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Eintracht : Der gefühlte Ausnahmezustand

Torwart Oka Nikolov, hier beim Spiel der Eintracht Frankfurt gegen den MSV Duisburg, streitet sch mit Thomas Kessler um den einen freien Platz zwischen den Pfosten. Bild: Wonge Bergmann

Hat es die Eintracht in der zweiten Liga derzeit besonders schwer, weil die Aufstiegsrivalen so stabil und zahlreich wie nie sind? Ein Rückblick zeigt: Keineswegs.

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          Die Worte wiederholen sich. Seit Wochen überschlagen sich Kommentatoren, Moderatoren und Reporter und sprechen von der „spannendsten zweiten Liga aller Zeiten“. Der Kampf um den Aufstieg: Nie sei es packender, dramatischer und enger an der Tabellenspitze zugegangen wie in der laufenden Fußballsaison 2011/2012. Das sagen auch Vertreter der Eintracht regelmäßig. Dass nämlich in Frankfurt das meiste richtig gemacht worden sei, dass es sportlich ein sehr gutes Halbjahr gewesen sei und nur die Punktzahl nicht stimme, weil die Konkurrenz an der Spitze so einmalig zahlreich und stabil sei. Fragt sich nur: Stimmt das überhaupt?

          Wer die Statistik bemüht, bekommt Erstaunliches geboten. Nein, es stimmt eben nicht. So etwas wie den aktuellen Fünfkampf um die Klassenversetzung mit Fortuna Düsseldorf (42 Punkte nach 19 Spielen), der Spielvereinigung Greuther Fürth (40), der Frankfurter Eintracht (39), dem FC St. Pauli (39) und dem SC Paderborn (39) hat es in den vergangenen fünf Jahren sehr wohl schon gegeben - sogar zweimal nacheinander. 2010 standen nach neunzehn Runden Kaiserslautern und St. Pauli an der Spitze, verfolgt von sogar vier punktgleichen Teams: Augsburg, Bielefeld, Düsseldorf und Duisburg. Im vergangenen Jahr 2011 war das Gedränge sogar noch größer. Hertha und Augsburg, die späteren Aufsteiger, grüßten von den Plätzen eins und zwei (mit 39 und 37 Punkten). In Duisburg, Fürth, Cottbus, Bochum und Aue (alle 34) rechnete sich gar ein Quintett Chancen auf den Aufstieg aus. Besonders lohnenswert ist der Blick vier Jahre zurück. Im Januar 2008, nach ebenfalls neunzehn Punktspielrunden, hatte der Tabellensiebte 1899 Hoffenheim (28 Punkte) sieben Zähler Rückstand auf Platz  zwei.

          Ob ihnen im Frühjahr 2012 endlich der große Coup gelingt?

          Das Ende ist bekannt: Die Männer aus dem Kraichgau, damals noch angetrieben von Ralf Rangnick, setzten in den restlichen fünfzehn Prüfungen zu einer erstaunlichen Aufholjagd an und überflügelten sogar noch den Tabellenzweiten, der es wieder einmal nicht schaffte - das kennt man ja von der Spielvereinigung Greuther Fürth. Andererseits: Die Franken sind seit Jahren ein Musterbeispiel für Stabilität. Stets stehen sie in der Spitzengruppe. Ob ihnen im Frühjahr 2012 endlich der große Coup gelingt? Übrigens: Die beeindruckende Punkteausbeute von Branchenprimus Düsseldorf hat es schon einmal gegeben. 2007 spielte der Karlsruher SC gleichfalls wie im Rausch und kam nach 19 Spielen auf 42 Zähler. Am Ende stiegen die Badener auf - 70 Punkte ragten heraus und hielten Rostock (62) auf Distanz. Ein Modell für die Fortuna?

          Armin Veh hat sich schon im Spätherbst des Jahres 2011 positioniert und bekräftigt: „Platz eins ist weg. Es geht nur noch um Rang zwei und drei.“ Kalkül, Berechnung oder nur der Sinn für die Realität? Der Eintracht-Trainer sah und sieht noch immer die Fortuna in der Favoritenrolle für den Meistertitel zweiter Klasse. Dabei will er selbst das auf ein Jahr angelegte Intermezzo in der zweiten Liga mit dem Meistertitel krönen. „Das fehlt mir noch in meiner Sammlung“, sagte der Schwabe immer wieder. Was ihm auch noch fehlt: Ein Stürmer mit Fortüne und Format. Längst ist der beim VfL Wolfsburg nicht mehr erwünschte Patrick Helmes Vehs Favorit für die Nachfolge des in die Türkei gewechselten Theofanis Gekas. Doch das Gefeilsche um Millionen, symptomatisch gerade für die winterliche Transferperiode, wird wohl noch bis Dienstag andauern. Veh muss sich weiter in Geduld üben und darauf hoffen, dass in den Verhandlungen mit dem allmächtigen Wolfsburger Trainer-Manager Felix Magath die Frankfurter Protagonisten um Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner den Zuschlag für den ehemaligen Nationalstürmer erhalten.

          Selbst wenn es vielleicht nicht die „spannendste zweite Liga aller Zeiten“ sein mag: Das Gedränge um die lukrativen Plätze dürfte auch in den kommenden Wochen für Kurzweil sorgen. Und weil die Eintracht nicht nur auf Helmes, sondern auch auf die schnelle Rückkehr der angeschlagenen Pirmin Schwegler, Mohamadou Idrissou und Bamba Anderson wartet, kommt der finalen Prüfung eine Woche vor dem zwanzigsten Punktspiel besondere Bedeutung zu. Gegen den FC Lausanne wird Veh an diesem Sonntag (WM-Arena, 14 Uhr) zur eher ungeliebten taktischen Ausrichtung 4-4-2 zurückkehren. Mit vermutlich neuen Kräften auf den Außenpositionen (Karim Matmour und Ümit Korkmaz). Mit einem Stürmer, der keiner ist (Caio). Und mit zwei Torhütern (Oka Nikolov und Thomas Kessler), die sich um den einen freien Platz zwischen den Pfosten streiten.

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