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Eintracht Frankfurt : Andersons wundersame Wandlung

Durchgebissen: Der wiedererstarkte Bamba Anderson macht zuletzt in der Bundesliga auch dem Wolfsburger Maximilian Arnold das Leben schwer. Bild: AFP

Diszipliniert statt nachlässig: Der Eintracht-Verteidiger Bamba Anderson genießt sein frühes Hoch unter dem neuen Trainer Schaaf. Nicht so gut lief es damals für ihn bei Trainer Veh.

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          Um das vorneweg mal klarzustellen: „Ich kann nichts Schlechtes über den alten Trainer sagen.“ Versichert Bamba Anderson, brasilianischer Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt, und er wirkt so, als müsse er das mal zurechtrücken. Anderson und Armin Veh, das war gegen Ende der Zusammenarbeit in der vergangenen Saison eine Geschichte von Unzufriedenheit und nicht erfüllten Erwartungen. Kein Wunder also, dass Anderson schon nach drei Pflichtspielen unter Vehs Nachfolger Thomas Schaaf als einer der großen Gewinner bei der Eintracht gilt. Ist er fit, dann spielt er auch, als Nummer zwei in der Innenverteidigung neben Abwehrchef Carlos Zambrano. Neunzig Minuten im Pokal bei Viktoria Berlin, jeweils neunzig Minuten in der Liga gegen Freiburg und Wolfsburg, das alles auf respektablem Niveau – kein Wunder, dass Anderson heiter sagt: „Alles ist wieder in Ordnung, ich fühle mich richtig gut.“

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ralf Weitbrecht

          Dass der 26 Jahre alte Profi mehr Talent mitbringt als viele andere, war auch unter Veh unstrittig. Allerdings bemängelte der dann und wann fehlende Ernsthaftigkeit und eine gewisse Wehleidigkeit. Die harten Knochen Zambrano, Marco Russ und, nach der Winterpause, Alexander Madlung waren ihm lieber als ein überdurchschnittlich begabter Spieler mit vermeintlich laxer Einstellung. Besonders dass Madlung, den die Eintracht aus der Arbeitslosigkeit nach Frankfurt geholt hatte, ihm den Rang ablief, nagte an Anderson. In der Rückrunde machte er jedenfalls nur noch ein Spiel, und manchmal wirkte es so, als habe er einen Stammplatz nur noch in seinem Schmollwinkel. „Es war keine schöne Zeit“, sagt Anderson heute, aber er beendet seine Rückschau mit zwei Worten, die er vielen Sätzen hinzufügt: „kein Problem“.

          „Alle Aufgaben optimal gelöst“

          Er hat wieder gut reden, denn bei aller vermeintlichen Wehleidigkeit hatte er mit einer Verletzung zu kämpfen, die einige seiner verschenkten Monate erklärte. Als er nämlich seinen Platz in der ersten Reihe verloren hatte, zog er sich auch noch einen Anriss des Syndesmosebandes am Knöchel zu, was seine Saison vollends ruinierte. Er musste operiert werden, kam danach natürlich nicht mehr zum Einsatz und bereitete sich stattdessen in Brasilien auf einen Neuanfang vor. Und das offenbar mit einer Konsequenz und Akribie, die ihm nicht jeder zugetraut hätte.

          „Er hat alle Aufgaben die wir ihm gestellt haben, optimal gelöst“, sagt Trainer Schaaf über Anderson. Das heißt, der Spieler hat fern der sportlichen Heimat seinen Rückstand aufgeholt, sich wieder herangearbeitet – und seine frühen Chancen genutzt. „Er fühlt sich sehr gut, das strahlt auf ihn und die Mannschaft aus“, sagt Schaaf. Anderson habe „sehr gut und sehr konzentriert gearbeitet“.

          Selbstinszenierung via Internet

          Das entspricht so gar nicht mehr dem Bild, das Anderson eine Weile abgegeben hatte. Das er teilweise sogar selbst leichtfertig produzierte und verbreitete: Denn sein Kritiker Veh rieb sich nicht nur an der angeblich fehlenden Widerstandskraft des öfter mal erkrankten und im Trainingsalltag fehlenden Brasilianers, sondern auch an dessen Selbstinszenierung via Internet – kleine Filmchen inklusive, die eher für jugendliche Naivität standen als für professionellen Lebenswandel. Sei‘s drum, heute sagt Anderson, der seit 2011 bei der Eintracht unter Vertrag steht: „Das größte Problem war die Verletzung. Seit ich gesund bin, ist alles wieder gut.“

          Jetzt steht er also wieder seinen Mann wie zu besten Zeiten, und die anderen müssen auf ihre Chance warten – auch im Training mit ausgedünntem Kader wie derzeit, da viele Spieler der Eintracht mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind. Um ihn muss sich jedenfalls keiner mehr Sorgen machen. Diese Rolle übernahm beim Training am Dienstag ein anderer: Kevin Trapp nämlich verließ humpelnd den Trainingsplatz, nachdem ihn Angreifer Lucas Piazon am Knöchel getroffen hatte. Die Sache war am Ende nicht so schlimm, Trapp war beim zweiten Training des Tages wieder dabei, aber der Schreckmoment zeigte: Probleme lauern überall – die Frage ist nur, wie man sie hinter sich bringt.

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