

          Bei der Eintracht wurde zuletzt kaum trainiert, dafür mehr Wert auf Rehabilitation und Erholung gelegt: gut essen, viel trinken, Beine auf dem Sofa hoch legen „und schlafen, schlafen, schlafen“ sei für ihn das Gebot der Stunde in dieser englischen Woche. „Je länger wir das Spiel offenhalten, umso besser werden unsere Aussichten“, sagte Kovac, der auch weiß, wie es nicht funktionieren wird. Dafür ist ihm der Ablauf der letzten Begegnung mit der Borussia am 12. März noch zu gut vor Augen: „Wir müssen vor allem mehr Chancen herausspielen.“ Seinerzeit sprang nur ein Pfostenschuss heraus. Kovac Ziel: Die Gladbacher auch nach diesem Wochenende im Klassement hinter sich zu wissen. Drei Punkte und sieben Treffer in der Tordifferenz liegen die Frankfurter vor ihnen – selbst eine 0:3-Niederlage wäre da verkraftbar.

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