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Kommentar zur Eintracht Frankfurt : Ein Schlag vor die Brust

  • -Aktualisiert am

Auf den Eintracht-Adler klopft er nicht mehr: Künftig ziert die 96 von Hannover den Arbeitsdress von Joselu. Bild: Wonge Bergmann

Nun verlässt auch noch Joselu die Eintracht. In der nächsten Saison steht der Spanier für Hannover auf dem Platz. Das ist der fünfte Leistungsträger, der geht, und ein herber Schlag für die Pläne der Eintracht.

          Der Nächste, bitte! Nun auch noch Joselu. Der Abgang des Spaniers ist eine weitere schlechte Nachricht, die die Eintracht bei ihrer Kaderplanung für die kommende Saison zu verkraften hat. Dass der Vierundzwanzigjährige demnächst das Trikot von Hannover 96 trägt und er seinem bisherigen Arbeitgeber zum Abschied die Botschaft hinterlässt, es ziehe ihn zu einem Klub, der eine verlässlichere Perspektive bietet, kann den Frankfurtern überhaupt nicht gefallen. Das Geschäft besitzt eine Symbolik, die über die blanken Details hinausreicht: Mit Joselu verabschiedet sich ein Stammspieler nicht zu einer Bundesliga-Topadresse, sondern zu einem Mitbewerber, mit dem sich die Hessen gerne auf Augenhöhe wähnen. Solche Deals schmerzen besonders.

          Stand jetzt gibt die Eintracht für die kommende Runde ein ziemlich schwächliches Bild ab. Die vor einem Jahr zur gleichen Zeit breite Brust ist deutlich schmaler geworden. Die verbleibenden neun Wochen bis zum Saisonstart werden durch die Vielzahl der Rückschläge in der personellen Planung auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Eintracht hat erheblich an Qualität verloren, und es dürfte einiges an (finanzieller) Überzeugungskraft kosten, potentielle Zugänge anzuheuern, die auf Anhieb das Niveau spürbar anheben. Mindestens eine Handvoll Profis werden noch benötigt. Transfers der Größenordnung Chandler oder Hasebe genügen nicht, um die Nerven der Pessimisten, die gerade zu Recht Hochkonjunktur haben, zu beruhigen.

          Pläne des Vereins zusehends unrealistisch

          Mehr als alle anderen im Verein ist Bruno Hübner gefragt. Er steht in diesem Sommer besonders unter Beobachtung – und Druck. Den Sportdirektor hat sein in der Vergangenheit gutes Näschen zuletzt getrogen. Weder beim Buhlen um Chefcoach Veh, Neu-Nationalspieler Jung, Kapitän Schwegler oder Angreifer Joselu konnte er ein Ergebnis erzielen, das zu den Ambitionen der Eintracht gepasst hätte: Mal hatte die Gegenseite bessere wirtschaftliche Argumente, oder aber die von Hübner skizzierten persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten am Bundesliga-Standort Frankfurt überzeugten nicht.

          Die Entscheidung Joselus, der seit Wochen umgarnt wurde, konterkariert die Frankfurter Absichten, sich zu einem Team weiterzuentwickeln, das mittelfristig internationale Perspektiven besitzt. Nur das Gegenteil ist nun, nach dem Weggang des fünften Leistungsträgers, bis auf weiteres realistisch: Der Kampf um den Klassenverbleib bleibt das einzig vernünftige Ziel. Diese Aufgabe ist in einer fußballbegeisterten Stadt, in der viele ihren Lieblingsklub zu Höherem berufen sehen, nur schwer als nächster Entwicklungsschritt zu verkaufen. Aber zugleich äußerst schwer. Eine unangenehmere Konstellation gibt es kaum.

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