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Eintracht Frankfurt : „Ansonsten war es gut – oder?“

  • -Aktualisiert am

Ein Tor als Beruhigungsmittel: Luca Waldschmidt ist erleichtert. Bild: Jan Huebner

Die geringe Torausbeute wirkt beim 3:0-Sieg der Eintracht gegen den Bremer SV nicht ganz überzeugend. Hat Trainer Veh seine erste Elf gefunden?

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          Zu Beginn dieser neuen Trainingswoche dürfte es sich schon ganz anders angefühlt haben – Bremer SV, war da was? 3:0 gewonnen, alles gut, erste Pokalrunde überstanden. Volle Fahrt voraus Richtung Wolfsburg am Sonntag. Am Samstagnachmittag in Bremen musste man das Geschehen um die Eintracht allerdings noch etwas differenzierter betrachten.

          Es wirkte da nämlich wie ein kräftiges Durchatmen, was Kapitän Marco Russ zu sagen hatte. Offenbar schwingt die Angst vor einer Blamage doch immer mit, wenn man als Bundesligavertreter bei einem unterklassigen Klub antreten muss. Hier also, in der kleinen Interviewzone im Stadion des FC Oberneuland zwischen Balljungen, Nudeltöpfen und Ordnern, stand Russ und wirkte einfach nur erleichtert, den sonnigen Nachmittag ohne größere Schäden überstanden zu haben. „So viele sind schon rausgeflogen und hatten dann einen echt blöden Start in die Liga. Dadurch, dass der Pokal immer vor der Bundesliga liegt, ist das gar nicht so einfach. Wir wussten nicht, wo wir stehen. Die erste Viertelstunde waren wir nicht dran an den Leuten. Und man muss sagen, dass die ja auch ein bisschen Fußballspielen können“, sagte der Kapitän.

          Sehr dünnes Resultat der Eintracht

          So wirkte das 1:0 durch Luc Castaignos noch vor der Halbzeit schon beruhigend, das 2:0 durch Stefan Aigner in der 51. Minute erst recht. Als Luca Waldschmidt in der 71. Minute zum 3:0-Endstand gegen den Bremer SV traf, waren die tapferen Amateure aus der fünften Liga schon sehr, sehr müde. „Wir haben die Pflichtaufgabe erfüllt, das Ergebnis ist komplett standesgemäß“, sagte Russ und vergaß, wie viele gute Möglichkeiten allein Haris Seferovic vor 3500 Zuschauern auf der Sportanlage am Vinnenweg ausgelassen hatte. Der Bremer SV musste wegen der strengen Regularien im DFB-Pokal zum FCO umziehen. Das war nicht das einzige Handicap für den Landespokalsieger: Der BSV startet erst in zwei Wochen in die Saison. So gesehen, war dieses 3:0 ein sehr dünnes Resultat für die Eintracht.

          Schwamm drüber. Als Trainer Armin Veh wenig später bei der Pressekonferenz im weißen Zeltpavillon auf der Bierzeltgarnitur saß, wollte er kein Haar in der Suppe suchen. Der Eintracht-Bus stand ja auch schon mit laufendem Motor bereit, um die Mannschaft zum Flughafen zu bringen. „Ich muss den Gegner loben, ihr wart richtig gut“, sagte er in Richtung Fabrizio Muzzicato, „ihr habt die Räume eng gemacht und uns zu Fehlern gezwungen.“ Der Bremer Coach freute sich. Zu Recht, denn seine Amateure hatten ihre Sache 60 Minuten gut gemacht. Viel mehr Analyse wollte Veh diesem Spiel nicht widmen.

          Eintrachts Spitze kann was

          Er hat seine erste Elf gefunden; die Mannschaft, die am Samstag ohne den verletzten Alex Meier auflief, dürfte in weiten Teilen, vielleicht verstärkt durch den noch angeschlagenen Innenverteidiger David Abraham, identisch mit derjenigen sein, die am Sonntag beim VfL Wolfsburg zum Auftakt der Bundesliga antritt. Hinten wirkten weder Russ noch Carlos Zambrano voll auf der Höhe, im Mittelfeld gab es noch deutlichen Abstimmungsbedarf zwischen Marc Stendera und dem neuen Nebenmann Stefan Reinartz. Am besten sah es trotz der geringen Torausbeute noch vorn aus. Luc Castaignos und Haris Seferovic rochierten viel, stimmten sich gut ab, spielten mal neben- mal hintereinander. Beide strahlten Torgefahr aus. „Man hat gesehen, dass die beiden zusammenpassen können“, sagte Veh.

          Besonders zufrieden war dementsprechend der 22 Jahre alte Castaignos. Ein schönes Führungstor in Vollstreckermanier war dem Niederländer gelungen. „Mein Kopf ist okay und mein Körper auch“, sagte er später grinsend auf Englisch, „gut, dass alles gehalten hat. Es ist wichtig für mein Selbstvertrauen, Tore zu schießen. Aber klar ist auch, dass es am Samstag viel schwerer wird.“

          Eintracht wieder mit gewisser Leichtigkeit

          Castaignos wirkte wie einer, der für seine Tore wenige Chancen braucht. Das unterschied ihn von Seferovic. Der Schweizer war der wesentlich auffälligere Stürmer. Doch an diesem Samstagnachmittag schob, schoss und köpfte Seferovic jede noch so schöne Vorlage daneben – oder scheiterte am guten Bremer Torwart Christian Ahlers-Ceglarek. Kritisieren wollte ihn dafür aber niemand.

          Überhaupt fiel auf, dass die Eintracht ohne den trübsinnigen Thomas Schaaf wieder eine gewisse Leichtigkeit begleitet. Der Charmeur Veh tut diesem Klub einfach gut, und sei es nur nach einem mäßigen Pokalauftritt bei einem Bremer Fünftligavertreter. Hingeflogen, gespielt, gewonnen, bei Autogrammen und Selfies auf dem Weg zum Mannschaftsbus ein paar neue Freunde gewonnen, und verletzt hatte sich auch keiner. Was will man mehr von einem Pokalspiel? „Einige Tore zu wenig, ansonsten war es gut“, urteilte der Manager Bruno Hübner, und fragte grinsend nach: „Oder?“ Da saß Armin Veh schon im Pressezelt und erzählte seinem Kollegen, wie toll es dessen Mannschaft gemacht habe. Später dankte BSV-Präsident Peter Warnecke der Eintracht noch für den „sympathischen Auftritt“.

          Sollte Veh etwas zu kritisieren gehabt haben am laschen Auftritt seines Teams, wird er es in diesen Tagen loswerden. Am Samstag in Bremen sah man nur sein Schönwettergesicht.

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