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Eintracht Frankfurt : Abflug ohne Hildebrand

  • -Aktualisiert am

Gespräch unter Männern: Eintracht-Trainer Schaaf erlaubt Hildebrand, sich nach anderen Vereinen umzuschauen. Bild: Wonge Bergmann

Timo Hildebrand will nicht Torwart Nummer drei bei der Eintracht sein und hat um Freistellung vom Trainingslager gebeten. Die Zeichen stehen auf Abschied.

          Willkommen an Bord! Wenn die Frankfurter Eintracht an diesem Dienstag um die Mittagszeit ins Trainingslager nach Abu Dhabi fliegt, wird sie sich in der Lufthansa-Maschine gut aufgehoben fühlen. Denn rechts neben dem Schriftzug: „Wir fliegen auf Frankfurt“ haben zwei Mitarbeiter des Unternehmens das Vereinswappen des Bundesligaklubs auf das Flugzeug geklebt. Für acht Tage verabschieden sich Trainer und Mannschaft in den Wüstenstaat. Einer aber wird nicht zur sportiven Reisegesellschaft gehören: Torwart Timo Hildebrand. Es war sein Wunsch.

          Als die Eintracht am Montagnachmittag das 28Köpfige Spieleraufgebot bekanntgab, fehlte der Name des Fünfunddreißigjährigen. Kevin Trapp, Felix Wiedwald, Emil Balayev und Yannick Zummack – das sind die vier Torhüter der Hessen für Abu Dhabi. Hildebrand hingegen bat am Montag nach einem Gespräch mit Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Bruno Hübner um seine Freistellung vom Trainingslager. „Timo will seine persönliche und vertragliche Zukunft regeln“, sagte dessen Berater Jörg Neblung dieser Zeitung. Aufgrund der momentanen Torhütersituation sei es der Wunsch von Hildebrand, „sich noch mal zu verändern, statt Ballast für den Verein zu sein“. Neblung dementierte aber Meldungen, wonach der Vertrag des Torhüters mit der Eintracht schon aufgelöst sei. Er wolle auch nicht ausschließen, dass Hildebrand noch einmal ins Training bei der Eintracht einsteigt, wenn die Frankfurter aus dem Trainingslager zurückgekehrt sind, sagte der Berater. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

          Eine Überraschung für Hübner

          Aus seinem Wunsch, in die Vereinigten Staaten in die Major League Soccer (MLS) zu wechseln, hatte Hildebrand kein Geheimnis gemacht. „Wir sprechen in verschiedene Richtungen. Es gibt auch ein paar andere, thematisch interessante Länder“, sagt Neblung. „Die Dinge sind noch relativ offen.“ Hildebrand hat seinen Abgang bei der Eintracht eingeleitet, wäre er doch nach jetzigem Stand nur die Nummer drei hinter Stammtorwart Trapp und Wiedwald. An dessen Verpflichtung war und ist Werder Bremen interessiert. Doch der Frankfurter Sportdirektor Hübner sendete das Signal an die Weser aus, Wiedwald nicht für eine Ablösesumme in Höhe von 350.000 Euro ziehen lassen zu wollen – und das, obwohl dieser im Sommer ablösefrei ist. Für Hildebrand wiederum waren das und die Unterredung mit der sportlichen Leitung das Zeichen, sich neu zu orientieren.

          Zumindest eine kleine Überraschung muss das für Hübner gewesen sein. Denn am vergangenen Samstag hatte er beim Frankfurter Hallenturnier noch gesagt, dass sich alle Beteiligten darauf geeinigt hätten, bis zum Ende dieses Monats keine Veränderungen an der Torhütersituation vorzunehmen. Nur die Nummer drei will Hildebrand nicht sein. Ihn hatte die Eintracht Ende September nachverpflichtet, weil sich Stammkeeper Trapp einen Syndesmosebandriss im linken Sprunggelenk zugezogen hatte. Da Trapp, den am Montag eine Erkältung plagte, im Dezember noch nicht so weit und Wiedwald in dieser Zeit am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt war, hatte Hildebrand in den letzten drei Hinrundenspielen im Frankfurter Tor gestanden. Seine Bundesligaspiele 299 bis 301 waren wohl seine Abschiedsvorstellung.

          Viele Youngster mit dabei

          Nachdem die Mannschaft an diesem Dienstag vor der Abreise von 8.30 Uhr an noch einmal trainiert hat, sollte auch Nelson Valdez ein bisschen überraschend in den Flieger steigen. Aufgrund eines Kreuzbandrisses hatte der Offensivspieler fast die gesamte erste Saisonhälfte verpasst. Sein Genesungsprozess verläuft nun aber schneller als gedacht. Trotzdem korrigierte die Eintracht dann die Liste: Für ihn rückte das Talent Enis Bunjaki nach.

          Mit Nico Rinderknecht, Ilias Azouaghi, Hermann Dörner und Yusupha Yaffa dürfen vier weitere Youngster Profiluft in Abu Dhabi schnuppern. Yaffa und Dörner werden aus dem Trainingslager der U19 in der Türkei zur Mannschaft von Schaaf stoßen. Der Routinier Hildebrand hingegen bleibt zu Hause. „Seine Mission bei der Eintracht ist erfüllt“, sagt Neblung.

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