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Eintracht Frankfurt : Auf dem Sprung nach Moskau

Auf Wiedersehen: Gordon Schildenfeld verlässt Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Die Wege von Gordon Schildenfeld und der Eintracht trennen sich. Den Kroaten zieht es nach Russland, und Manager Bruno Hübner bekommt noch mehr Arbeit: Er braucht jetzt drei neue Verteidiger.

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          Der gute Auftritt bei der Europameisterschaft zeigt Wirkung. Gordon Schildenfeld hat zwei Tage länger frei bekommen. „Aus persönlichen Gründen“, wie Sportdirektor Bruno Hübner bestätigte. Ursprünglich sollte der kroatische Nationalspieler am Sonntag zur Eintracht stoßen, die sich in Windischgarsten in Oberösterreich auf die kommende Bundesliga-Saison vorbereitet. Nun aber haben die Frankfurter Verantwortlichen Schildenfeld die Möglichkeit eröffnet, sich bis Dienstag um „private Dinge“ zu kümmern. Diese könnten dazu führen, dass der 27 Jahre alte Innenverteidiger künftig in Russland sein Geld als Fußballprofi verdient: Dynamo Moskau soll mehr als nur ein Auge auf Schildenfeld geworfen haben.

          Sollte Schildenfeld wirklich den Sprung nach Moskau vollziehen, würden die Nöte der Eintracht nicht gerade geringer werden. Denn um sein Personaltableau rund zu bekommen, sucht Trainer Armin Veh neben einem Stürmer auch nach zwei Innenverteidigern; diese Zahl könnte nun auf drei steigen. Veh nahm den sich abzeichnenden Abgang mit Humor: „Die Spanier haben bei der EM nur mit einem Stürmer gespielt. Dann spielen wir halt nur mit einem Innenverteidiger“, sagte er mit ironischem Unterton. Würde Schildenfeld gehen, stünde Stand jetzt lediglich Heiko Butscher zur Verfügung; Martin Amedick fällt aufgrund eines temporären Erschöpfungssyndroms bis auf weiteres aus, die Bemühungen, Bamba Anderson noch einmal von Borussia Mönchengladbach auszuleihen, stocken. In der vergangenen Aufstiegssaison kam Schildenfeld in 34 Spielen 33 Mal zum Einsatz - teamintern ein Spitzenwert. Hübner hatte vor genau einem Jahr viele Hebel in Bewegung gesetzt, um sich die Dienste des damals beim österreichischen Meister Sturm Graz verteidigenden Profis zu sichern. Er erhielt einen bis zum 30. Juni 2014 gültigen Vertrag, und im Gegenzug überwiesen die Frankfurter eine Ablöse von einer Million Euro in die Steiermark. Die Motive für seinen Wechsel nach Deutschland waren offenkundig. „Bei Sturm Graz habe ich mit Pokalsieg und Meisterschaft das Maximum erreicht. Außerdem liebe ich Herausforderungen und den sportlichen Wechsel.“ Bei der Herausforderung Eintracht ließ sich der kopfballstarke, aber nicht gerade als Sprinter aufgefallene Schildenfeld kaum etwas zu schulden kommen. Einmal nur, bei der 2:4-Auswärtsniederlage in Paderborn, platzte Veh der Kragen. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, sagte der 51 Jahre alte Fußballlehrer über die damals indisponierte Abwehrkraft. Die Folge: Gegen Cottbus verpasste Schildenfeld sein einziges Saisonspiel. Und als er eine Woche später in Rostock wieder mitwirken durfte, meldete er sich beim 5:1 mit seinem einzigen Saisontor zurück.

          Schildenfeld ist fit

          Es war die Zeit im März, in der Schildenfeld Hochgefühle verspürte. Er wurde zum zweiten Mal Vater, zeigte bis zum Saisonschluss ordentliche Leistungen - und verlor nie den Blick für die Nationalmannschaft. Tatsächlich gehörte Schildenfeld bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine zu den besten Akteuren der kroatischen Auswahl. Im Vorrundenspiel gegen den späteren Titelgewinner Spanien zeigte Schildenfeld gegen Champions-League-Sieger Fernando Torres (FC Chelsea) eine starke Leistung. Die guten Spiele im Nationalteam sowie der Wechsel von Bilic nach Moskau - all das sind starke Indizien, dass der Sprung nach Russland wohl nur noch Formsache ist. Wobei die Eintracht bei der Nennung des Vereinsnamens Dynamo durchaus sensibel reagieren dürfte. Vor eineinhalb Jahren wollte schon ein anderer Frankfurter Profi ein neues Land und einer neue Währung kennenlernen: Caio stand seinerzeit ante portas und war praktisch von den Russen verpflichtet. Dann jedoch monierten sie eine Schädigung im Knie des Brasilianers - und machten einen Rückzieher.

          Schildenfeld hat keine nachweislichen Blessuren, und anders als der Brasilianer ist er auch fit. Pech für den phlegmatischen Caio: Seine eigentlich schon als perfekt gemeldete Rückkehr in die Heimat zerschlug sich in letzter Minute. Der Erstligaklub Figueirense FC bemängelte seine fehlende Leistungsfähigkeit und nahm von einem Transfer Abstand. Sollte indes der Wechsel Schildenfelds klappen, würde dies der Eintracht sicherlich eine höhere Ablösesumme in die Kassen spülen, als man vor einem Jahr an Graz überwiesen hat. Geld, das der Klub gebrauchen kann. Man müsste schließlich nach drei Innenverteidigern Ausschau halten.

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