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Eintracht Frankfurt : An der nächsten Stufe

  • -Aktualisiert am

Mit offenen Armen: Heinz Lindner und die Eintracht haben sich gesucht und gefunden. Bild: Heiko Rhode

Während Kevin Trapp in Paris Ansprüche aufs DFB-Trikot anmeldet, stürzt sich Heinz Lindner bei der Eintracht begeistert in die Herausforderung Bundesliga.

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          Heinz Lindner ist die Freude am Beruf anzusehen. Er wirft sich mit Begeisterung nach jedem Ball, dem ihn Torwarttrainer „Moppes“ Petz entgegen schießt. In den Pausen wirkt er fast schon vergnügt und es scheint ihm gar nicht schnell genug weiter gehen zu können. Am Freitag wird der Österreicher 25 Jahre alt, und er empfindet die Frankfurter Eintracht als Glücksfall für seine Karriere. „Ich will spielen“, sagt er, wenn er nach seinem Ziel gefragt wird. Bisher war das für ihn eine Selbstverständlichkeit. Für Austria Wien verpasste er in den vergangenen drei Jahren kein einziges Punktspiel. Aber das genügte ihm nicht mehr.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Ich will Titel holen“, sagt Kevin Trapp, wenn er seine Ambitionen nennen soll. An diesem Montag wurde er von seinem neuen Verein PSG St.-Germain offiziell vorgestellt. Als Lindner bei der Eintracht unterschrieb, war der gebürtige Saarländer, der in der vorigen Woche 25 Jahre alt wurde, noch die Nummer 1 der Eintracht – und er sollte im Laufe der Zeit das Gesicht werden, mit dem der Verein identifiziert wird. Doch das genügte Trapp nicht. Die Chance, in einem der berühmtesten Klubs der Welt sein Geld zu verdienen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Als sich die Franzosen durchrangen, fast zehn Millionen Euro Ablöse an die Frankfurter zu zahlen, machte ihm die Eintracht den Weg nach Paris frei – und Lindner erhielt freien Zugang in das Frankfurter Tor.

          Lindners Karriere stockte

          Der Österreicher behauptet, das mache für ihn gar nicht so einen großen Unterschied. Denn eines sei klar, ein neuer Torwart komme noch hinzu. Aber dass es sich um ein ähnliches Schwergewicht wie Trapp handeln wird, ist schwer vorstellbar. Und so ist er schon vor dem Saisonstart seinem Ziel nähergekommen – „den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen, in einer der besten Ligen der Welt zu spielen.“ Und nicht nur dabei zu sein.

          Lindners Entwicklung war zuletzt ein bisschen ins Stocken geraten. 2013 waren er und die Austria noch Aushängeschilder des österreichischen Fußballs. Unter Trainer Peter Stöger, der mittlerweile den 1.FC Köln nach oben gebracht hat, holte das Team gegen die Brause-subventionierte Mannschaft von Red Bull Leipzig die österreichische Meisterschaft und zog dann auch in die Champions League ein. Lindner wurde Nationaltorhüter (sieben Länderspiele) und machte zudem in der Königsklasse auf sich aufmerksam – etwas, was er Trapp noch voraus hat.

          Trapps Gegner in Paris

          Ohne Stöger fiel die Austria jedoch ab und belegte in der abgelaufenen Saison nur noch Rang sieben – und Lindner musste in der Nationalelf Robert Almer den Vortritt lassen, der damals Ersatztorwart bei Hannover 96 war. „Es war Zeit für einen neuen Reiz“, sagt Lindner, wissend, dass im Kampf um das Nationaltrikot im Ausland beschäftigte Torhüter die besseren Karten haben. Er verlängerte seinen auslaufenden Vertrag nicht mehr. Sein Nachfolger bei der Austria wurde interessanter Weise ausgerechnet Robert Almer, der nicht länger Nummer 2 in Hannover sein wollte.

          Trapps Konkurrent in Paris heißt Salvatore Sirigu, immerhin italienischer Nationaltorhüter. Aber Trapps Selbstbewusstsein ist groß genug, dass er glaubt, die Nummer 1 bei St.-Germain zu werden. „Ich bin sicher, dass ich mich mit Teamkollegen wie Ibrahimovic, Thiago Silva, Maxwell und Cavani noch verbessern werde,“ sagte er. Und er machte auch vor dem Thema Nationalmannschaft keinen Bogen: „Natürlich ist die Nationalmannschaft mein Ziel. Und bei einem Verein, der regelmäßig in der Champions League spielt, verbessern sich die Chancen. Aber jeder weiß, wie gut Manuel Neuer ist“, sagt Trapp. Aber es gibt bei Löws Auswahl ja auch noch einen Platz hinter Neuer.

          Der Platz hinter Almer genügt Lindner sicher nicht. Aber er hat erst Mal andere Prioritäten. „Ich muss mich an die Umstellung gewöhnen“, sagt er. Das Niveau in Frankfurt sei höher als bei der Austria. Und die Schüsse von Eintracht-Torwarttrainer „Moppes“ Petz „sind um einiges härter“, sagt er mit einem Lächeln. Die beiden verstehen sich auf Anhieb bestens. „Moppes ist zwischendurch immer für einen Spaß zu haben, weiß aber genau, wann er ernst machen muss.“ Auch die Mannschaftskollegen hätten ihm den Einstieg leicht gemacht und die Stadt gefalle ihm außerordentlich gut. Ganz ähnlich klingt Trapp in Paris. Doch beide wissen bei aller Begeisterung am neuen Arbeitsplatz: Die Zeit der Bewährung kommt noch.

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