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Eintracht Frankfurt : Sie sind dann mal weg

  • -Aktualisiert am

Der Gewinner unter den Verlierern: Daichi Kamada im Testspiel mit St. Truiden gegen die TSG Hoffenheim. Bild: dpa

Eintracht Frankfurt hat derzeit acht seiner Spieler ausgeliehen. Davon hatte sich der Verein einiges versprochen. Was wurde eigentlich aus ihnen?

          Bei der Frankfurter Eintracht blüht in dieser Fußballsaison aus Leistungsgründen das Leihgeschäft. Besser gesagt, das Ausleihgeschäft. Fünf Spieler – Daichi Kamada, Marijan Ćavar, Max Besuschkow, Aymane Barkok und Danny Blum – hatten die personell üppig aufgestellten Hessen bereits im vergangenen Sommer an andere Vereine verliehen. Ihnen folgten nun im Winter Nicolai Müller (zu Hannover 96), Torhüter Felix Wiedwald (MSV Duisburg) und Nachwuchsspieler Deji Beyreuther (Chemnitzer FC). Die Einsatzchancen bei den beiden Letztgenannten waren bei null.

          Damit ist die Eintracht im Bundesligavergleich besonders aktiv, hinter der TSG Hoffenheim (aktuell neun verliehene Spieler) belegt sie den zweiten Platz. Würde bei den Frankfurtern noch der schon in Vergessenheit geratene Andersson Ordónez – ihn transferierte die Eintracht vor einem Jahr nach Ecuador zu LDU Quito – richtig dazuzählen, würde sogar Gleichstand mit der TSG herrschen.

          Kamada konnte Marktwert steigern

          Von ihrem Modell zur punktuellen Kaderreduzierung verspricht sich die Eintracht im Idealfall, dass sich der verliehene Spieler an anderer Stelle prächtig entwickelt und mit reichlich Spielpraxis gestärkt nach Frankfurt zurückkommt. Oder er wird am Ende der Leihe per Kaufoption fest von seinem Arbeitgeber verpflichtet, weil er dort vollauf überzeugte. Dann könnte die Sache wenigstens noch einen wirtschaftlichen Wert für die Eintracht haben. Seinen Marktwert auf jeden Fall gesteigert hat Kamada in Belgien. Der Japaner ist momentan der Gewinner unter den vermeintlichen Verlierern, die sich bisher als Profi nicht in Frankfurt durchsetzen konnten.

          In seinen 17 Pflichtspieleinsätzen für den Erstligaverein und Tabellensechsten VV St. Truiden kommt der 22-Jährige auf elf Tore und drei Vorlagen. In der Torschützenliste der „Jupiler Pro League“ rangiert er damit auf dem fünften Platz. Kamada ist der erfolgreichste Schütze seines Teams. „Wir sind überzeugt, dass Daichi dort eine gute Rolle spielen wird“, hatte der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner schon beim Wechsel des talentierten Offensivspielers gesagt. Etwas mehr als eine Million Euro hatten sich die Hessen die Verpflichtung des japanischen U 23-Nationalspielers kosten lassen. In der Bundesliga fehlte ihm allerdings noch die Durchsetzungsstärke. Im Besitz einer Kaufoption für Kamada sollen die Belgier nicht sein.

          Spielpraxis aber auch Verletzungen

          Das ist bei Ćavar anders, der kroatische Erstligaklub NK Osijek könnte sich am Ende des Leihgeschäfts die Dienste des 20 Jahre alten Mittelfeldspielers sichern. Die Erwartungen enttäuschte der Bosnier Cavar in den vergangenen Monaten nicht. Beim Tabellenzweiten der höchsten kroatischen Liga stehen für ihn bisher neun Einsätze zu Buche. Ćavar, dem in Frankfurt eigentlich mehr Zeit zum Reifen eingeräumt werden sollte, erwies sich als Stütze seiner Mannschaft. Zu den positiven Erscheinungen im Kreis der Ausleihspieler gehört jetzt auch Besuschkow. Sein Betätigungsfeld ist die zweite belgische Liga. Im Trikot des Tabellendritten von Royale Union Saint-Gilloise aus der Nähe von Brüssel lief er bereits 20 Mal auf. Was die Spielpraxis angeht, ist das für den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler ein bedeutender Schritt nach vorne, denn bei seiner vorherigen Ausleihstation Holstein Kiel war der gebürtige Tübinger kaum gefragt. Es wäre womöglich auch im Sinne von Besuschkow, wenn die Belgier die Kaufoption für ihn zögen.

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          Von seinem Neustart in Düsseldorf hatte sich wiederum Aymane Barkok wesentlich mehr erhofft. Der 20 Jahre alte Profi hatte bei der Eintracht mit Toren auf sich aufmerksam gemacht, bevor seine Karriere wieder ins Stocken geriet. Nun liegt eine Bundesliga-Hinrunde hinter ihm, in der er sich aufgrund von Verletzungen kaum zeigen konnte. Der Offensivspieler wird in der zweiten Saisonhälfte angreifen müssen, will er seine Karrierechancen auf höchstem Niveau nicht weiter schmälern. Barkok muss vor allem in Konstanz seine Leistungen bringen.

          Stagnation kennzeichnet hingegen mittlerweile die Karriere von Danny Blum. Dem Offensiv-Allrounder ist auch beim spanischen Zweitligaklub UD Las Palmas noch nicht der Durchbruch gelungen. Zwei Vorlagen in 13 mehr oder weniger langen Einsätzen stehen in seiner Bilanz. Zuletzt musste der 28-Jährige aufgrund einer Muskelverletzung pausieren. Dass die Spanier von der Kaufoption bei Blum Gebrauch machen, damit kann die Eintracht nach jetzigem Stand nicht rechnen. In diesem Fall hätte das Ausleihgeschäft beide Parteien nicht weitergebracht.

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