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Eintracht-Spieler Bas Dost : Ein Segen für den Verein

Zügig und zielstrebig: Dank der beiden Tore von Bas Dost steht die Eintracht im Achtelfinale. Bild: SvenSimon

Rückkehrer Bas Dost nimmt schnell Witterung auf und schlägt im Stile eines Torjägers zu. Ohne ihn hätte es gegen St. Pauli durchaus brenzlig werden können.

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          Seine Aussage war ehrlich gemeint – und entsprach doch so gar nicht den Tatsachen. „Ich habe nichts gespürt.“ Bas Dost meinte seine vormaligen Probleme an den Adduktoren. Doch gespürt hat der Stürmer der Frankfurter Eintracht an diesem freudigen Fußballabend im Hamburger Stadion am Millerntor sehr wohl eine ganze Menge. Respekt, Lob, Anerkennung: Es war von jedem etwas dabei, was Dost nach seinem vorzüglichen Comeback hören, sehen und spüren konnte. „Bas war einfach klasse“, sagte Bruno Hübner. Der Sportdirektor der Eintracht, der nach „diesem typischen Pokalspiel“ glücklich über das 2:1 beim FC St. Pauli und den damit verbundenen Einzug in das Achtelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs war –, „denn nur das zählt“, war von Dosts Auftritt angetan. „Er hatte zwei Chancen, und er hat zwei Tore gemacht.“ Eine hundertprozentige Ausbeute eines Mannes, der abermals gezeigt hat, wie wichtig er für Struktur und Statik des Frankfurter Spiels ist. „Ich habe mich voll reingeschmissen“, sagte Dost.

          Dass der 30 Jahre alte Niederländer dies zügig und zielstrebig nach dem ersten offiziellen Pfiff des Abends tat, war ein Segen für die Eintracht. Denn Dost benötigte so gut wie keine Anlaufzeit, um nach den ausgestandenen muskulären Malaisen schnell Witterung aufzunehmen und im Stile eines Torjägers zuzuschlagen. Bei seinem ersten Volltreffer empfahl sich Dost nach einer Flanke von Martin Hinteregger in seiner bekannten Rolle als überlegener Kopfballspieler (4. Minute). Und als er das zweite Mal, diesmal passgenau von Dominik Kohr bedient, zuschlug, nahm er den rechten Fuß zu Hilfe. Sein Lupfer über Pauli-Keeper Korbinian Müller hinweg war einer der schönsten Frankfurter Treffer dieser Saison. „Es war ein Traumpass“, sagte Dost und erklärte später, dass sein gefühlvoller Heber kein Zufall, sondern das Produkt präziser Planung gewesen sei. „Ich wollte es von Anfang an so machen“, versicherte Dost. „Es war die beste Lösung.“ Und die ansehnlichste Aktion des gesamten Spiels, das Dost und seinen Mannschaftskollegen wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen sein muss.

          Das Auf und Ab des Profifußballs

          Die Fahrbetriebe auf dem benachbarten Heiligengeistfeld ruhten zwar noch im Rahmen des Hamburgers Doms. Dafür aber zeigte die Eintracht in ihren zwei gänzlich unterschiedlichen Halbzeiten das Auf und Ab des Profifußballs. „In der ersten Hälfte haben wir alles klar im Griff gehabt“, sagte Trainer Adi Hütter – und hatte Recht mit dieser Einschätzung. Nach dem Seitenwechsel jedoch wurde St. Pauli immer stärker und setzte die Eintracht mächtig unter Druck. „Ich freue mich, dass ich als Sieger vom Platz gegangen bin“, sagte der erleichterte Hütter.

          Für Dost war es in der Rückschau höchst überraschend, dass er fast bis zum Ende aktiv mitgeholfen hatte, den angestrebten Einzug ins Achtelfinale perfekt zu machen. Geplant war nämlich, den Niederländer schon früher aus dem Spiel zu nehmen. Doch Hütter entschied sich erst in der 88. Minute dazu, Goncalo Paciencia für Dost zu bringen. „Nach der Pause habe ich mich schon schwer getan“, sagte Dost. Doch er biss sich durch. „Wir haben viele Bälle verloren und hätten es schon früher entscheiden müssen.“ Am Ende zeigte sich Dost als fairer Sportsmann, der für den beherzten Auftritt der Hamburger lobende Worte fand. „Das war eine starke Leistung von St. Pauli“, sagte der Mann des Abends: „Kompliment.“ Dass der Eintracht-Trainer wieder auf Dost setzen konnte, hatte sich am Vortag beim Abschlusstraining angedeutet. „Er hat mir signalisiert, dass er bereit ist“, sagte Hütter. „Das war gut für uns.“

          Ohne die Kaltschnäuzigkeit und Entschlossenheit des Torjägers hätte es für die Eintracht am Millerntor durchaus brenzlig werden können. Denn gefährliche Aktionen anderer Frankfurter gab es nicht. Es bedurfte zweier Geniestreiche des erfahrenen Angreifers, der in der Stunde des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgs – für den Einzug in das am 4./5. Februar stattfindende Achtelfinale erhält die Eintracht 702.000 Euro – schon den Blick auf die nächste Herausforderung lenkte. Am Samstag kommen die Bayern zum Bundesliga-Spitzenspiel in die Frankfurter Arena. „Da will ich natürlich auch dabei sein“, sagte Dost. „Dafür spielt man schließlich Fußball.“ Dost erwartet eine „Riesenstimmung“ und richtete schon in Hamburg einen flammenden Appell an seine Frankfurter Mitspieler: „Auf geht’s!“

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