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Eintracht Frankfurt : Aufbruch ins Neuland

Na dann eben nach Aserbaidschan: Armin Veh freut sich auf die nächste Saison. Bild: dpa

In der Europa League trifft die Eintracht auf FK Qarabag Agdam aus Aserbaidschan. Das Augenmerk von Trainer Veh gilt aber zunächst dem Ligastart in Berlin: „Am besten gleich was holen.“

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          Es ist jeden Sommer das Gleiche. Armin Veh ist nun schon seit 23 Jahren dabei und aktuell der Trainer, der in der Bundesliga am längsten zum Geschäft gehört. Seine Erfahrung bewahrt ihn aber nicht davor, dass er zum Ende einer Saisonvorbereitung stets aufs Neue ins Grübeln gerät. Kurz vor dem Auftakt einer Runde vermischen sich Aufregung und Anspannung bei dem Fußball-Lehrer seit jeher zu einem „Gefühl der Ungewissheit“ von dem er weiß, dass es „dazu gehört“, doch von dem er noch immer nicht mit Sicherheit sagen kann, wie er es am ehesten deuten soll. Mit der Eintracht, die er vor zwei Jahren übernahm und mit der er fast nur schöne Momente erlebte, betritt er auch diesmal „wieder Neuland“, wie es der 52-Jährige formulierte.

          Nach fünf Wochen Einstimmung und „sehr ordentlichen Trainingseindrücken“ will er keine Prognose wagen, „wie die Reise ausgehen wird“. Aber er ist frohen Mutes, dass er und die Mannschaft ihr Ziele erreichen können: „Wir haben eine gewisse Qualität und fangen nicht bei Null an“, sagte er am Freitagmittag. Kurz darauf, nach dem Abschlusstraining für das Liga-Debüt an diesem Samstag bei Hertha BSC (15.30 Uhr), sah er mit seinem Betreuerstab in der Kabine die Auslosung zur Europa League - und danach war ihm nicht wirklich nach Scherzen zumute. Die Eintracht bekommt es bei ihrem Comeback auf der kontinentalen Bühne mit FK Qarabag Agdam zu tun. Eine denkwürdige Aufgabe. Sportlich scheint das Duell mit dem Meisterschaftszweiten der aserbaidschanischen Liga machbar, aber die Unwägbarkeiten der An- und Abreise werden sicher zu einer nicht unerheblichen Herausforderung.

          Begeisterung soll nicht ungesundes Maß erreichen

          Das Play-off-Hinspiel im Europapokal findet am Donnerstag, 22. August, 4000 Kilometer von Frankfurt entfernt statt; eine Woche später fällt dann in der WM-Arena die endgültige Entscheidung, wer sich in der Auseinandersetzung durchsetzt - und die Gruppenphase erreicht. Veh kommentierte die Ausgangslage kurz und knapp: „Es wird kein Selbstläufer“, sagte er, „wir wollen einfach weiterkommen.“ Sein Augenmerk galt am Freitag der unmittelbar bevorstehenden Alltags-Pflicht und nicht der Europapokal-Kür. Für den August mit seinen vielfältigen Herausforderungen hielt er sich an den von Generationen seiner Vorgänger geprägten Leitsatz, dass es für die Eintracht jetzt am besten sei, „wenn wir von Spiel zu Spiel denken“. Der Coach interpretiert seine öffentliche Rolle in diesen Tagen spürbar anders als bei ähnlicher Gelegenheit in der Vergangenheit. Im Spätsommer 2011 und 2012 war es Veh, der immer auch wieder mit Appellen in den Medien für Aufbruchstimmung sorgen wollte, von der der Klub inzwischen durch die vielen positiven Resultate und sehenswerten Darbietungen tatsächlich erfasst ist; auch die letzten 2000 Tickets für die Europa League, die am Freitagnachmittag kurz nach der Auslosung am Sitz der Europäischen Fußball-Union in Nyon von der Eintracht für den Verkauf freigegeben wurden, gingen binnen Kürze weg.

          Veh, dem Vater des sportlichen Erfolgs, ist es nun wichtig, dass die Begeisterung kein ungesundes Maß erreicht. Er sei „Realist und kein Phantast“, meinte der Schwabe, als er gebeten wurde, eine Prognose abzugeben, was die Eintracht in diesem Sportjahr erreichen könne. Er sehe die Bundesliga „komplett anders“, ließ er wissen, was auch als abermalige Replik auf forsche Forderungen im eigenen Haus verstanden werden konnte. Wilhelm Bender, der Aufsichtsratsvorsitzende, hatte unlängst bei einem Besuch im Trainingslager in Österreich den Wunsch geäußert, dass die Eintracht noch besser abschneiden solle als zuletzt im Mai. Mehr erreichen als die Qualifikation zur Europa League? Das würde eine Frankfurter Teilnahme an der Champions League bedeuten. Veh rollt bei solchen Überlegungen demonstrativ mit den Augen und sagt, er beschäftige sich nicht mit „so einen Krampf“. Laufe es demnächst normal und den Etat-Zahlen entsprechend, werde die Eintracht „Zwölfter oder Dreizehnter“. Gelinge es ihr, besser als abzuschneiden, als es der Rahmen des finanziell möglichen nahelegt, sei der „achte Platz drin“, mit einer kleinen „Chance auf mehr“. Schöpfe sie dagegen ihr Potential nicht aus, sei auch ein Abrutschen auf „Rang 15 oder 16 möglich“. Intern sei daher auch nur ein Ziel ausgegeben worden: „Wir wollen aufpassen, dass wir mit unten nichts zu tun bekommen.“

          Um das durch eine niederlagenfreie Vorbereitung bei seinem Team ausgeprägte durchaus ausgeprägte Selbstvertrauen weiter zu stärken, wäre es für Veh „am besten, gleich in Berlin was zu holen“. Die Partie will er im Vergleich zum Pokalwettbewerb mit nahezu unveränderter Startformation beginnen; nur bei der Besetzung der Innenverteidigung schwankt er noch, ob er Marco Russ oder Bamba Anderson aufstellen soll. Im Sturm fehlt ihm weiter die erhoffte Alternative. Die Hängepartie um Vaclav Kadlec ist trotz anderslautender Ankündigungen nach wie vor nicht beendet. Veh nimmt es inzwischen mit Sarkasmus. Bis Sonntag, so der Trainer, falle nun sicher eine Entscheidung: „Nur steht noch nicht fest, um welchen Sonntag in welchem Jahr es sich handelt.“

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