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Eintracht : Eine Woche laufen und schwitzen

Trainieren sich im Sommer-Trainingslager fit für neue Spitzenspiele: Trainer Armin Veh (vorne) und seine Eintracht-Jungs. Bild: Setzer, Claus

Mit 25 Spielern ist die Frankfurter Eintracht ins Trainingslager nach Windischgarsten gereist. Für die Profis des Bundesliga-Aufsteigers stehen täglich drei Übungseinheiten auf dem Programm.

          Tirol, Kärnten, Salzburg - und nun Oberösterreich. Stets führt die Frankfurter Eintracht im Sommer die Reise ins Nachbarland Österreich. Die meisten der deutschen Bundesligavereine setzen auf den Frischefaktor in der Alpenrepublik - so auch der Erstliga-Aufsteiger aus Hessen. Nach bisherigen Stationen in Zell, Hermagor und Leogang zieht es die Frankfurter Reisegesellschaft diesmal nach Windischgarsten. Eine kleine Marktgemeinde mit 2500 Einwohnern, 600 Meter hoch gelegen. Umrahmt von den Bergen der Haller Mauern im Süden, des Sengsengebirges im Norden und des Toten Gebirges im Westen. Am Rande des Ortes das Mannschaftshotel und nicht weit davon entfernt die Sportanlage mit vier schmucken Fußballplätzen.

          Am Freitagnachmittag, als der Eintracht-Tross nach der siebeneinhalbstündigen Busfahrt erstmals ein lockeres Lauftraining absolvierte, gab es vorab zur Begrüßung ein kräftiges Gewitter mit Hagelstürmen. Doch rechtzeitig zum Start um halb sechs riss die Wolkendecke auf. Konditionstrainer Christian Kolodziej lief gemeinsam mit den Eintracht-Profis die Strapazen der Busfahrt aus den Beinen, die wegen eines Blitzeinschlages in einem Autobahntunnel länger als geplant dauerte. Chefcoach Armin Veh und sein Assistent Reiner Geyer verfolgten aufmerksam die Szenerie auf Rasenplatz Nummer zwei des SV Windischgarsten. Eine Stunde zuvor hatten dort noch die Kicker des österreichischen Meisterschaftszweiten Rapid Wien trainiert.

          „Klar, gehen die Jungen mit“

          Eine Woche Sommertrainingslager also. Eine Woche laufen und schwitzen. Es ist alljährlich fast immer der gleiche Ablauf, dem sich die Fußballprofis stellen müssen. Diesmal sind es 25 Spieler, die Aufstiegstrainer Armin Veh mit nach Windischgarsten genommen hat. Eine bunte Mischung, denn neben etablierten Kräften wie Oka Nikolov, Pirmin Schwegler, Alexander Meier und Benjamin Köhler gehören auch die Neuzugänge wie Bastian Oczipka, Stefan Aigner, Martin Lanig und Olivier Occean zum Gesicht der neuen Eintracht. Und dann sind da auch noch die ganz Jungen. Mit Erik Wille und Alexander Hien gibt es ein Duo, das schon im Vorjahr mit Profiverträgen, beginnend vom Juli 2012 an, ausgestattet worden ist. Der Dritte im Bunde, Julian Dudda, hat die Reise nach Österreich kurzfristig nicht angetreten. „Den habe ich in den Urlaub geschickt“, sagte Trainer Veh. „Der war platt.“ Die beiden anderen Neunzehnjährigen sind es nicht, und sie sind auch nicht alleine. Veh gibt nämlich weiteren Jungtalenten eine Chance, sich im Kreis der Etablierten zu beweisen. Auch die beiden 16 Jahre alten Marc Stendera und Marc Oliver Kempf aus der U17 der Eintracht dürfen in erstklassiger Umgebung mit den Profis trainieren. „Klar, gehen die Jungen mit“, sagte Veh vor der Abreise. „Die Jungs gefallen mir. Stendera, das ist einer, der kann kicken. Und Kempf, das ist ein robuster Bursche“, lobte er. „Beide machen einen guten Eindruck, auch vom Kopf her.“ Für Veh kommt der Arbeitswoche in Windischgarsten eine besondere Bedeutung zu. „Im Sommer legst du die Grundlagen für das ganze Jahr“, sagte er. „Sechseinhalb Wochen Vorbereitungszeit sind optimal. Wir haben sieben, das geht. Aber bei acht Wochen würdest du verrückt werden.“

          Anders als beispielsweise der erstklassige Nachbar und Rivale Mainz 05 zieht Veh sein Programm in einem Stück durch. Urlaub in der Mitte, das gibt es nicht. Dafür durften sich die Aufsteiger nach dem Saisonfinale sieben Wochen lang dem kontrollierten Müßiggang hingeben. Komplettes Nichtstun aber war verpönt; schließlich galt es, den Fitnessstand zu halten. Ein Vorhaben, das bei der Eintracht wohl als geglückt bezeichnet werden darf, denn das Trainerteam zeigte sich von den Werten nach dem am Mittwoch vollzogenen Laktattest recht angetan.

          „Wir stellen uns in diesem Jahr dem Ziel, die Liga zu erhalten - und das werden wir“

          Um noch konditionell ein paar Schippen draufzupacken, hat Veh für die Woche in den österreichischen Bergen ein umfangreiches Programm geplant. Täglich dreimal wird gearbeitet. Einmal ohne Ball morgens, wenn von 7.30 Uhr an gelaufen wird. Zweimal mit Ball, wenn vormittags von 10 Uhr an und nachmittags von 16.30 Uhr an geübt wird. „Von der Intensität her“, sagte Veh, „soll das alles nicht zu hoch sein. Aber von den Umfängen her schon.“

          Einem Zuhausegebliebenen liegt das Wohlergehen der Eintracht besonders am Herzen. Präsident Peter Fischer, gefragter Gast bei einem Präsentationstermin in Pirmasens, wo die Frankfurter am 21. Juli ein Testspiel beim Oberligaklub FK Pirmasens absolvieren, präsentierte sich am Freitag ungemein aufgeräumt und optimistisch. Vom Klassenverbleib jedenfalls, dem Minimalziel, ist er felsenfest überzeugt. „Wir stellen uns in diesem Jahr dem Ziel, die Liga zu erhalten - und das werden wir. Das garantiere ich“, sagte der 56-jährige Vereinschef. „In die erste Liga aufzusteigen ist deutlich schwerer, als aus der ersten Liga abzusteigen.“ Die Basis für eine lang anhaltende erstklassige Zukunft soll nun gelegt werden - diesmal in Windischgarsten in Oberösterreich.

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