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Eintracht Frankfurt baut : Neue Heimat mit Würde und Eleganz

  • -Aktualisiert am

Zwei Gebäude, ein Verein: Die Eintracht baut sich nach dieser Modellvorlage auf dem Arena-Areal ein neues Zuhause. Bild: Jan Huebner

Das große Bauvorhaben der Eintracht ist gestartet. Ende 2020 soll der Gebäudekomplex, den sich der Klub zwischen 30 und 35 Millionen Euro kosten lässt, bezogen werden.

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          Die Bagger sind angerollt, der große Kran wird zusammengebaut. Das große Bauvorhaben der Frankfurter Eintracht ist in dieser Woche endlich in die Gänge gekommen. Die Baugenehmigung liegt seit Montag vor, es wurde keine weitere Zeit vergeudet. Der Erbbauvertrag mit der Stadt über 99 Jahre wurde noch nicht unterschrieben, aber dies sei nur noch eine Formalie. Schon im vergangenen Oktober wollte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann den Startschuss für den Bau der neuen Geschäftsstelle und des Proficamps der Lizenzspielerabteilung des hessischen Traditionsklubs geben, aber die Verhandlungen mit der Stadt zogen sich immer weiter in die Länge.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Wieso? Darauf mochte Hellmann am Freitag bei der Vorstellung des Neubaus keine Antwort geben und verwies an die Stadt. Lediglich einen kleinen Seitenhieb erlaubte er sich. „Dass einige der jetzigen Funktionsräume unserer Profis unter Schimmelbefall leiden, hat die Sache beschleunigt.“ Falls der Bau, für den zwischen 30 und 35 Millionen Euro veranschlagt werden, im Zeitplan fertiggestellt wird, dann ziehen die Eintracht-Mitarbeiter der Geschäftsstelle und der Lizenzspielerabteilung im Dezember 2020 in die neuen Räumlichkeiten auf dem Gelände der WM-Arena.

          Bau für 250 bis 300 Mitarbeiter

          Wo früher die Tennisanlage mitsamt Halle stand, werden zwei Gebäude errichtet, die über eine gemeinsame Tiefgarage miteinander verbunden sind. Das größere Gebäude A, ein Quadrat, ist für die Verwaltung konzipiert, mit großer Empfangshalle und Konferenzräumen. Auf insgesamt fünf Geschossen ist der Bau für 250 bis 300 Mitarbeiter konzipiert. Im Moment beschäftigt die Eintracht 180 Angestellte auf der Geschäftsstelle, das Gebäude ist also auf eine weitere Expansion ausgerichtet. Das Personal wird in den vier je 400 Quadratmeter großen Obergeschossen untergebracht, die Nutzungsflächen umschließen ringförmig einen Innenhof.

          Bauteil B ist ausschließlich der Abteilung Sport vorbehalten, es schmiegt sich an Bauteil A, hat nur drei Geschosse und wurde ein wenig abgesenkt, so dass das Untergeschoss Tageslicht erhält. Dort befinden sich die Sauna, der Kardio- und Kraftbereich sowie weitere Räume für Physiotherapie und andere Trainingsformen. Im ersten Obergeschoss haben die Trainerbüros ihren Platz sowie die Besprechungsräume und ein Kinosaal. Im zweiten Obergeschoss werden Ruheräume für die Lizenzspieler eingerichtet.

          Infrastruktur soll der sportlichen Entwicklung folgen

          „Die Identifikation und Integration der Spieler fällt an einem geschlossenen Ort wie diesem viel leichter“, sagte Hellmann. Der großzügige Neubau sei auch ein Argument für wechselwillige Spieler. Im Moment wirken die Räumlichkeiten eher abschreckend“, so Hellmann. Nun solle die Infrastruktur der sportlichen Entwicklung der Mannschaft folgen. „Normalerweise ist es ja umgekehrt“, sagte der Vorstand am Freitag ironisch. Es sei zudem angedacht, zumindest die Juniorenmannschaft U 19 in das Proficamp zu integrieren – und sei es nur für einige Phasen der Saison. Hellmann zollte am Freitag Sportvorstand Fredi Bobic großen Dank, der sich in die Planungen des Fußball-Bereichs stark eingebracht habe. „Fredi hat sich sehr viele Gedanken gemacht, ich denke, dadurch wurden viele Fehler in der Planung vermieden.“

          Das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner hat jedenfalls Erfahrung mit solchen Bauten. Das Unternehmen war in der Vergangenheit für den VfL Wolfsburg und zuletzt für Bayern München tätig, das eine neue Nachwuchsakademie erstellen ließ. Das Projekt sei ein großes für die Eintracht, so Hellmann, die 30 bis 35 Millionen Euro seien nicht aus dem laufenden Betrieb zu finanzieren. „Wir haben den Bau zu 100 Prozent fremdfinanziert, wobei uns die Niedrigzinsphase zugute kommt.“ Und auch das wieder gestiegene Renommee, das die Kreditwürdigkeit erhöht. Hellmann ist erfreut über die „sehr angenehmen Konditionen“, die die Eintracht erhalten habe.

          21 Monate Bauzeit

          Die Architektur und auch die Außenfassade seien sehr bedacht konzipiert worden, der Eindruck von Protz sollte auf jeden Fall vermieden werden. „Der Gebäudekomplex hat eine gewisse Größe, aber auch Kompaktheit, es verbinden sich Funktionalität mit Würde und klassischer, zurückhaltender Eleganz“, beschreibt Hellmann und fügt an: „ Wir wollen in den kommenden 20 Jahren dokumentieren, was für Ansprüche wir haben. Es soll ein Ort werden zum stolz sein.“

          Das Projekt begann am 15. August 2015 mit der ersten Sitzung des Aufsichtsrats der Eintracht AG zu diesem Thema. Im Januar 2017 wurde der Beschluss zur Umsetzung in diesem Gremium gefasst. Im Mai 2018 begannen die Abrissarbeiten der Tennisanlage, am vergangenen Montag war Baubeginn. Die Bauzeit wird mit 21 Monaten kalkuliert. Am Ende werden auf dem 17.330 Quadratmeter großen Baugelände 18.800 Quadratmeter Bruttogeschossflächen erstellt worden sein, davon ein Parkdeck mit 2400 Quadratmetern.

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