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Eintracht Frankfurt : Eine Alternative namens Nelson Valdez

Stürmer, Kämpfer, Aushilfskapitän: Schlägt für Valdez schon am Samstag die Stunde des Comebacks? Bild: Heiko Rhode

Die Eintracht hat wegen der Gelben Karte für Seferovic ein Sturmproblem. Spielt der Paraguayaner nach auskuriertem Kreuzbandriss schon gegen den HSV?

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          Für Nelson Valdez war es eine „große Ehre. Ein sehr große sogar“, wie der 31 Jahre alte Eintracht-Profi am Mittwoch sagte. Es war der Tag nach dem sogenannten Geheimtest, den der Frankfurter Fußballtrainer Thomas Schaaf nach einem Gespräch mit seinem Trainerkollegen Benno Möhlmann anberaumt hatte. Die Eintracht gegen den FSV – niemand durfte am Dienstag zuschauen, als sich Erst- und Zweitligamannschaft auf dem mit Sichtblenden versehenen Platz an der Wintersporthalle gegenüberstanden. Angeführt wurde die Eintracht von – Valdez. Schaaf hatte den Stürmer aus Paraguay zum Kapitän bestimmt, was diesen mit großem Stolz erfüllte. „Ich habe die Binde mit Herz getragen.“ Dass die Eintracht den Vergleich mit den Bornheimern, bei denen Edmond Kapllani doppelt erfolgreich war, 1:2 verlor (für die Eintracht traf Sonny Kittel), war nebensächlich. Im Vordergrund stand auch und vor allem die Frage: Ist Valdez nach auskuriertem Kreuzbandriss wieder richtig fit? Ist er womöglich schon eine Alternative für das kommende Heimspiel der Eintracht gegen den Hamburger SV?

          Dass Schaaf derzeit ein Sturmproblem hat, ist offenkundig. Haris Seferovic ist wegen der fünften Gelben Karte, die er bei der 1:3-Niederlage in Mainz erhalten hatte, für die Samstagspartie gegen den HSV (18.30 Uhr Anpfiff) gesperrt. Alexander Meier ist derzeit nicht in der Form, die ihn vor Wochen zum zwischenzeitlich erfolgreichsten Torschützen der Bundesliga werden ließ. Zumal: Meier ist, formal betrachtet, überhaupt kein Angreifer, sondern ein offensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler. Der Begriff Mittelfeldstürmer beschreibt am trefflichsten Meiers Rolle bei der Eintracht. Weitere Stürmer? Nicht so recht in Sicht. Lucas Piazon könne ganz vorne spielen, sagt Schaaf. Und Sonny Kittel auch. Idealbesetzungen aber sehen anders aus. Auf die Dienste von Vaclav Kadlec hat die Eintracht bis zum Ende der Saison freiwillig verzichtet. Der Tscheche ist in die Heimat ausgeliehen und scheint sein Glück tatsächlich bei seinem alten Klub Sparta Prag zu finden, für den er am Wochenende doppelt erfolgreich am Ball gewesen ist. Bleibt als Sturmpartner an der Seite von Meier – Valdez. Eigentlich käme eine Berufung für den Südamerikaner noch zu früh. Schließlich hat er nach seinem ersten 45-minütigen Einsatz nach seiner schweren Knieverletzung gesagt: „Mein Ehrgeiz ist sehr groß. Aber die Zeit ist noch nicht reif.“ Andererseits sagt Valdez am Mittwoch aber auch: „Mein Knie hat gut reagiert, nämlich gar nicht. Ich fühle mich gut, sehr gut sogar. Alles ist in Ordnung.“

          Zambrano in Mailand statt am Main

          Valdez schon am Samstag zurück in der Bundesliga, in der er letztmalig beim Auswärtsspiel am 30. August in Wolfsburg am Ball gewesen ist? Bruno Hübner kann sich das nicht so recht vorstellen. Der Sportdirektor der Eintracht, der auch am Mittwoch die Nähe und den Kontakt zu Trainern und Spielern suchte, weiß um die grundsätzliche Schwere von Kreuzbandverletzungen und die Zeit der Wiedereingliederung in den Spielbetrieb. „Wir müssen abwarten, dass Nelson eine Alternative wird.“ Valdez selbst äußerte sich, seinem Wesen entsprechend, positiv: „Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder da bin. Ich hoffe, dass ich meine Verletzung hinter mir lassen kann und für den Rest der Saison zu hundert Prozent zur Verfügung stehe.“ Ob dies einher geht mit einer Nominierung für das wegweisende Heimspiel gegen den HSV, vermag Valdez nicht zu sagen. Diplomatisch erwiderte er: „Der Trainer ist der Chef. Er entscheidet.“

          Entscheidungen trifft nicht nur Thomas Schaaf. Auch Bruno Hübner muss Pflöcke einschlagen und Leitlinien bestimmen. Dass dies in Spielerfragen in enger Kooperation mit dem Trainer geschieht, versteht sich von selbst. Die Eintracht ist demnach nach wie vor bestrebt, die im Sommer auslaufenden Arbeitsverträge von Bastian Oczipka und Carlos Zambrano zu verlängern. Vielleicht nicht um jeden Preis. Doch der Linksverteidiger und der Innenverteidiger sollen langfristig gebunden werden. Hübner als Verhandlungsführer sieht keinen Grund zur Eile. „Wir haben uns kein Zeitfenster gesetzt“, sagte er am Mittwoch. „Demnächst“, wann immer das sein mag, soll es aber schon konkreter werden.

          Konkret wurde es zum Wochenstart am Montag. Manch übereifriger Reporter sah Zambrano danach schon im Dress des AC Mailand. Doch weit gefehlt: Der Abwehrchef der Eintracht hatte den freien Tag zu einem Abstecher in die norditalienische Metropole genutzt, um sich mit Freunden in einem peruanischen Restaurant zu treffen. Müßiggang in Mailand statt am Main – Eintracht-Sportdirektor Hübner sagte: „Carlos hat uns gesagt, was er vorhat und hat sich entsprechend abgemeldet. Er kann an seinem freien Tag machen, was er will.“

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