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Eintracht-Abwehrchef Hasebe : Der Abräumer greift an

35 Jahre alt und fitter als viele jüngere Kollegen: Makoto Hasebe gehört zu der Frankfurter Erfolgsformation. Bild: Heiko Rhode

Makoto Hasebe sorgt als Abwehrchef der Eintracht für Sicherheit. Für den Saisonendspurt positioniert sich der Routinier mit einer wagemutigen Prognose: „Platz drei ist möglich.“

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          Die Wochen der Entscheidung stehen bevor. Am Donnerstag hielt sich auch deswegen eine Delegation der Europäischen Fußball-Union in Frankfurt auf, um rund um das Eintracht-Team Filmaufnahmen zu drehen, mit der sich die nächsten Partien in der Europa League imagefördernd bebildern lassen. Am liebsten hätte der Kameramann bereits Statements einiger Protagonisten mit Blick auf die Halbfinals aufgezeichnet, um frühzeitig mit PR-Material versorgt zu sein; obwohl längst nicht feststeht, wer in der Vorschlussrunde noch dabei sein wird. Dieser Wunsch der Gäste wurde aber abschlägig beschieden. Immer mit der Ruhe, lautet schließlich ein Leitsatz, an dem sich die Verantwortlichen beim Bundesliga-Vierten (bislang mit herausragenden Resultaten) in ihrer Arbeit orientieren. Und nun, da es wirklich zählt, heißt es umso mehr: Eins nach dem anderen!

          Makoto Hasebe richtete nach dem Vormittagstraining seinen Fokus ebenfalls zunächst auf die naheliegende Aufgabe: die kommende Auswärtspartie beim FC Schalke 04. Alles andere als eine Hürde, die sich beiläufig und mit gedrosseltem Einsatz überspringen lässt. Es werde darauf ankommen, sich an diesem Samstag so „zu konzentrieren“, dass der Gegner trotz des Heimvorteils nicht in der Lage sein werde, die Eintracht zu stoppen, sagte der Japaner. Seit 14 Spielen ist die Auswahl von Trainer Adi Hütter ungeschlagen. „Besser geht es nicht“, meinte der 35-Jährige, „wir haben gerade die beste Atmosphäre seit ich hier bin.“ Er selbst, der 2014 aus Nürnberg an den Main wechselte, gehört seit Monaten zu den führenden Köpfen einer Mannschaft, die ihre Grenzen nach oben verschiebt. Und so soll es bleiben.

          Für Spannung ist gesorgt

          Während Kollege Sebastian Rode nach dem 3:0 gegen Stuttgart davon sprach, „dass wir den vierten Platz jetzt nicht mehr hergeben wollen“, ging der Routinier noch einen Schritt weiter: „Wir können mehr erreichen. Auch Platz drei ist möglich.“ Momentan kann die Eintracht 49 Punkte vorweisen. Der Rückstand auf RB Leipzig beträgt vor dem 28. Spieltag drei Zähler, der Vorsprung vor dem ersten Verfolger, Mönchengladbach, zwei. Für Spannung ist gesorgt. Hasebe sieht eine „große Chance“, in Gelsenkirchen die Ausgangsposition weiter zu verbessern. Sein Optimismus hängt auch mit Erkenntnissen beim Fernsehschauen zusammen. Die Pokal-Niederlage der „Königsblauen“ gegen Werder Bremen (0:2) bestätigte ihn in seinem Eindruck, dass sich der in den Abstiegskampf verwickelte Konkurrent „aktuell schwer tut“.

          Ziel müsse es sein, dort „mehr als einen Punkt“ zu erreichen. Sprich: der nächste Sieg, es wäre der 15 in dieser Saison, soll her. „Wenn wir hundert Prozent von dem auf den Platz bringen, was wir können, gewinnen wir“, legte sich Hasebe entgegen seinem ansonsten oft zurückhaltenden Naturell fest. Er ist als Abwehrorganisator einer der ausschlaggebenden Faktoren für den seit Monaten anhaltenden Frankfurter Fortschritt. Seit sich Hütter entschloss, seine ursprüngliche Absicht einer Viererkette zu verwerfen und auf einer Dreiervariante in letzter Reihe zu setzen (deren Mittelpunkt Hasebe als freier Mann bildet), verfügt die Defensive über Stabilität, die als Grundlage für den Angriffsschwung dient. Selbst von einem Nasenbeinbruch ließ sich der Libero kürzlich in seiner Einsatzbereitschaft nicht bremsen. Nur den holprigen Saisonstart verpasste Hasebe krankheitsbedingt, außerdem fiel er kurz vor Weihnachten wegen muskulärer Probleme aus.

          Ansonsten ist er ein Musterbeispiel an Zuverlässigkeit. Trotz seines für einen Profi fortgeschrittenen Alters – oder gerade deswegen, wie er meint. Seine Leistung habe viel „mit Erfahrung“ zu tun, schildert Hasebe. Überhaupt müsse er den „Mitspielern danken“, die es ihm leicht machten: „Ich muss nur als Abräumer aufpassen und ein bisschen was für den Spielaufbau machen. Das ist nicht so schwierig.“

          Dass er dem anhaltenden Stress so problemlos gewachsen ist, führt Hasebe auf seinen Lebenswandel zurück. „Ich gebe alles für Fußball.“ Er achtet unter anderem auf erstklassige Ernährung, absolviert freiwillig fitnessfördernde Zusatzschichten und legt Wert darauf, dass Zeit genug bleibt, um Beine und Seele baumeln zu lassen. Wohin das führen soll, sprach Hasebe ebenfalls deutlich aus: „Ich will noch einmal in die Champions League.“ Mit der Eintracht. Das besondere Königsklassen-Flair hat er aufgrund seines Engagements beim VfL Wolfsburg (2008 bis 2013) in bester Erinnerung. Mit einem Erfolg „auf“ Schalke soll der Traum ein Stück wahrscheinlicher werden. Dafür müssten alle „laufen und kämpfen“, sagte Hasebe am Donnerstag. Wohlwissend: Auch das kann dieser Eintracht-Jahrgang besonders gut.

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