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Eintracht : DFB-Sportgericht bestätigt Urteil

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Nach siebeneinhalb Stunden Verhandlung hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter Vorsitz von Hans E. Lorenz am Freitag das schriftliche Urteil des Einzelrichters gegen die Frankfurter Eintracht in allen Punkten bestätigt. Danach muss die Eintracht wegen Verfehlungen ihrer Fans an den letzten drei Spieltagen der vergangenen Zweitliga-Saison das erste Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen vor nur 20.000 Zuschauern bestreiten - 15.000 eigene Anhänger, 5000 Gäste-Fans sind zugelassen - und dazu 50.000 Euro Strafe zu bezahlen.

          Das Gericht hatte wegen dreier Vorfälle gegen die Eintracht verhandelt. Am 23. April hatten Fans des Klubs nach dem Spiel in Aachen den Platz gestürmt und Sachbeschädigungen begangen, nach dem Heimspiel gegen 1860 München am 29. April waren ebenfalls Zuschauer auf den Platz gelaufen, am 6. Mai in Karlsruhe war Pyrotechnik abgebrannt worden. Die Eintracht wird gegen das Urteil Berufung vor dem DFB-Bundesgericht einlegen. „Im Grunde war nach der Beweisaufnahme die Anklage nicht mehr vorhanden“, sagte Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt, „eigentlich hätte das Gericht sagen müssen: Wir haben uns geirrt.“ Richter Lorenz sah dies komplett anders. „Eintracht Frankfurt ist mit seinen Fans geschlagen“, sagte er, „wir haben heute Einblicke in die Verzweiflung eines Klubs erhalten, der eine Menge tut, qualifiziertes Personal hat, Ausschreitungen aber nicht verhindern kann.“ Dem Urteil liege das Prinzip zugrunde, dass Klubs für das Verhalten der eigenen Fans ins Haftung genommen werden können.

          „Wir kämpfen mit großer Überzeugung für 50.000 friedliche Fans“

          Die Eintracht hatte die ihr zu Last gelegten Vergehen nicht bestritten. Schickhardt aber wehrte sich vehement gegen die beantragten Kollektivstrafen. Im Fall des Platzsturms gegen 1860 München wies er zudem darauf hin, dass die Tore zum Spielfeld auf Anordnung der Polizei aus Sicherheitsgründen geöffnet worden waren, die Eintracht aber keinerlei Schuld treffe. Dem schloss sich im Laufe der Verhandlung auch das Gericht an. Schickhardt hatte sich schon in den Einlassungen zu Beginn ungewöhnlich scharf mit den Forderungen der Anklage auseinandergesetzt. Diese seien nicht nur „ungerecht und unangemessen“, sie machten auch „keinerlei Sinn“ beim Kampf gegen eine kleine Gruppe gewalttätiger Fans. „Wir kämpfen mit großer Überzeugung für 50.000 friedliche Fans, ihnen gilt unsere Sympathie und Einsatz“, sagte Schickhardt, „es kann nicht sein, dass wir Vater und Sohn ausschließen, die ein Spiel besuchen wollen.“ Der Eintracht-Anwalt sprach sich ganz konkret gegen das Mittel von Ausschlüssen von Zuschauern oder Teilausschlüssen aus. „Es gibt keine einzige Stimme, die das für sinnvoll hält“, sagte er an die Adresse von DFB-Ankläger Anton Nachreiner, „dies ist lediglich ein Mittel der Hilflosigkeit.“ Nachreiner seinerseits wies darauf hin, dass bei einer Ablehnung von Teilausschlüssen dem Gericht nur noch Spielraum bliebe zwischen einer Geldstrafe und einem kompletten Ausschluss.

          Schickhardt und die weiteren Vertreter der Eintracht versicherten, dass der Verein alles in seiner Macht stehende getan habe, um die ihnen zur Last gelegten Vorfälle zu verhindern. „Wir machen alles, und wir werden in Zukunft alles noch besser machen“, sagte Schickhardt, „wir bekämpfen diese Leute.“

          „Die Zusammenarbeit war optimal, ich kann den Frankfurtern nur das beste Zeugnis ausstellen“

          Im Laufe der Verhandlung wurden insgesamt neun Zeugen gehört. Übereinstimmender Tenor sowohl der Fan-Verantwortlichen der Eintracht als auch der Sicherheitsbeauftragten der DFL, des Geschäftsführers Frietjof Krämer von Alemannia Aachen und des Polizeieinsatzleiters in Karlsruhe war, dass die Frankfurter Verantwortlichen in der Tat alles getan haben, um Ausschreitungen zu verhindern. „Die Zusammenarbeit war optimal, ich kann den Frankfurtern nur das beste Zeugnis ausstellen“, sagte Polizei-Einsatzleiter Fritz Rüffel aus Karlsruhe. Einen ganz besonders eindrucksvollen Auftritt hatte Thomas Schneider, Leiter der Fan-Koordination der Deutschen Fußball Liga (DFL). Auch er stellte den Bemühungen der Eintracht nur „das beste Zeugnis“ aus. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bezeichnete Schneider die vom Kontrollausschuss beantragten Kollektivstrafen als „Kitt der Protestkultur“. Eine präventive Wirkung gehe davon also nicht aus.

          In einer Verhandlungspause versuchten die Parteien sich in einem Gespräch anzunähern, doch auch dieser Versuch scheiterte. Ankläger Nachreiner verließ aus terminlichen Gründen die Verhandlung während des Plädoyers von Schickhardt, was durchaus als Affront gegenüber dem Gericht und den anderen Beteiligten gewertet werden kann. Zuvor hatte er der Frankfurter Fan-Arbeit Versagen vorgeworfen. Es sei eine „Bankrotterklärung“ für die Sicherheitsbeauftragten der Eintracht, dass sie nicht in der Lage seien, die Verfehlungen zu verhindern. Sein Vorwürfe gipfelten in der Aussage, Frankfurter Fans gingen „über Leichen“.

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